Die documenta 14 verabschiedet sich leise aus Athen

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  • Eigeninitiative ist gefragt. Bei einem Workshop in Athen durften Besucher eigene Kreationen versuchen. Foto: Alexia Angelopoulou 1/4
    Eigeninitiative ist gefragt. Bei einem Workshop in Athen durften Besucher eigene Kreationen versuchen. Foto: Alexia Angelopoulou Foto: 
  • Auf dem Syntagma-Platz in Athen nähen bei der Performance „Check Point - Prosfygika“ des Künstlers Ibrahim Mahama aus Ghana junge Menschen Jute-Säcke zusammen. Foto: Angelos Tzortzinis 2/4
    Auf dem Syntagma-Platz in Athen nähen bei der Performance „Check Point - Prosfygika“ des Künstlers Ibrahim Mahama aus Ghana junge Menschen Jute-Säcke zusammen. Foto: Angelos Tzortzinis Foto: 
  • Die Geschäftsführerin der documenta, Annette Kulenkampff, begrüßt die Reiter vom „The Athens-Kassel Ride“ des Künstlers Ross Birrell. Sie sind von Athen nach Kassel geritten. Foto: Swen Pförtner 3/4
    Die Geschäftsführerin der documenta, Annette Kulenkampff, begrüßt die Reiter vom „The Athens-Kassel Ride“ des Künstlers Ross Birrell. Sie sind von Athen nach Kassel geritten. Foto: Swen Pförtner Foto: 
  • Die Reiter des „The Athens-Kassel Ride“ posieren vor dem Nachbau des Parthenon-Tempels in Kassel. Foto: Swen Pförtner 4/4
    Die Reiter des „The Athens-Kassel Ride“ posieren vor dem Nachbau des Parthenon-Tempels in Kassel. Foto: Swen Pförtner Foto: 
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Mit eher leisen Tönen verabschiedet sich an diesem Sonntag die documenta 14 aus Athen. Eine große Abschlussveranstaltung gibt es nicht; letztmals Filme, Performances und Workshops, dann ist Schluss.

War die Ausstellung bei den Griechen zunächst umstritten, klingen die Stimmen nun versöhnlicher. Und auch die documenta-Verantwortlichen sind zufrieden mit dem Ausflug in den Süden. In Kassel ist man derweil auf bestem Weg zum nächsten Besuchsrekord.

Der documenta-Leiter Adam Szymczyk hatte erstmals zwei gleichberechtigte Standorte für die weltweit wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst bestimmt.

Doch manch ein Athener dürfte kaum gemerkt haben, dass die documenta mehr als drei Monate lang in seiner Stadt zu Gast war. Und wenn, dann wohl eher mit Erstaunen: Unzählige Jutesäcke, die auf dem zentralen Syntagma-Platz zu einem großen Stück zusammengenäht werden? Komisch!

In Kassel hingegen wundert sich niemand, wenn Jutesäcke die Torwache verhüllen - viele Menschen haben dort sogar den Namen des verantwortlichen Künstlers parat, des Ghanaers Ibrahim Mahama.

Wenn man den documenta-Machern in Sachen Athen eines vorwerfen will, dann vielleicht das: Dass sie den Bekanntheitsgrad der Ausstellung in Griechenland überschätzt haben.

Mit der kryptischen schwarzen Ziffer 14 auf Werbeplakaten an Bushaltestellen konnten die meisten Griechen nichts anfangen, und auch den Begriff „documenta“ selbst kannten und kennen nur wenige. Hier hätte es wohl mehr und deutlicherer Werbung bedurft, um zu begeistern.

Dennoch zeigen die Zahlen, dass die Ausstellung angekommen ist: Rund 320 000 Mal klickten die Zählgeräte an den Eingängen der fast 50 Ausstellungsorte; die Hälfte der Besucher waren nach Angaben der Veranstalter Griechen.

Und auch die griechische Presse, in der zu Beginn zum Teil noch von „Kulturimperialismus“ die Rede war, zeigt sich zum Abschluss versöhnlich.

„Unsere Freunde in Deutschland haben uns darum beneidet, dass wir über drei Monate lang dieses Fest der Kunst erleben durften“, schrieb ein Kritiker anlässlich des Endes der Ausstellung in der Athener Tageszeitung „Kathimerini“.

„Und ja, wir müssen zugeben: Die documenta 14 hat Athen verschönert und unsere Stadt darüber hinaus mit einer bunten Schar internationaler Kunstliebhaber gefüllt.“

Viele von ihnen kamen aus Deutschland - und wer es wirklich schafft, die documenta 14 sowohl in Athen als auch in Kassel zu erleben, wird sich der doppelten Anstrengung der Verantwortlichen und der Künstler erst richtig bewusst werden.

Manches Kunstwerk wird neu sein, andere Objekte kann man in Kassel wiederentdecken, etwa das tonnenschwere Marmorzelt der Künstlerin Rebecca Belmore.

Und schließlich verfügt Kassel nun sogar über eine eigene Akropolis. Der „Parthenon der Bücher“ von Marta Minujín macht Fortschritte. Seit Beginn der Ausstellung wurden durch Spenden weitere sieben Säulen mit verbotenen Büchern verkleidet.

Nun fehlen noch zehn Säulen - aber wer von Athen gelernt hat, der bleibt entspannt, denn: Selbst der echte Parthenon wird niemals fertig, es wird seit über 2500 Jahren beständig an ihm gebaut, gearbeitet und restauriert.

In Kassel läuft die documenta mittlerweile seit knapp fünf Wochen. Angaben zur Gesamtzahl der Besucher gibt es bisher nicht. Diese werde man erst zur Hälfte der 100-tägigen Ausstellung in der nordhessischen Stadt nennen, erklären die documenta-Macher.

Es spricht aber vieles dafür, dass sie die angepeilte Besucherzahl von einer Million erreichen. Angesichts der 30 Standorte in Kassel verteilen sich die Besucher zwar über die Stadt.

Doch welcher Andrang bei schönem Wetter herrscht, zeigte am vergangenen Wochenende die Ankunft der documenta-Reiter. Mehrere tausend Zuschauer empfingen die Reiter, die von Athen nach Kassel zu Pferd gereist waren.

Und beim Dauerkartenverkauf ist die Marke der vergangenen Ausstellung von 11 574 schon lange geknackt. 12 000 Dauertickets wurden bisher verkauft. Das sei ein Rekord im Bezug auf alle Ausstellungen, sagen die documenta-Organisatoren.

Egal wie kritisch man also die Zahlen aus Athen beäugen mag - insgesamt sieht es schon jetzt so aus, als werde die documenta 14 ein Erfolg.

Die documenta 14 Website

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