Der Kampf um Afrikas Wildtiere

Wilderei in Afrika ist nicht nur grausam, sie bedroht auch die Bestände vieler Tierarten. Die Täter sind Profis, ihre Gewinne fließen in Kriege und Terror.

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  • „Wir riskieren den Verlust eines prächtigen Tieres.“ 70 Prozent ihrer Elefanten haben die Länder Zentralafrikas in den letzten Jahren verloren. 1/2
    „Wir riskieren den Verlust eines prächtigen Tieres.“ 70 Prozent ihrer Elefanten haben die Länder Zentralafrikas in den letzten Jahren verloren. Foto: 
  • Kenya Wildlife Services (KWS) personel stack elephant tusks onto pyres April 22, 2016 ahead of a historic destruction of illegal ivory and rhino-horn confiscated mostly from poachers in Nairobi's national park. Kenya on April 30, 2016 will burn approximately 105 tonnes of confiscated ivory, almost all of the country's total stockpile. Several African heads of state, conservation experts, high-profile philanthropists and celebrities are slated to be present at the event which they hope will send a strong anti-poaching message. / AFP PHOTO / TONY KARUMBA 2/2
    Kenya Wildlife Services (KWS) personel stack elephant tusks onto pyres April 22, 2016 ahead of a historic destruction of illegal ivory and rhino-horn confiscated mostly from poachers in Nairobi's national park. Kenya on April 30, 2016 will burn approximately 105 tonnes of confiscated ivory, almost all of the country's total stockpile. Several African heads of state, conservation experts, high-profile philanthropists and celebrities are slated to be present at the event which they hope will send a strong anti-poaching message. / AFP PHOTO / TONY KARUMBA Foto: 
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Mit illegaler Wilderei werden jedes Jahr Milliarden verdient – und das hat dramatische Auswirkungen auf die lokalen Volkswirtschaften: Elfenbein wird auf dem Markt für 1100 Dollar (964 Euro) pro Kilogramm gehandelt, während das Horn von Nashörnern für mehr als 60?000 Dollar pro Kilogramm über den Ladentisch geht. Das haben nun auch regionale Kriegsherren, extremistische Gruppen und Rebellenmilizen in Afrika entdeckt. Denn die suchen nach immer neuen Mitteln, um ihren Kampf gegen ethnische Gruppen, das Militär oder andere Rebellen zu finanzieren.

„Einige Gruppen sind deshalb nun auch dazu übergegangen, unzählige Elefanten und Nashörner zu töten und ihr Elfenbein und Horn für Waffen und Geld einzutauschen“, heißt es von dem unabhängigen Forum Poachingfacts.com, das sich gegen Wilderei stark macht.

Im Virunga National Park der Demokratischen Republik Kongo (DRC) stirbt durch das Aufeinandertreffen mit diesen schwerbewaffneten Gruppen im Durchschnitt jeden Monat ein Wildhüter im Dienst. Die Wächter patrouillieren rund um die Uhr im 7800 Quadratkilometer großen Park, um Gorillas, Elefanten und andere Wildtiere vor Wilderern zu beschützen.

Das Risiko, in einen Schusswechsel mit illegalen Jägern zu geraten, wurde bisher schlicht als Berufsrisiko eingestuft. Doch mit dem Auftauchen der Milizen bekommen sie es nun mit wesentlich stärker bewaffneten Gegnern zu tun. Der Kampf gegen die Wilderei im zentralen Afrika ist zum Krieg ausgeartet.

Die bis an die Zähne bewaffneten Milizen wildern inzwischen nicht nur in der DRC, sondern auch im Südsudan, in Zentralafrika, im Kongo und in Teilen Ugandas, Tschads und Tansanias. Auf ihrer Suche nach Elefanten und Nashörnern erschießen sie dabei jeden, der ihnen in die Quere kommt. In den vergangenen vier Monaten hat es allein im Garamba Nationalpark der DRC mehr als 30 Schusswechsel, fünf Tote, mehrere Verletzte und 43 erlegte Elefanten gegeben. Andere Wildhüter starben im März im Kahuzi-Biéga-Park in der Nähe der Stadt Bukavu und im Januar töteten Wilderer einen britischen Helikopterpiloten im Norden Tansanias.

Als Zeichen gegen diesen immer blutiger ausartenden Krieg beschloss der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta Anfang Mai dieses Jahres, tausende konfiszierte Elefantenstoßzähne zu verbrennen, die insgesamt etwa 100 Millionen Dollar wert sind. „Der steigende Wert des illegalen international gehandelten Elfenbeins hat zu einem Massaker im afrikanischen Regenwald geführt“, sagte Kenyatta vor den anwesenden Zuschauern.

„In den vergangenen zehn Jahren haben die Länder Zentralafrikas 70 Prozent unserer Elefanten verloren. Der Elefant ist ein ikonisches Symbol unseres Landes. Wenn wir nicht jetzt handeln, riskieren wir den Verlust eines prächtigen Tieres.“

Doch hinter der Wilderei und den Morden in den afrikanischen Parks stecken machtvolle kriminelle Netzwerke. Milizen, Militär und korrupte Politiker nutzen die von Experten auf etwa 20 Milliarden Dollar geschätzten jährlichen Erträge ihres Horn- und Elfenbeinhandels, um Kriege, Terrorismus und andere Verbrechen zu finanzieren.

„Inzwischen gibt es Berichte über groß angelegte Wilderei, die sogar industrielle Maße erreicht“, heißt es in einer Studie der Denkfabrik Chatham House in London. „In einer Woche töteten Wilderer, die mit den Dschandschawid-Milizen aus dem Sudan und dem Tschad in Verbindung stehen, angeblich mehr als 86 Elefanten mit automatischen Gewehren.“

Wilderei eines solchen Ausmaßes habe nichts mit Opportunismus oder Existenzfragen zu tun, sondern eben mit bewaffneten nicht-staatlichen Akteuren und organisierten kriminellen Gruppen mit weitreichenden Verbindungen.

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