Der neue Hamburger „Tatort“-Kommissar Til Schweiger im Interview

Mit seinen Komödien lockt Til Schweiger ein Millionenpublikum ins Kino. Nun will es der 49-Jährige auch im Fernsehen als „Tatort“-Kommissar wissen. Den Rummel um sich herum sieht er gelassen.

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Herr Schweiger, die besten „Tatort“-Folgen locken über zehn Millionen Zuschauer vor den Fernseher – wie hoch wird Ihre Quote?

TIL SCHWEIGER: Ich bin ja kein Hellseher und möchte da keine Prognosen abgeben. Ich hoffe, es werden so viele Zuschauer wie möglich neugierig sein und diesen „Tatort“ einschalten.

Der Medienrummel vorab war enorm. Sind Sie vor der Ausstrahlung aufgeregter als beim Kinostart von „Kokowääh 2“?

SCHWEIGER: Nein, beim Kinostart von „Kokowääh 2“ bin ich natürlich viel aufgeregter, das ist schließlich mein eigenes Baby. Beim „Tatort“ bin ich lediglich der Schauspieler, der eine Rolle übernimmt, aber das ist letztlich nicht mein Film. Deswegen sehe ich das ziemlich gelassen.

Wo sind Sie am Sonntagabend um 20.15 Uhr?

SCHWEIGER: Am Sonntag sitze ich natürlich zu Hause vor dem Fernseher und schaue „Tatort“ (lacht). Ob ich dazu ein paar Freunde einlade und eine kleine Party mache, werde ich ganz spontan entscheiden.

Sie sind ein erfolgreicher Filmschaffender und werden zugleich wie kaum ein anderer mit Häme überzogen. Beim „Tatort“ hat sich das im Vorfeld via Internet noch gesteigert. Ist man irgendwann abgehärtet und schaltet auf Durchzug?

SCHWEIGER: Durchzug! Kommentare im Internet, die vorzugsweise anonym geschrieben werden, finde ich eher feige als mutig.

Sind Sie mit dem Prädikat „Popcorn-Tatort" einverstanden?

SCHWEIGER: Nur weil es zwei, drei Momente gibt, bei denen man lachen kann, ist das für mich kein „Popcorn-Tatort“. Ich sehe das als einen sehr spannenden Thriller, der eine Bereicherung für dieses bewährte Format darstellt. Die Erzählform der Geschichte bietet dem Zuschauer etwas Neues, weil es hier eben nicht mehr um die klassische Frage „Wer war der Täter?“ geht.

Ihr erstes Wort im Hamburg-„Tatort“ lautet „Fuck“. Ist das die Hommage an Kult-Kommissar Schimanski (Götz George), dessen Einstand einst mit einem „Scheiße“ begann?

SCHWEIGER: Dieses „Scheiße“ von Schimanski war damals eine kleine Revolution im Fernsehen. Ein heutiges „Fuck“ ist weitaus harmloser, das hat sich längst eingebürgert. Unser Drehbuchautor wollte es dennoch als kleine Verbeugung einbauen. Mir gefiel diese Idee, denn Schimanski war etwas Besonderes und für mich damals die spannendste „Tatort“-Figur.

Der Anteil von Frauen unter den „Tatort“-Fans ist – zumindest beim Public Viewing – traditionell hoch. Wird sich das mit einem Frauenliebling als Ermittler weiter steigern?

SCHWEIGER: Ich habe schon auch ein paar männliche Fans. Bei meinen Filmen ist das Verhältnis der Geschlechter im Kino sogar ziemlich ausgewogen. Zum Public Viewing kann ich wenig sagen, weil ich mir in einer Kneipe noch nie einen „Tatort“ angesehen habe – vielleicht sollte ich das nachholen. (lacht)

Was sagen Sie zu dem ganzen Hype, den diese Serie umgibt? Mittlerweile bieten diverse Medien Live-Ticker zur Ausstrahlung, auf Twitter wird minütlich massenhaft kommentiert.

SCHWEIGER: Es ist schon ein Phänomen, wie sehr das Interesse an dieser Serie explodiert ist, die es ja schon seit 30 Jahren gibt. Ein Grund liegt sicher in der Boulevardisierung der Leitmedien. Für den gedruckten „Spiegel“ etwa war Unterhaltung nie ein großes Thema, bei „Spiegel Online“ geht es fast ständig darum. Es geht darum, Klicks zu generieren und Umsatz zu machen. Da bietet sich natürlich alles Populäre an, und der „Tatort“ ist extrem populär. Ich persönlich lasse mich lieber von einem Film mit auf eine Reise nehmen, wie soll das aber gehen, wenn ich die ganze Zeit dazu twittere?

Was hat es mit dem seltsamen Namen des Ermittlers auf sich? Nick Tschiller, weil er gerne chillt?

SCHWEIGER: Namen für Figuren zu finden ist enorm schwierig, das weiß ich aus eigener Erfahrung beim Schreiben. Ursprünglich hieß der Ermittler Nick Tschauder, was aber niemand besonders gefiel. Ich fand Schiller ganz gut und irgendjemand hat daraus Tschiller gemacht – wer genau das gewesen ist, weiß ich gar nicht mehr.

Wie geht es weiter mit Tschiller?

SCHWEIGER: Bislang habe ich für vier Folgen unterschrieben – vielleicht werden ja auch 40 daraus!

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