Eltern im Netz

Manche Eltern mögen sich ein Leben ohne Kind nicht mehr vorstellen - und manche nicht ohne Internet. Eltern bloggen über ihr Leben als Mama oder Papa, sie betreiben Foren und sie kaufen dort ein.

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Mama Mia heißt tatsächlich Mia - wo sie wohnt, wie sie mit Nachnamen heißt, tut nichts zur Sache, einfach deswegen, weil sie darüber in ihrem Blog nichts schreibt. Den bestückt sie mit "kleinen Geschichten im Stil einer Kolumne". Zu finden, das bietet sich an, ist dieser unter www.mamamia-babyblog.blogspot.de.

Ihre Themen sind Küche und Karriere. Ihr Profil beschreibt sie so: "33 Jahre, 1 Ehemann, 1 Sohn, 1 Ziel: Noch ein Baby. In meinem Babyblog erzähle ich jede Woche vom Schwangerwerden, von meiner Schwangerschaft und vom Leben als Voll-Juristin in Teil-Zeit."

Was den Mama-Mia-Blog so besonders macht: Er hat ein modernes Design. Er ist gut geschrieben. Die Texte berühren, ohne dass sie rührselig sind und unentwegt das eigene Kind lobpreisen. Für Mama Mia ist der Blog in erster Linie ein "Verarbeitungs-Instrument". Sie schreibt sich Ärger, Frust und Sorgen von der Seele. Das könnte der Grund sein, weswegen die Texte so ehrlich geraten. So beschreibt sie unverblümt etwa, wie sie eine erneute Schwangerschaft regelrecht herbeisehnt.

Solche extrem privaten Wünsche in die Öffentlichkeit des Internet zu stellen, ist für Mama Mia völlig unproblematisch. Zumal sie sich in der Anonymität des Internets sicher fühlt. Ihre Kollegen wissen bewusst nichts über den Blog. Denn da fürchtet Mama Mia ihren "beruflichen Tod", nämlich wenn die Kollegen wüssten, dass sie ein zweites Kind plane. Und ihr Mann? Er liest den Blog nicht - und "das ärgert mich schon".

Zunächst hatte sie nur den Eltern und beiden Schwestern von ihrem Blog erzählt. Prompt seien Sprüche zum Thema Sex gekommen: ,Ach, dann wissen wir ja jetzt, wie es bei euch läuft. Und das habe Mama Mia verunsichert. "Wie soll ich über diese Themen schreiben, wenn ich das Gefühl habe, meine Mutter sitzt auf meinem Schoß?" Doch von diesem Gefühl scheint sie sich freigeschrieben zu haben.

100 treue Leser hat Mama Mia, das ist viel für einen Blog, der erst seit drei Monaten online ist. Zwei Stunden nimmt sie sich für einen Beitrag. Sie formuliert - zumindest gedanklich - überall, etwa auf dem Spielplatz neben der Rutsche oder wenn sie auf dem Teppich liegt, neben dem Bett ihres Sohnes, der nicht einschlafen will.

Am Schreiben im Netz schätzt Mia, dass sie einfach drauflos schreiben und experimentieren kann. "Ein Blog ist immer im Wandel. Das Thema kann sich jederzeit ändern." Denn über die Kommentarfunktion bekommt sie umgehend Feedback, und das verändere auch den Blog. Zwei bis drei Beiträge pro Woche stellt sie ins Internet. Und wie findet sie die Zeit fürs Bloggen? Sie schreibe nur abends, wenn der Sohn im Bett ist. Und der Blog ist etwas zur Sucht geworden. "Ich muss schreiben. Ich habe etwas im Kopf, und ich muss darüber bloggen." Für den Blog auf der Strecke blieb bisher der Sport.

Ulmer Mütter im Netz? Na klar gibt es die. Und zwar unter www.ulmer-kids.de. Das Forum sieht auf den ersten Klick übersichtlich aus und bietet Müttern - und Vätern - vor allem Informationen.

