Die Pflanzenversteher

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    Auch Männer lassen sich natürlich verschönern. Zum Einsatz kommen etwa die Wirkstoffe aus Traubensilberkerze, Damaszenerrose und Rotklee (von links). Foto: 
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Wer in Drogerien, Apotheken oder Parfümerien auf Suche nach Kosmetika geht, findet in den Regalen oft Produkte aus exotischen Früchten und paradiesischen Pflanzen: Granatapfel und Mango, Karitebutter und Zaubernuss, Kokos, Kakao, Melisse, Apfel, Hibiskus, Rose und Rosmarin, grüner Tee und Orchidee.

Es geht kaum noch etwas ohne Natur in  Pflegeprodukten. In jedem Shampoo, jedem Duschgel und jeder Gesichts- und Körperlotion sollen natürliche Kräfte wirken, versprechen jedenfalls die Hersteller. Dabei sind die meisten Produkte alles andere als natürlich, sondern etwa mit Silikonen, Parabenen, Mineralöl, Formaldehyd und Konservierungsstoffen versetzt. Deren negative Auswirkungen bis hin zum Verdacht krebserregend zu sein, sind inzwischen hinlänglich bekannt. So wollen viele Kunden die „Giftcocktails“ ihrer Haut nicht mehr zumuten und ziehen die Konsequenz: Sie kaufen zertifizierte Naturkosmetik.

Auch hier ist die Auswahl inzwischen groß, der Markt wächst: Ständig kommen neue Hersteller hinzu, wie etwa „Und Gretel“ aus Berlin. Und es gibt die Pioniere der Naturkosmetik in Deutschland, oftmals Anhänger der Anthrosophie, der ganzheitlichen Philosophie Rudolf Steiners. Ein prominentes Beispiel ist Dr. Hauschka in Bad Boll/Eckwälden, wo seit 1967 natürliche Pflegemittel von der Firma Wala hergestellt werden, die es bis in die High Society von Hollywood geschafft haben.

Im Mittelpunkt stehen „Pflegemittel für den Menschen“ , erklärt Barbara Becheru, Produktmanagerin bei Dr. Hauschka. Alle rund 140 Kosmetikprodukte seien für Frauen, Kinder und Männer geeignet, wobei Männer eher zu Produkten mit „zitrischen Düften“ greifen, weiß Unternehmenssprecher Antal Adam. Im Marketing bleibt man deshalb geschlechtsneutral und verzichtet auf die berühmte „blaue“ Linie für Männer, wie Barbara Becheru lächelnd anmerkt.

Ebenfalls ein Tabu bei Dr. Hauschka sind hehre Versprechen: Dass die Creme etwa Falten reduziert. Auch der Begriff „Anti-Aging“ kommt nicht vor. Es gehe doch nicht darum, die Natur zu bekämpfen. Vielmehr brauche die Haut Impulse, um sich zu erholen. „Wir sprechen von Regeneration“, sagt Becheru, „und richten uns nach den Bedürfnissen der Haut und dem Hautbild“. Die Pflege beruhe auf dem Prinzip: Reinigen, stärken, pflegen am Tag und vitalisieren in der Nacht. „Zum Beispiel kann trockene Haut mit einer Rosencreme gepflegt werden, damit sie nach einiger Zeit – frühestens nach 28 Tagen – wieder normal reagiert und man dann etwa Quittencreme nehmen kann“, erklärt Adam. Ziel von Dr. Hauschka sei es, Haut, die ins Ungleichgewicht geraten ist, wieder in die Balance zu bringen.

Obwohl die Firma viel seltener als andere Unternehmen der Branche neue Produkte auf den Markt bringt, wird in den Laboren bei Göppingen ständig nach Neuem geforscht. Es geht darum, Pflanzen zu finden, deren positive Eigenschaften auch dem Menschen dienen. Pflanzen wie die Mittagsblume etwa. „Trotz der großen Trockenheit in der Wüste speichert sie ihre Feuchtigkeit und überlebt. Das haben wir uns zu Nutze gemacht“, sagt Adam.

Die Regenerations-Serie für die reife Haut ist ein weiteres Beispiel. Es habe sich herausgestellt,  dass etwa Ackerschachtelhalm und Rotklee für die Regeneration geeignet sind. Rotklee wachse nach dem Schneiden innerhalb von wenigen Tagen wieder nach.

Spannend sei für Dr. Hauschka die Geste einer Pflanze, beschreibt Adam den Zugang der Forscher. Meist stelle sich dann heraus, dass das, was die Pflanze nach außen verkörpere, auch als Wirkstoff in ihr drin stecke. Bis am Ende eine neue Creme in der Tube landet, dauert es jedoch: Bis zur Marktreife können rund sieben Jahre vergehen. Produziert werden die Heil- und Pflegemittel am Standort Eckwälden. Doch die zum Teil exotischen Ingredienzien wie die Mittagsblume, das Brutblatt, die Rosen und die verschiedenen Öle werden aus aller Welt importiert, sagt Adam.

So wird etwa die Mittagsblume aus Südafrika importiert, die Rosen stammen zum großen Teil aus der Türkei, Äthiopien und Afghanistan, wo Wala Umwelt- und soziale Projekte unterstützt. Vor Ort werden lediglich die so genannten Frischpflanzen angebaut:  Eibisch, Hafer, Ringelblumen und Wundklee zum Beispiel.

Ganzheitlich wird auch bei den ausgewiesenen Dr. Hauschka-Kosmetik-Behandlungen gedacht. „Das fängt bei einem Fußbad an, geht weiter mit den Einstreichungen an den Beinen und dem Auswiegen des Kopfes, und endet bei der Gesichtsbehandlung“, sagt Barbara Becheru. Am Ende soll man tiefenentspannt sein und sich fühlen als habe man eine Woche Urlaub hinter sich.

Die Pioniere der Naturkosmetik in Deutschland

Wala Der Mediziner Dr. Rudolf Hauschka aus Wien ist der Gründer der Wala Heilmittel GmbH in Bad Boll. Er kam aus Interesse an der Anthroposophie Rudolf Steiners in den kleinen Ort. Dort gab es bereits in den 30er Jahren ein Heilpädagogisches Zentrum. Die Kosmetiklinie hat Hauschka zusammen mit Elisabeth Sigmund, einer ebenfalls gebürtigen Wienerin, entwickelt. Sie hatte sich mit eigens hergestellten Pflegeprodukten in Stockholm etabliert.

Auch die Firma Weleda aus Schwäbisch Gmünd produziert seit 1920 Pflegemittel nach der anthroposophischer Lehre. Annemarie Börlind gründete ihr Unternehmen im Schwarzwald 1959. Primavera und Logona gibt es seit rund 30 Jahren. us

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