Deutschlands bekanntester Klatschreporter Paul Sahner ist tot

Paul Sahner, Gesellschaftsreporter und erfolgreicher Buchautor, war einer der größten seiner Zunft. Er kitzelte aus Promis heraus, was sie anderen nicht offenbarten. Jetzt ist Sahner im Alter von 70 Jahren gestorben.

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Paul Sahner mit der Biographie von Udo Jürgens.  Foto: 

Er war der Mann, der Rudolf Scharping beim Plantschen ertappte. 2001 druckte die "Bunte" eine Homestory mit dem damaligen SPD-Verteidigungsminister. Die Fotos waren recht freizügig. Der Chef der Bundeswehr beim vergnügten Bad im Pool mit seiner Lebensgefährtin Kristina Gräfin Pilati.

Die Story des Reporters Paul Sahner war ein Affront vor allem für Bundeswehrsoldaten, die damals auf dem Balkan dem Tod ins Auge sahen. Der Chef planscht und turtelt öffentlich, während seine Jungs kämpfen. So etwas geht gar nicht.

Es war nur einer von vielen Glamour-Skandalen, die Sahner als Promi-Reporter aufdeckte, nur eine von vielen Intimbeichten, die er seinen Gesprächspartnern abnahm, um dann in einem eher unaufgeregten Stil darüber zu schreiben.

Jetzt ist er in seiner Wahlheimat im oberbayerischen Chiemgau gestorben, wo er mit seiner zweiten Frau Martina lebte. Er erlitt einen Herzinfarkt, wenige Wochen vor seinem 71. Geburtstag.

Er hatte sie alle: Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki plauderte mit ihm über dessen offene Ehe, Filmstar Horst Buchholz über seine Männerliebschaften, Udo Jürgens über Selbstbefriedigung. Sahners Jürgens-Biografie "Merci, Udo!" erschien kurz nach dem Tod des Stars. Zuvor hatte er Biografien von Pink Floyd, Rod Stewart und Karl Lagerfeld verfasst. 1996 begleitete er Richard Gere und den Dalai Lama auf einer Reise durch die Mongolei.

Sie alle soll er mit gepflegtem, noblen Habitus und etwas traurigem, unschuldigen Hundeblick gefangen haben. Oft erzählte er Interviewpartnern von eigenen Schwächen. Dann öffneten sie sich ihm, die Promis, erzählten dem Klatschreporter, was sie anderen nicht sagten.

Der breiten Öffentlichkeit war Sahner nicht so bekannt wie Michael Graeter von der "Münchner Abendzeitung", dem Helmut Dietl in "Kir royal" mit "Baby Schimmerlos" ein Denkmal setzte. Doch er war wohl einflussreicher. Alle kannten ihn - und er kannte alle.

Sahner war schon mit 22 Lokalchef beim "Westfalenblatt" in Höxter, wo er volontiert hatte. Danach arbeitete er als Reporter und Autor unter anderem für "Bild", "Hörzu", "Quick", "Bunte" und "Penthouse", bevor er 1994 zur "Bunte" ging.

Berühmt-berüchtigt waren die Fragen, mit denen Sahner seine Interviews einleitete. "Die Leute müssen denken: So eine Frage hat mir noch keiner gestellt", sagte er mal.

"Wie zynisch sind Sie eigentlich?", fragte er Entertainer Harald Schmidt. Von Fußballer Thomas Müller wollte er wissen, wie die Hauptstadt Brasiliens heißt, Bundestrainer Jogi Löw konfrontierte er mit Immanuel Kant. "Es ist mir egal, ob sie mich mögen oder hassen", sagte Sahner. "Schlimm finde ich nur, wenn ihnen meine Gespräche gleichgültig sind." Sahner war kein Haudrauf. Er legte es nicht darauf an, andere bloßzustellen. "Ich versuche, einen Fairtrade-Journalismus zu machen" - so nannte er das fragile Spiel des Gebens und Nehmens im Boulevardjournalismus.

Scharping übrigens soll Sahner wegen der Pool-Geschichte trotz der negativen Folgen fürs Image nicht böse gewesen sein. "Er hat das anders gesehen, eher als Befreiungsschlag", erinnert sich Sahner. "Er war politikverdrossen und wie ein Pennäler in seine Gräfin verliebt."

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