Ein Haifischgrinsen für die Ewigkeit – Jack Nicholson wird 80

Der dreifache Oscar-Preisträger Jack Nicholson ist einer der meistbeschäftigten Hollywood-Schauspieler und berühmt für sein diabolisches Grinsen, mit dem er so manche Rolle prägte. Nun wird er 80 - und will angeblich noch mal vor die Kamera.

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Comeback mit wilder Perücke und schiefem Scherzgebiss? Seit sieben Jahren hat Jack Nicholson keine Filme mehr gemacht - aber endgültig im Ruhestand ist er wohl nicht. Ausgerechnet in einer US-Adaption der deutschen Tragikomödie "Toni Erdmann" will die Schauspiel-Ikone, die am Samstag ihren 80. Geburtstag feiert, offenbar auf die Leinwand zurückkehren.

Laut dem Branchenmagazin „Variety“ ist der dreifache Oscar-Preisträger von Maren Ades Film begeistert und hat das Remake selbst vorgeschlagen. Es verwundert nicht, dass Nicholson die Rolle des exzentrischen Vaters mit der Passion für Maskeraden gefällt. Schließlich ist Exzentrik beruflich wie privat seine Spezialität.

Der Musiklehrer Winfried, der die Melancholie des Alters mit Humor zu bezwingen sucht und mit seinen Clownereien die kalte Businesswelt seiner Tochter aufmischt, bietet noch andere Attribute, die Nicholson gefallen dürften. In der Spätphase seines Schaffens hat er sich wiederholt in tragikomischer Form mit den Herausforderungen des Seniorendaseins auseinandergesetzt - so als pensionierter Versicherungsmakler in „About Schmidt“ und als todkranker Milliardär in „Das Beste kommt zum Schluss“.

Und der gutmütige Provokateur aus „Toni Erdmann“ wäre auch eine abgemilderte Variante der Außenseiter- und Rebellenfiguren, mit denen Nicholson einst zu Ruhm gelangte: Winfried träte in die Fußstapfen des alkoholsüchtigen Anwalts in dem Kultfilm „Easy Rider“ (1969), der sich dem Motorradtrip der Protagonisten anschließt, und des aufmüpfigen Psychiatrie-Insassen aus einer „Einer flog über das Kuckucksnest“ (1975).

Bevor Nicholsons Karriere Ende der sechziger Jahre durchstartete, hatte er lange kämpfen müssen. Als junger Mann jobbte er in der Trickfilmabteilung von Metro-Goldwyn-Mayer, wo er für die Schauspielerei entdeckt wurde. Über Jahre hinweg musste er sich dann aber mit Rollen in billigen Horrorfilmen begnügen, bevor er mit „Easy Rider“ seinen ersten großen Erfolg landete - und seine erste Oscar-Nominierung erntete.

Mit einer Serie großer Rollen zementierte Nicholson seinen Ruf als einer der talentiertesten Schauspieler seiner Generation. Er brillierte als driftender Gelegenheitsarbeiter in „Ein Mann sucht seinen Weg“ und in Roman Polanskis Krimiklassiker „Chinatown“, um schließlich mit „Einer flog über das Kuckucksnest“ seinen ersten Oscar zu gewinnen.

Viele seiner Filme genießen bis heute Kultstatus - so auch Stanley Kubricks Horrorklassiker „Shining“, im dem Nicholson als wahnsinnig gewordener Schriftsteller mit der Axt die eigene Familie jagt, oder Tim Burtons „Batman“-Adaption mit Nicholson in der Rolle des sadistischen Joker.

Rebellion und Wahn, Durchtriebenheit und Diabolik - das sind die Rollenattribute, denen der Mann mit dem berühmtesten Haifischgrinsen der Welt großteils seinen Legendenstatus verdankt. Dass sein Repertoire aber deutlich weitgefächerter ist, hat er immer wieder bewiesen, so mit seinen Oscar-prämierten Rollen in dem Familiendrama „Zeit der Zärtlichkeit“ und in der Komödie „Besser geht's nicht“.

Das Privatleben des Lebemanns wurde oft durch Trennungen und Turbulenzen geprägt. Seine eigene Familiengeschichte ist filmreif: Erst als erwachsener Mann erfuhr er, dass seine vermeintlichen Eltern in Wirklichkeit seine Großeltern waren und seine angebliche Schwester seine Mutter. Die Identität seines Vaters ist bis heute ungeklärt.

Nicholson selbst wurde nie zu einem Familienmenschen und sorgte mit seinen Beziehungen und Affären immer wieder für Schlagzeilen - er hat mindestens vier Kinder von drei Frauen. In den vergangenen Jahren lebte er ohne Partnerin und klagte über seine Einsamkeit. Er bringe es nicht mehr fertig, Frauen öffentlich anzubaggern - „das fühlt sich in meinem Alter nicht richtig an“, gestand Nicholson vor zwei Jahren dem US-Magazin „Closer“. Gut möglich ist also, dass er in dem melancholischen Single-Vater aus „Toni Erdmann“ einen Seelenverwandten sieht.

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