Escape Room: Wer kann entkommen?

Freizeitvergnügen mit Nervenkitzel als Trend: Eine Gruppe muss unter Zeitdruck knifflige Rätsel lösen. So kann sie sich aus dem Escape Room befreien.

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Der Gamemaster sieht, wie die Spieler ihre Aufgabe zu lösen versuchen.  Foto: 

Die Tür fällt ins Schloss. Fünf Arbeiter sind alleine im Büro des Hafenmeisters. Er steht unter Verdacht, in Schmuggelgeschäfte verwickelt zu sein. Seine Mitarbeiter haben eine Stunde Zeit, in den Geheimnissen des Hafenmeisters zu stöbern und den Büroschlüssel zu finden, um sich zu befreien. So ähnlich wird Familie Bircher, Urlaubern aus der Schweiz, das Szenario des Spiels von „Team Escape“ in Bremen beschrieben, bevor sie für knapp 60 Minuten in den Escape Room (Fluchtraum) eingeschlossen wird.

Ein langes Tau, eine Karte des Hafens und verschlossene Schubladen und Kisten – alles Dinge, die der fünfköpfigen Familie am Ende helfen könnten. „Wir haben uns relativ schnell aufgeteilt“, sagt Vater Daniel Bircher. Jeder von ihnen hat nach Hinweisen gesucht, die zusammen mehrere Rätsel lösen könnten. Je mehr Aufgaben gelöst sind, desto näher kommt Familie Bircher dem Schlüssel der Bürotür.

„Die Spieler kommen hinterher mit feuerroten Gesichtern raus“, sagt der Leiter von Team Escape in Bremen, Henning von Freeden. „Die freuen sich ohne Ende.“ In insgesamt drei Räumen bietet er seit Beginn letzten Jahres Rätselspiele für Gruppen mit bis zu sechs Spielern an.

Das Escape-Room-Spiel stammt aus Japan und wurde zunächst in Ungarn aufgegriffen. „Budapest ist in Europa die Stadt mit der höchsten Raumdichte.“ In Deutschland hat sich mit dem Spiel auch ein Trend entwickelt: Nach Angaben auf der Website „Live Escape Room Games“ ist das Angebot an Räumen von 2013 bis heute auf fast 500 in 107 Städten gewachsen.

René Wittek, Psychologe und erfahrener Escape-Room-Spieler, glaubt nicht, dass der Erfolg damit zu tun hat, dass man in einem Raum eingeschlossen wird. „Ich glaube, dass es vielmehr darum geht, unter Zeitdruck zu rätseln.“ Der Reiz bestehe darin, dass man die Möglichkeit habe, für eine Stunde wie ein Kind zu spielen, vermutet Wittek. „Man fängt an, die Umwelt zu vergessen, man kann sich auf ganz andere Dinge konzentrieren.“

Von Freeden (57) hat schon mehrere Escape Rooms in Deutschland und in einigen europäischen Städten ausprobiert. „Es gibt so unendlich viele Möglichkeiten, Rätsel zu bauen“. Die Aufgaben für seine Räume in Bremen entwickelt er mit seinem Team selbst. Der gesamte Prozess – von der Idee bis zu einem fertigen Raum – dauert insgesamt ein halbes Jahr. Dabei müssen die einzelnen Rätsel, die zum Schlüssel führen, gut durchdacht sein, damit die Spieler die Lösung nicht schon nach wenigen Minuten finden.

So konnte sich Familie Bircher erst drei Minuten vor dem Ablaufen der Zeit aus dem Escape Room befreien. Auf der Zielgeraden kam sie allerdings kurz ins Stocken: „Wir waren hilflos“, so Bircher. Der sogenannte „Gamemaster“ des Spiels, der alles über eine Kamera beobachtet, konnte den entscheidenden Denkanstoß geben.

Während von Freeden an die Hafengeschichte Bremens anknüpfen will, setzen andere Escape-Spiele auf gruseligere Szenarien. Der Escape Room „Ebbe und Flucht“ in Cuxhaven hat seit Juli einen neuen Raum. In einem ehemaligen Leichenhaus aus dem Jahr 1929 kommen die Spieler dem Fluch auf die Spur, der auf Mumienschätzen aus einem vor Cuxhaven gesunkenen Schiff liegt. Könnten sie das Rätsel innerhalb der vorgegebenen Zeit nicht lösen, drohe der Fluch auf sie überzuspringen, erklärt Günter Wichert von „Ebbe und Flucht“ das Spiel.

Nicht nur Familien, Junggesellenabschiede oder Freundesgruppen sind auf der Suche nach Nervenkitzel im Escape Room. Auch Unternehmen nutzen das Angebot vermehrt. „Das Interessante ist, dass man diese Spielsituation und die Möglichkeit des Beobachtens sehr gut nutzen kann für Personalentwicklungsmaßnahmen“, so von Freeden.

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