Eiscreme-Museum in New York eröffnet

Ist das Kunst, oder kann das weggeschleckt werden? Mitten im heißen Hochsommer ist in New York für viele ein Traum wahrgeworden: ein ganzes Museum nur zum Thema Eiscreme.

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Wird das Kunst, oder etwas zum Schlecken? Eine Mitarbeiterin im Museum bereitet Eiscreme vor.  Foto: 

Den ersten Becher Eiscreme gibt es schon am Eingang. „Vanille mit Marshmallows und fruchtigen Cornflakes-Kringeln“, sagt die Frau am Ticketschalter und strahlt. „Museum of Ice Cream“ steht in großen pinkleuchtenden Neonbuchstaben hinter ihr an der Wand – Eiscreme-Museum.

Ein ganzes Museum rund ums Eis gibt es seit Freitag einen Monat lang in New York. Mitten im Hochsommer, der schwülheiß zwischen den Hochhäusern der Millionenmetropole brütet, klingt das wie das Paradies.

„Bitte das Eis schnell aufessen und den Becher dann da reinschmeißen“, sagt die Frau vom Ticketschalter und zeigt auf einen Mülleimer mit der Aufschrift „Geschmolzene Eiscreme“. Neben ihr ist ein Rehkopf aus Plastik an die Wand genagelt, mit bunten Streuseln auf der Schnauze und einer roten Kirsche da, wo sonst die Nase ist.

Aus dem nächsten Raum kommt ein mit Helium gefüllter Zuckerluftballon angeschwebt. „Aufsaugen, Lieblings-Eiscremesorte sagen und dann die Hülle essen“, weist die mindestens genauso strahlende nächste Museumsmitarbeiterin an und macht es gleich vor. „Erdbeere“, quietscht sie mit heliumveränderter Stimme und lacht. „Jetzt du. Soll ich dich dabei filmen? Oder du kannst den Zuckerballon vor dieser Wand mit den Waffelhörnchen fotografieren, das sieht super aus.“

Das „Museum of Ice Cream“ ist ein garantierter Zuckerrausch: klebrigsüß, kalorienbombig und dermaßen auf fotogen getrimmt wie ein Spaziergang durch einen Instagram-Feed. „Meine Freundin Maryellis und ich haben das Ganze letzten Sommer eigentlich als Witz gestartet“, sagt Manish Vora. „Ich liebe Eis, sie ist eine Eis-Fanatikerin. Wir waren schon in jedem vorstellbaren Eisladen in New York, und auch wenn wir reisen, gehen wir immer in alle Eisläden. Wir lieben es, die Eiskultur der verschiedenen Länder und die Menschen dahinter kennenzulernen.“

Als Vora und seine Freundin entdeckten, dass in sozialen Netzwerken doppelt so häufig Beiträge zum Thema Eiscreme veröffentlicht werden wie zur Popdiva Beyoncé, wurde aus der Witz-Idee Ernst. „Dann haben wir unser Interesse an Kunst, Technologie und Eiscreme kombiniert. Wir wollten etwas schaffen, das Spaß macht und völlig anders ist.“

Wichtigstes Ausstellungsstück: Der Pool voller bunter Streusel zum Reinspringen. „Das war die Fantasie meiner Freundin schon seit sie ein kleines Kind war. Einmal in einem Pool voll Streusel schwimmen.“ Die Streusel sind zwar aus Plastik und reichen nur ungefähr bis auf Kniehöhe, aber die Besucher lassen sich quietschend vor Freude hineinfallen, werfen pinkfarbene Wasserbälle hin und her und ziehen ihre Handys aus der Tasche. Selfie-Zeit.

„Wenn dein Erlebnis nicht Instagram-tauglich war, dann ist es für viele Menschen kein Erlebnis gewesen“, sagt Vora. „Ich hoffe aber, dass die Menschen nicht nur für die Fotos kommen. Sie werden ja sowieso einen Zuckerrausch bekommen, also wenn sie der Zucker nicht glücklich macht, dann Instagram.“

Neben dem Streusel-Bad gibt es unter anderem auch noch einen Kakaobrunnen zum Trinken, einen überdimensionalen Becher, in den Eisbällchen geworfen werden können, eine Eislöffel-Wippe und eine Eissandwich-Schaukel. Die Eiscreme-Kunst an den Wänden, die verschiedene Künstler in den vergangenen Monaten für das gegenüber vom Whitney-Museum im Südwesten Manhattans gelegene Eis-Spektakel geschaffen haben, geht bei all diesen interaktiven Installationen ziemlich unter.

Finanziert haben Vora und seine Freundin das Museum vor allem mit Sponsoren und Tickets, die im Vorfeld online verkauft wurden. Stolze 18 Dollar (etwa 16 Euro) kostet eine Runde durch die sechs kunterbunten Räume, inklusive Kostproben. Trotzdem sind alle Eintrittskarten bereits ausverkauft.

Ende August schließt das süße Museum schon wieder. „Wir bereiten das jetzt seit Monaten vor, aber an meiner Liebe zu Eis hat sich nichts verändert“, sagt Vora. „In einem Monat werde ich immer noch hier sein, zehn Kilogramm schwerer und immer noch Eis schleckend.“

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