Der Mutmacher

Er ist nicht ganz der Alte. Vielmehr scheint Wolfgang Niedecken nach seinem Schlaganfall strahlender als zuvor. Das Lebenswerk des BAP-Sängers hat den Musikpreis "Echo" verdient.

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Was man mit einem "Echo" so alles machen kann: präsentieren, küssen, anlächeln. Von links Udo Lindenberg, Wolfgang Niedecken, Helene Fischer und rechts oben Newcomer Tim Bendzko. Fotos: dpa

"Das Bedrückende am Älterwerden ist, dass die Einschläge näher kommen. Das Interview, das Wolfgang Niedecken zu seinem 60. Geburtstag vor einem Jahr gab, stimmte nachdenklich. Als im November den BAP-Sänger dann selbst der Schlag traf, war nicht klar, ob er je wieder ganz der Alte wird. "Junge, Junge, du hast uns einen richtigen Schrecken eingejagt", sagte Regisseur Wim Wenders, der Niedecken den wichtigsten deutschen Musikpreis "Echo" für sein Lebenswerk überreichte.

Der Auftritt Niedeckens ("Vielen Dank an meine Schutzengel") war der emotionale Höhepunkt der Gala am Donnerstagabend in Berlin, die nur 2,6 Millionen Zuschauer in der ARD verfolgten. Bewegend nicht etwa, weil er sich nach seinem Schlaganfall - ähnlich wie es Monica Lierhaus bei der "Goldenen Kamera" tat - in Trippelschritten ins Leben zurückgekämpft hätte. Vielmehr strahlte der zu Tränen gerührte Musiker Dankbarkeit und Demut aus. Ein echter Mutmacher, der, wie Campino in seiner Laudatio sagte, erreicht hatte, dass "ein ganzes Land bereit war, Kölsch zu lernen".

Dass dies bis heute gilt, bewies Schwabe Thomas D.: Der Fanta-4-Frontman sang mit Niedecken und Campino den größten Hit von BAP: "Verdamp lang her" - das sind auch die besten Zeiten der Kölner Band. Doch Niedecken ist mehr als Musiker. Der Maler, Künstler, Menschenfreud und Vierfachvater engagiert sich politisch und humanitär - auch das ist sein Lebenswerk.

"Wenn ich einen Lebenswerk-Echo bekomme, sterbe ich eine Woche danach", motzte indes Rapper Sido, als er seinen Preis abholte. Zuvor hatte der bereits mit einem Lebenswerk-"Echo" gewürdigte Udo Lindenberg zwei weitere Trophäen erhalten, was Sido "voll unfair" fand. "Das war dann auch schon der Skandal des Abends", unkten die Moderatorinnen Barbara Schönberger und Ina Müller, die selbst kleinere Peinlichkeiten im Repertoire hatten: Ihr Geknutsche interessierte jedoch kaum; geschmacklich bewegten sie sich mit ihren Gags oft scharf an der Grenze dessen, was eine Gala verträgt, die die gesamte Musikszene bedienen will: von Rammstein, die mit Schockrocker Marylin Manson einen brachialen Auftritt hinlegten, bis hin zu Schlager und volkstümlicher Musik.

Schrille Outfits, gewaltige Licht- und Pyrotechnik, die ganze Show perfekt inszeniert . . . es gab viel zu gucken, mitreißende Momente, Charme und Witz: Das Gros der Fans der "Toten Hosen", die für 30 Jahre Bühnenjubiläum gewürdigt wurden, dürften "ihren Bommerlunder mittlerweile aus der Schnabeltasse trinken", übertrieb Ina Müller. Die großen "Echo"-Abräumer waren dann aber doch die alten Hasen.

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