Die Unvollendete

Sie holte Hollywood an die Côte dAzur. Sie war die Anmut in Person, vereinte Stil, Grazie und Güte. Eine neue Biografie zu ihrem 30. Todestag hebt aber hervor, wie unvollkommen Gracia Patricias Leben war.

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Drei Tage lang - vom 15. bis zum 17. September des Jahres 1982 wird der Leichnam von Gracia Patricia in der Schlosskapelle des Fürstenpalastes von Monaco aufgebahrt. "Da man ihr im Krankenhaus den Kopf kahlrasieren musste, (. . .) bedeckt eine Perücke von künstlichem Blond ihren Kopf. Graces Anblick mit dieser zudem etwas zu sehr in der Stirn liegenden Perücke befremdet ihre Geschwister und ihre Brautjungfern von einst (. . .). In ihren gefalteten Händen liegt ein Rosenkranz. Sie trägt eine lange Seidenrobe, das helle Ballkleid von Dior, das am Tag des Unfalls auf der Rückbank des Rovers lag."

Mit der Beschreibung der toten Fürstin setzt der deutsche Autor Thilo Wydra am Ende seines Buchs "Grace - Die Biografie" den Schlusspunkt der umfassenden Schilderung eines Glamour-Lebens, das alles andere als vollkommen war: Dabei hatte Grace Kelly versucht, ihre Rolle als Landesmutter von Monaco ebenso perfekt zu spielen, wie die der makellosen Schönheiten in den Hollywood-Filmen. Dies ist ihr im Leben nicht gelungen und schon gar nicht darüber hinaus.

Der jähe Unfalltod der erst 52 Jahre alten Grimaldi-Fürstin am 14. September 1982 hat Millionen Menschen in aller Welt erschüttert - und jetzt, 30 Jahre später, beschreibt eine Biografie sehr eindrücklich, wie zerrissen ihr Leben im Jetset diesseits und jenseits des Atlantiks war. Auf mehr als 350 Seiten hat der Autor exklusives Interview- und Archivmaterial verarbeitet, das tief hinter die Fassade eines fürstlichen Lebens blicken lässt.

Dass Grace die Rolle in Hitchcocks "Marnie" 1962 auf Druck des Palastes ablehnen musste, habe sie gebrochen, urteilen ihre Freunde aus der alten Heimat. Die Arbeit vor der Kamera auf dem Höhepunkt ihrer Karriere aufgeben zu müssen, gab ihr das Gefühl, überflüssig zu sein, erzählt ihre Freundin Judith Balaban Quine. Hinzu komme, "dass Rainier dafür überhaupt kein Verständnis hatte".

"Es hat Zeiten gegeben, da war die Fürstin etwas melancholisch gewesen", sollte Rainier später einräumen. Von ihren Depressionen, der Schlaflosigkeit, Alkohol und Medikamenten, die ihre makellose Figur veränderten, war natürlich nicht die Rede. Auch nicht von ihren mitunter belanglosen Beschäftigungen mit der Esoterik und Trockenblumen-Arrangements im Palast.

Missgönnte der Monarch seiner Gattin etwa den Erfolg? Oder war er schlicht eifersüchtig auf ihre Filmpartner? Clark Gable, James Stewart, William Holden und Cary Grant, neben dem Grace in "Über den Dächern von Nizza" in der geradezu prophetischen Szene am Steuer ihres Cabrios saß - ausgerechnet an jener Steilstraße von Monaco, an der sie 27 Jahre später verunglücken sollte? Affären hatte Gracia Patricia ganz bestimmt nicht - davon ist der österreichische Regisseur Robert Dornhelm, der mit ihr befreundet war, überzeugt. "Dafür war sie viel zu pflichtbewusst", sagt er - und viel zu katholisch.

Regelrecht schicksalergeben zeigte sich die Fürstin in ihrem letzten Fernseh-Interview, das sie sieben Wochen vor ihrem Unfalltod einem US-Journalisten im Palastgarten gab. Auf die Frage, wie sie denn von der Nachwelt in Erinnerung behalten werden will, sagte sie: "Ich wünsche mir, dass man mich als eine Frau im Gedächtnis behält, die stets bemüht war, ihre Aufgabe getreulich zu erfüllen; die verständnisvoll war und gütig. Ich möchte als anständig in Erinnerung bleiben."

Die einstige Hollywoodgröße hatte sich in ihre letzte Rolle als perfekte Fürstin und das Leben im "Goldenen Käfig" gefügt. Oft trat sie bei festlichen Anlässen in engelsgleichen Roben mit langen, weißen Handschuhen auf; ihr blondes Haar trug sie zu einem kronenähnlichen Haarkranz geflochten.

Regisseur Alfred Hitchcock bedauerte dies. Er hätte gern mehr aus seiner Lieblingsblondine herausgeholt: "Grace Kelly ist ein schneebedeckter Berg, und wenn der Schnee schmilzt, entdeckt man darunter einen glühenden Vulkan." Dieser muss erloschen sein - und zwar lange vor dem 14. September 1982.

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