Das Motiv bleibt ein Rätsel

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  • Dokumente des Grauens: Ermittler und Journalisten schauen sich mit Body-Cams gedrehte Videos des Massakers an, bei dem der 64-jährige Stephen Paddock (rechts) 59 Menschen getötet hat. 	 1/2
    Dokumente des Grauens: Ermittler und Journalisten schauen sich mit Body-Cams gedrehte Videos des Massakers an, bei dem der 64-jährige Stephen Paddock (rechts) 59 Menschen getötet hat. Foto: 
  •  Das undatierte Foto zeigt Stephen Paddock aus Mesquite, Nevada (USA). Stephen Paddock soll der mutmaßliche Todesschütze sein, der bei einem Musikfestival in der US-Touristenmetropole Las Vegas mindestens 58 Menschen getötet und über 500 Menschen verletzt hat. Foto: Twitter/ZUMA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ 2/2
    Das undatierte Foto zeigt Stephen Paddock aus Mesquite, Nevada (USA). Stephen Paddock soll der mutmaßliche Todesschütze sein, der bei einem Musikfestival in der US-Touristenmetropole Las Vegas mindestens 58 Menschen getötet und über 500 Menschen verletzt hat. Foto: Twitter/ZUMA Wire/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++ Foto: 
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Drei Tage nach dem blutigen Massaker, das in Las Vegas 59 Menschenleben und mehrere hundert Verletzte forderte, sind Ermittler weiterhin auf der Suche nach einem Tatmotiv. Sicher ist mittlerweile lediglich, dass der Todesschütze Stephen Paddock nichts dem Zufall überlassen hatte.

In seiner Hotelsuite im Mandalay Bay Hotel – von dort aus feuerte er zwischen neun und elf Minuten lang wahllos in ein Publikum von 22 000 Besuchern eines Country-Music-Konzerts – hatte Paddock ein regelrechtes Waffenarsenal angehäuft. Auch hatte er auf dem Türspion und im Flur Überwachungskameras installiert. Zweifellos wollte der Todesschütze reagieren können, bevor Sondereinheiten der Polizei das Zimmer stürmen und ihn überwältigen. Zwischenzeitlich wurde auch Paddocks Freundin aus den Philippinen eingeflogen. Von ihr erhoffen sich die Behörden neue Erkenntnisse über den Geisteszustand und mögliche Beweggründe des Täters.

Fotos aus Zimmer 32135 des Luxushotels, wo Paddock am Sonntagabend Ortszeit zwei Fenster eingeschlagen und das Feuer eröffnet hatte, verraten nach Darstellung von Las Vegas’ Polizeichef Joseph Lombardo jedenfalls einen sorgfältig vorbereiteten Massenmord. Auf dem Boden lagen Waffen, zudem hatte er auf einem Zweibeinstativ ein Sturmgewehr montiert. Zu sehen waren auch Zielfernrohre und geladene Magazine. Selbst auf dem Esswagen des Zimmerservice, der vor der Tür stand, hatte der Schütze eine versteckte Kamera befestigt. Zwischenzeitlich konnte die Polizei 47 Waffen sicherstellen, von denen Paddock den Ermittlungen zufolge allein während des letzten Jahres 33 gekauft hatte. Ein neues Polizeivideo, das gestern veröffentlicht wurde, veranschaulichte das ganze  Ausmaß des Horrors, den Menschen am Boden erlebten. Mehrere Minuten lang folgte mit kurzen Unterbrechungen eine Salve nach der anderen. Polizisten versteckten sich hinter einer Betonmauer und forderten panische Konzertbesucher und Passanten auf, in Deckung zu gehen.

Im Mittelpunkt steht jetzt Paddocks Freundin Marilou Danley (62). Die Australierin, die mit dem Täter in dessen Haus in Mesquite (Nevada) lebte, war bereits am 15. September aus den USA abgereist, zwischen Tokio und Hongkong gependelt und schließlich vergangene Woche zu ihrer Familie in die Philippinen geflogen. Dorthin hatte der Täter zeitgleich eine Überweisung von 100 000 Dollar getätigt. Danley werde keiner Mitwisserschaft verdächtigt, sei aber „eine Person von Interesse“, betonte ein Sprecher des Bundeskriminalamts FBI. Dionne Waltrip, eine Tochter von Danleys geschiedenem Ehemann, beschrieb ihre frühere Schwiegermutter als „guten und zarten Menschen, sie muss nach dieser Tragödie am Boden zerstört sein.“ Dass sie in irgendeiner Weise beteiligt gewesen sei, könne sich Waltrip nicht vorstellen. Auch sagte Danleys weinende Schwester, dass „sie damit überhaupt nichts zu tun hatte. Er hat Marilou bewusst weit weg geschickt, damit sie nichts mitkriegt und von seinen Plänen nichts weiß.“

Experten mutmaßen weiterhin über mögliche Motive. Die meisten von ihnen sind überzeugt, dass es sich nicht um einen typischen Amoklauf handelte. „Paddock war schon etwas älter und kein Freund sozialer Medien“,  stellt der forensische Psychologe Brian Russell fest. Gut vorstellen könne er sich, dass während der kommenden Tage in der Post bei der Polizei oder irgendeinem führenden Medium ein schriftliches Manifest eingeht, in dem Paddock erklärt, warum er die Gräueltat beging. Denkbar sei etwa, dass er es bewusst auf besonders patriotisch und womöglich nationalistisch veranlagte Menschen abgesehen habe, von denen er sich bei einem Country-Music-Konzert viele erwartet habe. Gestern reiste US-Präsident Donald Trump nach Las Vegas.

Gesetze Ein Thema der sich zuspitzenden Debatte um schärfere Waffengesetze dürften auch im Internet problemlos erhältliche Vorrichtungen werden, mit denen Waffen nachgerüstet werden. Mit einem Dutzend sogenannter „bump stocks“ hatte sich Las-Vegas-Attentäter Stephen Paddock eingedeckt und eines an dem Gewehr montiert. Die „bump stocks“ verwenden den Rückstoß einer halbautomatischen Waffe und verwandeln diese faktisch in ein vollautomatisches Gewehr, das Dauerfeuer schießen kann. pdt

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