Die Queen denkt nicht ans Aufhören

In einer historischen Rede vor dem Parlament hat Queen Elizabeth II. zu ihrem 60. Thronjubiläum bekräftigt, nicht amtsmüde zu sein. Für ihren Mann und ihre Familie fand sie warme Worte.

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"Hab Spaß und mach mich stolz auf dich", sagte die Queen zu Prinz Harry vor seiner ersten PR-Tour. Foto: afp

Die Queen zuckte nur leicht mit der Augenbraue, als sie der Parlamentspräsident John Bercow als "unsere Kaleidoskop-Königin" begrüßte. Doch dies war keine Majestätsbeleidigung, sondern eine Huldigung an die Monarchin, die als Symbol des Zusammenhalts der vielen ethnischen Gruppen und Kulturen Großbritanniens und des Commonwealth gilt.

Zu ihrem diamantenen Thronjubiläum erinnerte Elizabeth II. in ihrer Rede vor beiden Häusern des britischen Parlaments daran, dass "Einfallsreichtum und Toleranz" die nationale Erfolgsstory ihres Königreichs sei. Humorvoll kokettierte die bald 86-Jährige mit ihrem Alter. Sie verwies darauf, dass sie neben Königin Victoria die einzige unter den britischen Monarchen sei, die das 60. Thronjubiläum erreichte. Dies sei beruhigend in einer Zeit, in der ein "regelmäßiger, würdiger Lebensrhythmus" oftmals weniger wertgeschätzt werde als das Neue.

Sie spielte damit auf ihre Urahnin Königin Victoria an, die zu diesem Anlass 1897 das Parlament in den Buckingham-Palast befahl. Im Gegensatz zu ihr stellte Elizabeth II. in ihrer launigen Rede fest, dass sie seit 60 Jahren praktisch ständiger Gast im Palast von Westminster sei, wenn sie alljährlich bei der Parlamentseröffnung das Programm der Regierung verliest.

Doch diesmal sprach sie als "Haupt des Commonwealth" und in eigenen Worten. Die britische Regierung konnte ihr die Rede nicht vorsetzen, wie es sonst bei der jährlichen Eröffnung des Parlamentsjahres im Oberhaus die Regel ist. Die Interessensgemeinschaft von 54 Nationen, in denen ein Drittel der Menschheit lebt, ist einer der großen Erfolge der Queen. Bei 15 Mitgliedern ist sie auch nach dem Zusammenbruch des britischen Weltreiches noch Staatsoberhaupt.

"Die Erfahrung eines reifen Alters kann ein wertvoller Leitfaden, aber keine Vorbedingung für den Erfolg in einem öffentlichen Amt sein," sagte die Königin. Und die Festgäste schmunzelten, als sie beiläufig erwähnte, dass sie "bei der letzten Zählung" auf zwölf Premierminister und über 3500 Gesetzunterzeichnungen kam.

Mit einem liebevollen Seitenblick auf Prinz Philip bemerkte die Queen, "dass er jede Art von Komplimenten ablehnt. Aber für mich war er immer eine Quelle der Kraft und Führung."

Im Gegensatz zu ihren regulären großen Auftritten im Parlament erschienen die Queen und Prinz Philip diesmal in Zivil. Die Königin trug ein buttergelbes Kostüm mit viel Grünzeug auf dem Hut. Der 90-jährige Prinz machte auch im "Bratenrock" eine gute Figur, und die Herzoperation zu Weihnachten war im nicht anzumerken. Als Jubiläumsgeschenk bekam die Königin vom Parlament ein großes Glasfenster mit ihrem Wappen.

Die Rede der Queen ist Teil der Feierlichkeiten zum 60. Jubiläum ihres Amtsantritts, die im Mai und Juni ihren Höhepunkt haben. Doch die Königin wünscht sich, dass über das große Pferdespektakel in Windsor und die gewaltige Bootsparade auf der Themse hinaus ihre Untertanen sich auch selbst feiern "Es ist meine aufrichtige Hoffnung, dass es eine Möglichkeit für die Menschen sein wird, im Geiste einer guten Nachbarschaft zusammenzukommen und Feste in der Gemeinschaft zu veranstalten."

Sie selbst hat mit Prinz Philip bereits eine Reise durch ihr britisches Königreich begonnen. Die Queen dankte ihrer Familie dafür, dass diese die Krone mit Besuchen in fast allen Ländern des Commonwealth vertritt. Besonders Prinz Harry beherzte die Mahnung seiner Großmutter "Hab Spaß und mach mich stolz auf dich" bei seiner triumphalen Tour durch die Karibik und einen Abstecher nach Brasilien, wo er überall durch seine Tanz-und Redekunst begeisterte.

Wie sein Bruder Prinz William steht er für die ständige Erneuerungskraft der britischen Monarchie, die damit die Krisen der vergangenen Jahre gemeistert und große Popularität gewonnen hat.

Bei dem Respekt und der Sympathie, die die Queen genießt, ist an einen Amtswechsel zu Lebenszeiten nicht zu denken. Sie selbst wischte bei ihrer Rede alle Spekulationen darüber hinweg: "Ich erneuere wieder meine Verpflichtung, diesem Land und seinen Menschen zu dienen, jetzt und in den kommenden Jahren." Und die Festgäste stimmten danach aus voller Brust und vollem Herzen die Nationalhymne an: "Lange möge sie uns regieren."

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