Doktor med. mit 102

Unter den Nazis durfte sie nicht promovieren. Erst jetzt, mit 102 Jahren, erhielt die Berliner Ärztin Ingeborg Rapoport ihren Doktortitel. Es ist ihr zweiter.

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Mit 102 Jahren die Promotionsurkunde erhalten: Ingeborg Rapoport.  Foto: 

Sie führte ein bewegtes Leben. Jetzt, mit 102 Jahren, hat Ingeborg Rapoport nachgeholt, was ihr vor 77 Jahren verwehrt blieb: Sie legte am Uniklinikum Hamburg-Eppendorf (UKE) die Doktorprüfung ab. Die Zulassung zur mündlichen Prüfung über das Thema "Diphterie" war ihr wegen ihrer jüdischen Abstammung von den Nazi-Behörden verwehrt worden. Sie arbeitete damals als Assistenzärztin am Israelitischen Krankenhaus Hamburg.

Ihr damaliger Doktorvater Rudolf Degkwitz, der später wegen seines Widerstandes gegen die Kinder-Euthanasie zu sieben Jahren Zuchthaus verurteilt wurde, bescheinigte ihr 1938, "dass diese Arbeit von mir als Doktorarbeit angenommen worden wäre, wenn nicht die geltenden Gesetze die Zulassung zur Promotion unmöglich gemacht hätten".

Für die mündliche Prüfung fast acht Jahrzehnte später paukte die Doktorandin mit Angehörigen und Freunden. Wegen ihrer Sehschwäche konnte sie weder einen Computer nutzen noch Bücher lesen.

Nach der 45-minütigen Prüfung sagte der Dekan der Medizinischen Fakultät, Professor Uwe Koch-Gromus: "Nicht nur unter Berücksichtigung ihres hohen Alters war sie einfach brillant."

1938 war die Tochter eines Kaufmanns und einer Pianistin in die USA emigriert und arbeitete als Kinderärztin - dort wurde ihr ihr erster Doktortitel verliehen. Weil sie und ihr Mann, der Mediziner und Biochemiker Samuel Mitja Rapoport in der Kommunistischen Partei mitarbeiteten, bekamen sie Schwierigkeiten und zogen nach Ostberlin. Ingeborg Rapoport wurde Professorin für Neugeborenenheilkunde an der Charité. Sie baute die Abteilung für Neugeborenenheilkunde auf. Für ihre Verdienste, die maßgeblich zur Senkung der Säuglingssterblichkeit in der DDR beigetragen haben, erhielt sie 1984 den Nationalpreis.

Seit dem Tod ihres Mannes 2004 lebt sie alleine in ihrem Haus in Berlin-Niederschönhausen - und darf sich nun "Prof. Dr. Dr." nennen.

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