ESC: Zurück zu den Wurzeln

Die ARD will den Vorentscheid zum Eurovision Song Contest komplett umkrempeln - mal wieder. Die Macher geben das Casting-Format "Unser Star für Oslo", das 2010 den Erfolg brachte, wieder auf.

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Roman Lob war gut - aber viele haben ihn schon vergessen. Foto: dpa

Wie hieß noch gleich der deutsche Starter beim Eurovision Song Contest (ESC) in Baku? Nur sechs Monate, nachdem Roman Lob vor 120 Millionen TV-Zuschauern sein "Standing still" sang, ist es ziemlich ruhig um ihn geworden.

Vor nur 600 Fans feierte er in Hannover in diesem Monat das Ende seiner Tournee. In Hannover will die ARD nun einen neuen Stern aufgehen lassen, einen, der länger strahlen soll: Mit einem komplett umgekrempelten Vorentscheid in der niedersächsischen Landeshauptstadt soll dem Vorjahres-Sieger Schweden nachgeeifert werden.

Der deutsche ESC-Koordinator Thomas Schreiber lüftete gestern das Geheimnis, wie der deutsche Vorentscheid fürs Finale in Malmö laufen wird. Wichtigste Neuerung: Nach den Casting-Shows "Unser Star für Oslo" im Jahr 2010, bei dem die spätere ESC-Gewinnerin Lena Meyer-Landrut entdeckt wurde, und "Unser Star für Baku", bei dem Lob gewann, geben die Macher das Casting-Format wieder auf.

Eine Runde aus den großen Plattenlabels sowie einem Vertreter der Independent-Labels soll zusammen mit Schreiber und einem Verantwortlichen von Stefan Raabs Firma Brainpool acht bis zwölf Starter für den Vorentscheid am Valentinstag auswählen. Damit geht die ARD zurück zu den Wurzeln. Denn auch vor der von Raab mit "Unser Star für Oslo" gestarteten ESC-Revolution lag die Auswahl der deutschen Bewerber zum großen Teil bei den Plattenlabels.

So auch, als 2001 der Vorentscheid zum bisher letzten Mal aus Hannover kam: Damals stellten die Firmen Modemacher Rudolph Moshammer und den ehemaligen "Big-Brother"-Kandidaten Zlatko zusammen mit Wolf Maahn oder einer Michelle auf die Bühne. Es wurde eine in großen Teilen peinliche Veranstaltung, bei der am Ende Michelle gewann. Immerhin holte diese später Platz acht beim ESC-Finale.

Solch eine wilde Kandidatenmischung dürften die Verantwortlichen nun wohl nicht noch einmal zusammenstellen. Bunt dürfte das Feld, das kommenden Monat bekannt gegeben werden soll, aber werden. "Wir freuen uns auf ein paar namhafte Bands, setzen aber auch auf Newcomer, die die Senkrechtstarter des Jahres 2013 sein können", sagte Schreiber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Der ESC-Koordinator hat aus den Erfahrungen mit dem Casting für das Finale in Baku seine Lehren gezogen. Mit acht Ausscheidungen seien es viel zu viele Shows gewesen bei gleichzeitig einem viel zu geringen Zuschauerinteresse. Nun soll es eine kompakte Sendung geben, die von der Stimmung der dann mutmaßlich mit 11 000 Zuschauern ausverkauften Halle in Hannover lebt. "Es geht um die Musik. Und mit der erreicht man die Menschen am besten dort, wo sie Musik hören - in der Konzertarena", sagte Schreiber.

Neu ist der Abstimmmodus. Nur noch zu einem Drittel bestimmen die TV-Zuschauer. Zu einem weiteren Drittel die Hörer des ARD-Hörfunks: Dort werden alle Lieder schon in den Tagen vor dem Vorentscheid laufen und die Hörer können online abstimmen. Und über das letzte Drittel entscheidet schließlich eine fünfköpfige Jury. Wer darin sitzt, ist ein Geheimnis. Womöglich wird Raab dabei sein. Mit höherer Wahrscheinlichkeit ist Lena dabei. Er dürfe noch keine Namen nennen, so Schreiber. "Ich würde mich aber freuen, wenn Lena - nicht als Kandidatin und nicht nur als Sängerin - am 14. Februar bei unserer Show in ihrer Heimatstadt auch auf der Bühne steht."

Ob das neue Konzept funktioniert und Deutschland bei der Suche nach einem Nachfolger für Schwedens Siegerin Loreen ein Wort mitreden kann? Am 14. Februar kann sich das schon zeigen. Wer live in der Halle dabei sein will, kann bereits Karten kaufen. Und am Montag beginnt der Vorverkauf fürs ESC-Finale in Malmö - dort ist Deutschland wie immer gesetzt, egal, wie überzeugend oder misslungen der Vorentscheid wird.

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