Büchner-Preis für Marcel Beyer

Der Schriftsteller Marcel Beyer hat den renommierten Georg-Büchner-Preis verliehen bekommen. Dem 50 Jahre alten Lyriker und Romancier wurde die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung am Samstag in Darmstadt überreicht. 

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Heinrich Detering (l), Präsident der "Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung", mit Preisträger Marcel Beyer in Darmstadt. Foto: Andreas Arnold

Der Schriftsteller Marcel Beyer hat den renommierten Georg-Büchner-Preis verliehen bekommen. Dem 50 Jahre alten Lyriker und Romancier wurde die mit 50 000 Euro dotierte Auszeichnung am Samstag in Darmstadt überreicht. 

„Sprache ist alles“, sagte Beyer in seiner Dankesrede. „Sie versetzt mich in Euphorie.“ Der Preis gilt als wichtigste literarische Auszeichnung in Deutschland. Er wurde zum 65. Mal verliehen.

Der in Dresden lebende Autor beherrsche „das epische Panorama ebenso wie die lyrische Mikroskopie und den zeitdiagnostischen Essay“, begründete die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung bei ihrer Feier im Staatstheater. Die Texte „widmen sich der Vergegenwärtigung deutscher Vergangenheit mit derselben präzisen Hingabe, mit der sie dem Sound der Jetztzeit nachspüren. Sie betreiben eine poetische Erdkunde, die immer auch Spracherkundung ist; kühn und zart, erkenntnisreich und unbestechlich, lassen sie die Welt zugleich wundersam bekannt und irisierend neu erscheinen.“

Im vergangenen Jahr erhielt der Schriftsteller Rainald Goetz die Auszeichnung. Zur langen Reihe der Geehrten zählen bekannte Autoren wie Erich Kästner (1957), Günter Grass (1965), Heinrich Böll (1967), Friedrich Dürrenmatt (1986), Felicitas Hoppe (2012) und Sibylle Lewitscharoff (2013) sowie Jürgen Becker (2014).

Beyer war einer auch internationalen Öffentlichkeit 1995 mit seinem Roman „Flughunde“ bekannt geworden. Darin geht es um die Instrumentalisierung von Sprache durch die Propaganda am Beispiel des Zweiten Weltkriegs. Es folgten die Lyrikbände „Falsches Futter“ (1997) und „Erdkunde“ (2002) sowie die Romane „Spione“ (2000) und „Kaltenburg“ (2008). Ebenso veröffentlichte er Erzählungen und Essays wie „Nonfiction“ (2003) und „Putins Briefkasten. Acht Recherchen“ (2012).

Der Namensgeber der Auszeichnung, Georg Büchner, war deutscher Revolutionär und Dramatiker („Dantons Tod“, „Woyzeck“). Er gilt als wegweisender Autor des 19. Jahrhunderts. Mit nur 23 Jahren starb er am 19. Februar 1837 im Exil in Zürich an Typhus.

Neben dem Büchner-Preis wurden noch zwei andere Auszeichnungen verliehen, jeweils mit 20 000 Euro dotiert. Die in Niederbayern geborene Sachbuchautorin Kathrin Passig erhielt den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay 2016. Sie lebt heute in Berlin und ist Autorin zahlreicher Sachbücher, darunter „Standardsituationen der Technologiekritik“ (2013) und „Internet – Segen oder Fluch“ (2012, zusammen mit Sascha Lobo).

Den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa 2016 bekam der im Harz geborene Kulturtheoretiker und Ägyptologe Jan Assmann (78) überreicht. Er lebt heute in Konstanz. Zu seinen neueren Veröffentlichungen gehören „Die Zauberflöte“ (2015) und „Die Gott-Mythologien der Josephsromane“ (2013).

„Mit ihrem beeindruckenden Werk, ihren stilistisch herausragenden Texten sind Jan Assmann, Kathrin Passig und Marcel Beyer Kronzeugen für die Macht der Worte, die eine Demokratie zum Überleben braucht“, wurde Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) in einer Mitteilung zur Preisverleihung zitiert. „Wir brauchen die provozierenden Künstler, die verwegenen Denker, die
verhindern, dass intellektuelle Trägheit und politische
Bequemlichkeit die Demokratie einschläfern.“

Infos zum Büchner-Preis

Akademie für Sprache und Dichtung

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