Tatort: Ein stilechter Abgang für Kommissar Kopper

Es ist Mario Koppers letzter Fall im „Tatort“ Ludwigshafen. Der heißblütige Halb-Italiener läuft darin noch einmal zur Hochform auf.

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Andreas Hoppe muss sich von der Figur Mario Kopper verabschieden – was viele „Tatort“-Fans bedauern.  Foto: 

Die Freude ist riesig, als Mario Kopper auf der Straße zufällig seinen besten Freund aus Kindertagen trifft. Das Wiedersehen mit Sandro Giangreco, den es zurück nach Sizilien verschlagen hatte, wollen die beiden umgehend in einer Bar mit ein paar Grappa begießen. Doch dort wird der Sizilianer plötzlich angegriffen. Kopper kommt seinem Freund zu Hilfe und wird dabei selbst zum Täter.

Ein Fall, in dem Darsteller Andreas Hoppe (ein gebürtiger Berliner, der – soweit er weiß – während eines Italien-Ur­laubs gezeugt wurde) noch einmal den hitzköpfigen Halb-Ita­liener geben kann. Freundschaft, Familienbande und Heimatverbundenheit sind für ihn Ehrensache. Anstatt sich zu stellen, geht Kopper mit seinem Freund in Deckung.

Der hat als Steuerberater weit mehr von den Geschäften der Mafia mitbekommen, als gut für ihn ist. Inständig bittet der Überläufer den Kommissar, dafür zu sorgen, dass er ins Zeugenschutzprogramm aufgenommen wird. Dann wolle er aussagen, um mafiöse Geschäfte um Giftmüll und Geldwäsche aufzudecken, die bis nach Ludwigshafen reichen.

Dass Sandros Angst berechtigt ist, belegt der Fall, mit dem es Lena Odenthal (Ulrike Folkerts) zur gleichen Zeit zu tun hat. In der JVA Frankenthal hat sich ein Kronzeuge in seiner Zelle umgebracht. Was nach einem gründlichen Suizid aussieht, war tatsächlich ein genötigter – und natürlich hatte auch dabei die Mafia ihre Finger im Spiel.

Kopper bringt seinen Freund in Sicherheit und vertraut sich seiner Kollegin und Freundin Lena Odenthal an, appelliert an die Loyalität, die das Duo seit zwei Jahrzehnten verbindet. Die Heimlichtuerei der beiden fällt Kollegen und Vorgesetzten auf; die Ermittlungen geraten ins Stocken, die Zeit drängt. Nicht alle Beteiligten haben den gleichen Wissensstand, nicht alle Mächtigen an den hiesigen Schaltstellen scheinen zu wollen, dass die Morde wirklich aufgeklärt werden.

Das macht den Krimi zwar ungemein spannend, aber eben auch ziemlich kompliziert. Rückblenden, schnell wechselnde Perspektiven und ein hohes Erzähltempo erschweren es, der Geschichte immer überallhin zu folgen. Dafür gibt es reichlich Action, Stimmung, Überraschungsmomente und Anspielungen auf den Filmklassiker „Der Pate“.

Natürlich hat ein abgetrennter Pferdekopf in einem Ludwigshafener „Tatort“ nichts verloren. Doch geheimnisvolle Botschaften tun auch hier ihre Wirkung. Die gruseligen Drohungen treffen nicht nur die Ermittler selbst, sondern – besonders perfide – auch deren Angehörige: Koppers Verlobte Maria zum Beispiel, die in Sizilien lebt. Oder die beiden Kinder der neuen Ermittlerin Johanna Stern (Lisa Bitter). Die junge Kommissarin arbeitet in Koppers letztem „Tatort“ eng mit Lena Odenthal zusammen; Kopper selbst steht ja im Zentrum der Ermittlungen.

Sein Ausscheiden wird von vielen Seiten bedauert – zumal Andreas Hoppe seinen Mario hier noch einmal zum Heißblut in Hochform auflaufen lässt und dabei an markante internationale Schauspielgrößen wie Christoph Waltz oder den jungen Gérard Depardieu erinnert.

Der geliebte Fiat nur Schrott

Der Fall „Kopper“ hinterlässt den 1,93 Meter großen Darsteller reichlich derangiert: zusammengeschlagen, an ein Ofenrohr gekettet und mit Benzin übergossen. Sein geliebter Fiat zu Schrott gefahren; wie Kopper selbst nicht mehr tauglich für den Polizeidienst. Am Ende wird der schwer gebeutelte Hüne mit viel Lebensgefühl in ein verdientes Dolce Vita entlassen.

Hoppe gibt den „Tatort“ Ludwigshafen nach 21 Jahren und 57 Folgen nicht ohne Bitterkeit und Wehmut auf. Sein Abschied habe sich abgezeichnet, sagt der 57-Jährige. Die Figur Kopper sei vom SWR einfach nicht mehr gewollt und nicht mehr gefördert worden. Wirklich schade!

Info  Tatort – Kopper, Sonntag,
20.15 Uhr, ARD.

Seit dem Ende der Dreharbeiten für seinen letzten „Tatort“ in der ARD stand Schauspieler Andreas Hoppe für andere Sender vor der Kamera: Der 57-Jährige spielt zum Beispiel in der ZDFneo-Serie „Blockbustaz“ mit, in der RTL-Reihe „Der Lehrer“ und der Sat-1-Serie „Soko Kölsch“. Auch war Hoppe im Juli vergangenen Jahres in „Weiser“ zu sehen, einem ZDF-„Fernsehfilm der Woche“ mit Joachim Król.

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