Die eiserne Ehe

Es ist die royale Ehe des Jahrhunderts: Queen Elizabeth II. (86) und Prinz Philip (91) haben heute "Eiserne Hochzeit". Das Datum wird bei den Briten zwar nicht gefeiert. Eine Würdigung ist es aber allemal wert.

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Sonder-Briefmarke der British Royal Mail zur Diamantenen Hochzeit 2007.

Es war die Schablone für alle königlichen "Märchenhochzeiten" des Medienzeitalters, als Philip Mountbatten und Elizabeth Windsor heute vor 65 Jahren heirateten. Hunderttausende säumten die Straßen Londons, als das Paar in einer goldenen Kutsche zur Trauung in die Westminster Abtei rollte. Und die Welt feierte mit.

Es war das erste Mediengroßereignis, bei dem das junge Fernsehen dabei war. Selbst auf den winzigen Schwarz/Weiß-Bildschirmen kam das Traumpaar gut an: Die grazile junge Frau mit Wespentaille und verträumtem Augenaufschlag und der schneidige, hochgewachsene Marine-Offizier. Und noch dazu war es keine Verbindung aus dynastischem Kalkül sondern "Liebe auf den ersten Blick", wie die Königin später freimütig bekannte. Elizabeth war gerade 13 Jahre alt, als sie 1939 ihre Eltern zu der Marine-Akademie in Dartmouth begleitete. Mit dem 18-jährigen Kadetten, der die kleine Prinzessin während der Inspektion betreuen musste, begann sie 1947 die längste königliche Ehe in der über 1000-jährigen Geschichte der englischen Monarchie.

Philip von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Glücksburg und Prinz von Griechenland und Dänemark hatte zwar blaues Blut und war durch Königin Victoria sogar ein Cousin seiner zukünftigen Frau. Aber er war bettelarm. Sein Vater Prinz Andreas wurde als erfolgloser General aus Griechenland verbannt und verspielte das Familienvermögen im französischen Exil. Als er in den Armen seiner Geliebten starb und seine Frau, die deutsche Prinzessin Alice von Battenberg, ins Kloster ging, kümmerten sich die deutschen und englischen Verwandten um Philip, der sich schließlich für eine Offizierslaufbahn in der britischen Kriegsmarine entschied.

Für die Ehe mit der Kronprinzessin gab Philip das Rauchen und das Kommando eines Zerstörers auf. Freilich hielt er an anderen Gewohnheiten seiner Junggesellenjahre fest. Als die Queen einmal unbemerkt hinter einem erbärmlich fluchenden Offizier ihrer Jacht "Britannia" auftauchte, beruhigte sie den Verlegenen: "Keine Sorge, ich bin mit einem Seemann verheiratet und habe alles schon einmal gehört."

Musste Philip auch bei der Krönungszeremonie seiner Frau auf Knien huldigen, so hatte er zu Hause "die Hosen" an, wie die meisten Biographien über das Königspaar behaupten. "Elizabeth war leidenschaftlich und sehr verliebt in ihren Mann", schreibt Sarah Bradford in ihrem Standardwerk. Und: "Sie entstammte einer Familie, in der der Mann über allem stand." So herrschte auch im königlichen Haushalt mitunter ein rauer Ton. Philip brüllte sie zuweilen herzhaft an ("Was für einen verdammten Blödsinn hast Du wieder verzapft"), und sie lächelte ergeben zurück,

Die Königin überhäufte ihren Mann mit Titeln und Orden. Als Philip trotzdem schäumte, "dass er als einziger Mann im Königreich seinen Namen nicht an seine Kinder weitergeben darf - ich bin nichts als eine verdammte Amöbe", verfügte die Queen sofort, dass ihre direkten Nachkommen den Familiennamen "Mountbatten-Windsor" führen.

Während die "Diamantene Hochzeit" der Queen vor fünf Jahren groß gefeiert wurde, kennen die Briten keine "Eiserne Hochzeit". Allein die Juweliere empfehlen zur Feier einer 65-jährigen Ehe einen "Blauen Saphir" zu schenken, wie dieses Jubiläum dort zuweilen genannt wird. So wird für die 86 Jahre alte Queen und ihren 91 Jahre alten und zuletzt sehr geschwächten Gemahl der heutige Hochzeitstag ein ganz normaler Hochzeitstag sein, an dem sie sich daran erinnern werden, wie er einmal seinen Job an der Seite der Queen beschrieben hat: Er sei der Senf auf dem "Würstchen" - wie Philip seine Frau angeblich liebevoll nennt.

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