Ein Plumpser auf den Mars

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Sechs Minuten des Grauens“, nennen Raumflugexperten das Finale eines Marsflugs, den Fall durch die Atmosphäre bis zur Landung. Er ist Monate vorher programmiert worden, nichts kann von der Erde aus gesteuert werden. Siebenmal haben die USA ein Gerät auf den Mars gebracht, einmal die Sowjetunion, heute ist Europa dran. Um 16.48 Uhr soll der Lander „Schiaparelli“ auf dem Mars aufsetzen. Auf ihn plumpsen, genauer gesagt.

Es ist der erste Mars-Lander der europäischen Raumfahrt, bestückt mit Instrumenten aus Europa und Russland. Seine Mission: Material, Technik, Luft- und Bodenbedingungen für einen Rover testen, der im Jahr 2020 zum Mars gebracht wird.

Das „Schiaparelli“ ist um die 570 Kilogramm schwer. Geschützt wird es unten (in Flugrichtung) von einem 2.4 Meter messenden runden Hitzeschild und oben von einem kegelförmigen Überzug, Gesamthöhe 1,80 Meter.

Gerade einmal rund acht Tage lang soll der Lander arbeiten. Seine Aufgabe: Daten sammeln und zur Erde schicken, die die Europäische Raumfahrtagentur Esa braucht, um 2020 einen ungleich schwereren und empfindlicheren Rover auf den Mars zu bringen. Der soll im Boden und in der Atmosphäre nach Spuren vergangenen – oder noch vorhandenen – Lebens zu suchen.

Wenn das „Schiaparelli“ nach der Landung funktioniert, hat es die ersten Tests absolviert und bestanden: Eintritt in die Atmosphäre, Messung von Dichte und Wind, Landung, Fotografie der Landegegend mit 15 hochauflösenden Schwarzweiß-Fotos, geschossen im Abstand von 1,5 Sekunden.

Je nach Höhe erfassen die Fotos 4,6 bis 17 Quadratkilometer. Sie helfen, ein dreidimensionales Modell des Bodens zu erstellen.

Nach der Landung analysieren dann Instrumente den Staub, der gerade heftig über die Marsoberfläche fegt. Sie messen die Windgeschwindigkeit und die Wind­richtung, Feuchtigkeit, Druck und Temperatur, Sonneneinstrahlung und die elektrischen Eigenschaften der Atmosphäre und des Staubes.

Das „Schiaparelli“ wird während der „sechs Minuten des Grauens“ und danach nicht ganz verlassen sein. „Mars Express“, die Esa-Sonde, die seit Dezember 2003 viermal am Tag um den Mars herum fliegt, soll es beobachten und dem Kontrollzentrum mitteilen, ob die Landung geklappt hat.

5:52 min

121 km Höhe, 21 000 km/h: Das „Schiaparelli“ taucht aus der Tiefstkälte des Weltraums in die Marsatmosphäre ein. Die Hitze lässt den glänzenden Reflektorschirm sofort erglühen. Noch 700 Kilometer bis zum Landegebiet, dem Meridiani Planum.

3:52 min

26 km Höhe. Seit zwei Minuten zieht der Lander mit glühendem Hitzeschild den Äquator entlang Richtung Osten. Die Hitze am Schild könnte 1500 Grad Celsius deutlich überstiegen haben, bis sie seit vor 40 Sekunden allmählich sinkt.

2:52 min

13 km. Der jetzt rundum schwarze Lander ist nun abgekühlt und taumelt nahezu senkrecht Richtung Boden.

2:34  min

10 km, 1700 km/h. Ein Fallschirm mit 12 Metern Durchmesser rauscht aus der Rückseite und übernimmt jetzt das Bremsen.

1:51 min

6,7 km, 320 km/h. Der schwarzgebrannte Hitzeschild fällt ab. „Schiaparellis“ Landevorrichtung liegt frei, zeigt in Fallrichtung. Sensoren können jetzt den Abstand zum Boden und die Fallgeschwindigkeit messen. Eine Kamera schießt 15 Fotos vom Landegebiet.

0:31 min

1,2 km, 240 km/h. Das „Schiaparelli“ fällt aus dem Überzug.

0:30 min

1,1 km, 250 km/h. Dreimal drei Düsen zünden unter dem „Schiaparelli“ und bremsen es mit meterlangen Feuerstrahlen.

0:01 min

2 m,  7 km/h. Die Düsen erlöschen, das „Schiaparelli“ fällt auf den staubigen Marsboden. Es nimmt seine Arbeit auf.

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