Elbphilharmonie nach mehr als neun Jahren „FERTIG“

Die Elbphilharmonie in Hamburg ist fertig - rund neuneinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung. Der Baukonzern Hochtief übergab das Konzerthaus offiziell an die Stadt.

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Hamburgs neues Wahrzeichen ist fertig. Die Eröffnungskonzerte in der Elbphilharmonie sind für den 11. Januar 2017 vorgesehen. Foto: Christian Charisius

Die Elbphilharmonie in Hamburg ist fertig - rund neuneinhalb Jahre nach der Grundsteinlegung. Der Baukonzern Hochtief übergab das Konzerthaus offiziell an die Stadt.

„Hamburg hat mit der Elbphilharmonie ein beeindruckendes Gebäude bekommen, dessen Architektur schon heute nicht mehr aus dem Stadtbild wegzudenken ist“, erklärte Bürgermeister Olaf Scholz (SPD).

Hochtief feierte die Schlüsselübergabe mit einer besonderen Aktion: Auf der Fassade des gläsernen Baus am Hafen wurden die Lichter am Abend so eingeschaltet, dass in riesigen Buchstaben das Wort „FERTIG“ zu lesen war.

Die Plaza der Elbphilharmonie - eine Aussichtsplattform zwischen dem historischen Kaispeicher und dem gläsernen Neubau - soll am Freitag mit einem Festakt der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Außerdem nehmen Gastronomie und Hotel den Betrieb auf. Die Eröffnungskonzerte in dem neuen Konzerthaus am Hafen sind für den 11. und 12. Januar 2017 vorgesehen.

Hamburgs Ex-Bürgermeister Ole von Beust (CDU) nutzte die Schlüsselübergabe, um die Grundidee für das Konzerthaus noch einmal für sich zu reklamieren und gleichzeitig Fehler bei der Umsetzung einzuräumen. Die Baukosten waren von anfangs erwarteten 77 Millionen auf inzwischen 789 Millionen Euro gestiegen.

SPD-Politiker Scholz sagte, nach einer schwierigen Startphase hätten alle Beteiligten einen hervorragenden Job gemacht. „Das Architekturbüro Herzog & de Meuron und das Bauunternehmen Hochtief haben mit der Elbphilharmonie etwas Einzigartiges geschaffen.“ Das Gebäude werde jetzt an HamburgMusik übergeben, die die Elbphilharmonie einspielen werde. Im Großen Saal habe der Akustiker Yasuhisa Toyota seine Prüfungen bereits abgeschlossen. Alle Beteiligten seien von der Akustik begeistert.

Ex-Bürgermeister von Beust sagte, Hamburg werde einen der besten Konzertsäle der Welt haben. Allerdings hätte er sich noch mehr gefreut, „wenn das schneller und billiger geworden wäre“. Die Entscheidung für den Bau der Elbphilharmonie nannte er weiter gut. „Unterm Strich glaube ich (...), dass der Plan aufgegangen ist, für Hamburg ein Bauwerk zu schaffen (...), das internationale Aufmerksamkeit hat, das die Leute begeistert.“

Die massiven Kostensteigerungen begründete von Beust mit einer fehlenden Detailplanung und dem Druck der Öffentlichkeit. „Der Hauptfehler ist aus meiner Sicht gewesen, dass am Anfang die Planungstiefe nicht da war“, sagte er. Es hätten damals aber alle mitgetragen.

Von Beust brachte auch den in der Vergangenheit aus Kostengründen verworfenen Skywalk - eine Glasröhre mit Laufbändern vom Baumwall zum Konzerthaus - wieder ins Spiel. „In der Zwischenzeit, glaube ich, ist die Akzeptanz und Aufgeklärtheit so, dass man hier dringend ran muss“, sagte der 61-Jährige, der in Hamburg von 2001 bis 2010 regierte.

Das Konzerthaus werde ein Haus für alle mitten in der Stadt, sagte der kulturpolitische Sprecher der Grünen-Fraktion, René Gögge: „Aus diesem Anspruch folgen zahlreiche günstige Tickets für Konzerte, intensive Arbeit von Orchestern mit Kindern und Jugendlichen und Formate, die neue Zielgruppen ansprechen werden.“

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Kommentare

01.11.2016 19:59 Uhr

Elbphilharmonie - eine Kostenlüge wie Stuttgart 21

Eine zu optimistische Kalkulation, überforderte Behörden, Chaos bei der Planung - die Hamburger Elbphilharmonie liefert einen eindrücklichen Beweis für die Unfähigkeit der Politiker bei Großprojekten.

Zudem scheint es offensichtlich, dass die Kosten für solche Megavorhaben wie z.B. Stuttgart 21, die ja ohnehin gegen den Willen des Großteils der Bevölkerung und nur mithilfe von falschen Versprechungen durchgesetzt werden konnten, ganz bewusst viel zu niedrig angesetzt werden. Auch darin manifestiert sich die Überheblichkeit der Regierenden und die Dreistigkeit, die Öffentlichkeit zu belügen, damit Projekte, die die Politik unbedingt will, jedoch schon der Kosten wegen kaum durchsetzbar sind, trotzdem mit unlauteren Methoden und brachialer Gewalt durchgepeitscht werden können.

Der Unterschied zwischen S21 und den anderen Projekten ist jedoch, dass die Kostensteigerungen bereits vor Baubeginn bekannt waren. 2008 taxierte der Bundesrechnungshof das Projekt bereits auf 5,3 Mrd. Euro. An der Unmöglichkeit von halbwegs zutreffenden Prognosen kann es also nicht liegen. Doch der damalige Ministerpräsident Oettinger (CDU) - inzwischen nach Brüssel abgeschobener EU-Kommissar - ließ dieses Gutachten sowie eigene ministerielle Berechnungen in der Schublade verschwinden, weil "nicht kommunizierbar". Wie solche Kostensteigerungen also zusammenkommen, kann man sich leicht ausmalen. +++

http://www.spiegel.de/wirtschaft/stuttgart-21-grafik-zur-kostenentwicklung-bei-grossprojekten-a-1112521.html

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