Der Markt der TV-Doku-Kanäle wächst

Noch ein Kanal? Kann das gut gehen? Wenn es nach Thorsten Pütsch geht: ja. Er ist der Chef des neuen Fernsehsenders Kabel eins Doku.

|

Mitzählen kann inzwischen keiner mehr so richtig, wie viele deutschsprachige Fernsehkanäle – ob regional oder bundesweit – inzwischen auf Sendung gegangen sind. Auf jeden Fall hunderte. Sollte jemand doch eine Liste führen, kann er nun zwei zusätzliche Striche machen. Seit Samstag sendet der N24-Ableger N24 Doku, und an diesem Donnerstag (20.15 Uhr) legt Kabel eins Doku mit Robert Redfords Reihe „Der wilde Westen – Die wahre Geschichte“ los.

Für die Senderfamilie ProSiebenSat.1 ist Kabel eins Doku bereits Programm Nummer sieben. Es handele sich um den „ersten reinen Dokukanal im Free TV“, der ein Zielpublikum der nicht mehr ganz taufrischen Männer zwischen 40 und 64 Jahren im Auge hat. Laut Senderchef Thorsten Pütsch sind bereits einige Werbeplätze gebucht – in der Branche nicht ohne weiteres üblich.

630 Stunden reine Dokumentationen hat Kabel eins Doku von 20 internationalen Anbietern zwischen den USA und Australien erworben. Für eine Stunde Dokumentations-TV seien durchschnittlich 7000 bis 10?000 Euro fällig, sagt Pütsch. Einen deutlichen Preisanstieg aufgrund gewachsener Nachfrage am Markt sei nicht zu spüren. 20 Stellen seien geschaffen worden, 30 Mitarbeiter habe der Sender insgesamt, einige kümmerten sich im Konzern noch um andere Programme.

Eigenproduktionen sind noch nicht geplant. Das ehrgeizigste Projekt zum Senderstart ist das „Doku Magazin“ mit Annika de Buhr (44) als Moderatorin, fünf Mal die Woche ist die Sendung um 22.40 Uhr geplant – sie wird produziert von Spiegel TV in Hamburg und soll sich inhaltlich auch an aktuellen Lagen orientieren, etwa der US-Wahl.

Die Chancen sind trotz starker Präsenz von Dokumentationsangeboten gar nicht so schlecht. Denn die großen TV-Konzerne haben ihre in den vergangenen Jahren nach und nach entstandenen Spartenprogramme auch dank intensiver Werbevermarktung innerhalb der Sendergruppen bisher gut am Markt halten können.

Allerdings: Der deutsche TV-Markt ist nicht gerade unterentwickelt, was Themen wie Dokumentation und Reportage anbelangt: Neben dem Sender N24 Doku, der zum großen Teil das Programm von N24 im Timeshift-Verfahren eine Stunde zeitversetzt zeigt, aber zusätzlich noch weitere Dokus bringt, schicken Anbieter wie Arte, Phoenix, 3sat, ZDFinfo, Tagesschau 24 oder auch DMax ständig Material ins Rennen. Zu diesem Bild passt auch Thorsten Pütschs gegenwärtige Gefühlswelt. „Ich fühle mich wie ein Rennpferd vorm Start in der Box“.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Mordprozess: Abneigung gegen Schwule als Motiv?

Unter Ausschluss der Öffentlichkeit hat am Dienstag vor dem Landgericht Ulm ein Mordprozess gegen einen 16-Jährigen begonnen. weiter lesen

Justizgebäude Ulm-