Die Gründerinnen sind Katja Bracht (28 Jahre, 2 Kinder) und Kathrin Ponath (34 Jahre, 2 Kinder). Die beiden wollten andere Mütter in Ulm kennenlernen, zumal sie selbst noch nicht lange hier wohnten. Deswegen gründeten sie ein Forum, damals noch unter einem anderen Namen. Vor drei Wochen wurde daraus "ulmer kids".

Mit dem Forum "wollen wir auch anderen Müttern helfen", sagt Ponath. "Das, was wir gelernt haben, einfach weitergeben. Nur als Beispiel: Auf der Suche nach dem richten Schwimmkurs für unsere Kinder mussten wir uns durch endlose Internetseiten lesen, jetzt bieten wir bald alle auf unserer Seite an."

Aufgeführt sind sie unter der Rubrik "Kurse" - dort stehen auch Musikangebote und Angebote fürs Kinderturnen. Unter "Tipps aus Ulm" ist alles das aufgelistet, wie und wo man seine Zeit mit Kind verbringen kann, also in Schwimmbädern, beim Ponyreiten oder auf Wasserspielplätzen. Was auffällt: Bei den Tipps sind die Adressen angegeben, jedoch keine Erfahrungsberichte, es wird weder gelobt noch kritisiert.

Anders in der Rubrik "Ärzte aus Ulm". Dort geht es in der Bewertung von Hebammen, Zahn-, Frauen- und Kinderärzten mitunter ordentlich zur Sache. Ponath: "Die Leute suchen ehrliche Bewertungen, keine Verschönerungen." Die Forumsgründerinnen hoffen jedoch, dass Ärzte und Hebammen wegen der Kritiken etwas ändern.

Momentan hat das Forum für Ulmer Mamas und Kinder 60 Mitglieder. Das sollen mehr werden, sagt Ponath. Deswegen soll das Forum erweitert werden, etwa um so etwas unterhaltsames wie einen Blog, in dem Familienleben beschrieben wird. Nur: Bisher fehlte den Frauen dafür die Zeit.

Ponath selbst hat durch das Forum Freundschaften geschlossen. Denn Bekanntschaften auf dem Spielplatz, sagt sie, seien oft flüchtig. "Man sieht sich und grüßt sich" - das wars. Anders im Forum. Wer sich da sympathisch ist, verabredet sich auch mal in einem realen Café.

Zudem gefällt Ponath am Forum, dass Mütter dort Müttern helfen, etwa, wenn eine aufgeregt schreibt, ab wann sie ihrem Kind ein Fieberzäpfchen geben soll. Binnen kurzer Zeit hat sie Ratschläge anderer Mütter auf dem Bildschirm. Und: "Das Forum macht einfach Spaß, man kann so viel lernen.

" Was früher die dicken Versandhauskataloge waren, ist heute das Internet: Einkaufen rund um die Uhr, shoppen nach Lust und Laune. Das ist für Irene Hensinger und Tochter Ina (16) längst selbstverständlich. Der Grund für ihr 24-Stunden-Onlineshopping sind die Arbeitszeiten: Als Krankenschwester mit wechselnden Schichten bleibt Irene Hensinger nicht die Zeit, um schnell mal in die Stadt zum Einkaufen zu fahren.

"Schlechte Erfahrungen hab ich noch nicht gemacht" so die 47-jährige: "Bis jetzt wurde immer pünktlich geliefert und auch mit der Bezahlung gab es nie Probleme." Egal ob Kleidung, Kosmetik oder Kleinmöbel. Alles wird online bestellt. Und wenn das ein oder andere Teil dann doch nicht passt, wird es eben wieder zurückgeschickt oder gleich in mehreren Größen bestellt.

Nur technische Artikel, wie das Laptop ihrer Tochter, kauft sie beim ortsansässigen Elektrofachhändler. Das hat nichts mit Qualität, sondern mit Beratung und Service zu tun. Auch Lebensmittel kommen nicht per Klick ins Haus. Die holt Irene Hensinger im Supermarkt. Und sollte sie mal was vergessen, macht das nichts - der Laden hat bis 24 Uhr auf.Info Den Blog für junge Leute findet ihr unter www.acht9.de. Schon mit 14 könnt ihr auch in der acht9-redaktion mitmachen.

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