Eintauchen in die Seine

|

Für die Auswahl seiner Schwimmstrecken erntet Alex Voyer regelmäßig Kopfschütteln. „Jedes Mal sagen mir alle: ‚Du bist verrückt, das Wasser ist ekelhaft, es ist voller Bakterien, du wirst krank‘“, berichtet der Pariser und lacht. Denn Voyer  zieht nicht etwa in einem Schwimmbad seine Bahnen – er krault am liebsten durch den Hauptstadtfluss Seine und die Pariser Kanäle. Bislang ist das eigentlich verboten, aber künftig sollen Pariser und Touristen ganz legal in die Seine hüpfen dürfen.

Baden am Fuße des majestätischen Eiffelturms oder des weltberühmten Louvre-Museums? Bislang ist das noch Zukunftsmusik. Immerhin wird das Schwimmen und Planschen aber im riesigen Wasserbecken Bassin de la Villette im Nordosten von Paris offiziell erlaubt: Dort öffnen heute drei Becken für Schwimmer und Nichtschwimmer. Ein „natürliches Badeerlebnis“, verspricht das Rathaus, natürlich unter Aufsicht von Bademeistern.

Sensoren überwachen Qualität

Das Wasser kommt vom Canal de l‘Ourcq, der durch das Bassin fließt, dann zum malerischen Canal Saint-Martin wird und sich schließlich in die Seine ergießt. Filteranlagen sollen dafür sorgen, dass keine Blätter, Müll oder Fische in die Schwimmbecken gelangen, Sensoren überwachen die Wasserqualität. Seit zwei Jahren schon würden die Grenzwerte für eine bakterielle Belastung des Wassers eingehalten, beteuert der Pariser Sportbürgermeister Jean-François Martins.

Das Rathaus hat es sich zum Ziel gesetzt, den Parisern einen Sprung ins kühle Nass unter freiem Himmel zu erlauben und die Lebensqualität in der dichtbebauten Millionenstadt zu verbessern. „Das Bassin de la Villette ist eine erste Etappe“, sagt Martins. „Die nächste Etappe ist der Daumesnil-See im Park von Vincennes. Und – wenn wir 2024 die Olympischen Spiele bekommen – das Baden in der Seine selbst.“

Denn Paris bewirbt sich um die Sommerspiele in sieben Jahren. Ein Teil der Wettbewerbe soll dann in der Seine ausgetragen werden, wo das Schwimmen wegen Verschmutzung und Schiffsverkehr seit 1923 verboten ist.

Allerdings ist das Versprechen, die Seine für Schwimmer zu öffnen, nicht ganz neu. Schon 1988 stellte der damalige Bürgermeister Jacques Chirac in Aussicht, dass die Pariser „binnen fünf Jahren“ in dem Hauptstadtfluss schwimmen könnten. Zwei Jahre später kündigte er an, dies selbst „vor Zeugen“ tun zu wollen, um zu beweisen, wie sauber die Seine sei. Geschehen ist weder das eine noch das andere.

Seitdem hat sich freilich viel verändert, Verschmutzung und Bakterienbelastung sind zurückgegangen. Passanten am Ufer der Seine blicken dennoch skeptisch ins trübe Flusswasser. „Nicht wirklich schön, hier zu schwimmen“, sagt ein junger Tourist. „Mit allem, was man mir erzählt hat, mit all den Krankheiten, die man sich einfangen kann – nein!“, stimmt ein Franzose zu.   Eine junge Frau ist etwas optimistischer: „Wenn das Wasser geklärt wird, würde ich natürlich auch reinspringen. Es stimmt schon: In Paris fehlt ein Strand!“

   Bis es soweit ist, bleibt noch viel zu tun. Paris muss seine Kanalisation modernisieren, die bei heftigem Regen immer noch überläuft und Schmutz in die Seine spült. Dann muss ein Ort ohne starke Strömungen gefunden werden, an dem sich eine Badestelle einrichten lässt, geschützt auch vor den Frachtern und Touristenbooten, die über die Seine fahren.

  Alex Voyer macht sich um all das keine Sorgen, er nutzt Kanal und Seine schon jetzt als Schwimmbecken. „Ich werde nicht krank, und Hautprobleme habe ich auch nicht“, versichert er. Und die Wassertemperatur sei einfach zu verlockend: „24 bis 25 Grad – einfach perfekt!“

In Flüssen von Metropolen baden – ein Sommertraum? Berlin wollte 2014 einen Arm der Spree für Schwimmer zugänglich machen, Schilfbeete im Uferbereich sollten bei der Säuberung helfen. Der Plan ging unter, die Spreeverschmutzung weiter. In der Isar in München ist Baden dagegen kein Problem. In Paris sollen 2024 die olympischen Triathleten mitten in der Stadt kraulen. Ob dies gelingt, ist noch offen. 2013 jedenfalls musste ein Schwimmwettbewerb in der Seine wegen mieser Wasserqualität abgesagt werden. ih

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Absturz einer Drohne am Münsterturm

Nach dem Absturz einer Drohne ist Münsterbaumeister Michael Hilbert mächtig sauer und hat Anzeige erstattet. Die Ermittlungen der Polizei aber gestalten sich schwierig. weiter lesen