Bayreuth eröffnet mit Trauerschleifen

|
Vorherige Inhalte
  • Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis (r) und Schauspielerin Michaela May vor der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Foto: Timm Schamberger 1/8
    Gloria Prinzessin von Thurn und Taxis (r) und Schauspielerin Michaela May vor der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Foto: Timm Schamberger
  • Schauspieler Edgar Selge bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Foto: Timm Schamberger 2/8
    Schauspieler Edgar Selge bei der Eröffnung der Bayreuther Festspiele. Foto: Timm Schamberger
  • US-Botschafter John B. Emerson und seine Frau Kimberley in Bayreuth. Foto: Timm Schamberger 3/8
    US-Botschafter John B. Emerson und seine Frau Kimberley in Bayreuth. Foto: Timm Schamberger
  • Verleger Florian Langenscheidt in Bayreuth. Foto: Timm Schamberger 4/8
    Verleger Florian Langenscheidt in Bayreuth. Foto: Timm Schamberger
  • Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (l.) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters vor der Eröffnung der Festspiele. Foto: Timm Schamberger 5/8
    Bayreuths Oberbürgermeisterin Brigitte Merk-Erbe (l.) und Kulturstaatsministerin Monika Grütters vor der Eröffnung der Festspiele. Foto: Timm Schamberger
  • Schauspieler Udo Wachtveitl (r) gibt bei seiner Ankunft in bayreuth Autogramme. Foto: Timm Schamberger 6/8
    Schauspieler Udo Wachtveitl (r) gibt bei seiner Ankunft in bayreuth Autogramme. Foto: Timm Schamberger
  • Polizisten in Bayreuth vor der Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele. Foto: Timm Schamberger 7/8
    Polizisten in Bayreuth vor der Eröffnung der Richard-Wagner-Festspiele. Foto: Timm Schamberger
  • Bayreuth mit Absperrgittern und ohne roten Teppich. Foto: Timm Schamberger 8/8
    Bayreuth mit Absperrgittern und ohne roten Teppich. Foto: Timm Schamberger
Nächste Inhalte

quot;So viele Polizisten!", ruft ein Kind. Ein Hubschrauber fliegt über das Festspielhaus. Zahlreiche Polizei-Einsatzwagen flankieren das Gebäude. Beamte bringen Spürhunde ins Haus, kontrollieren schon auf der Straße Handtaschen und stellen Absperrgitter auf. Ausnahmezustand bei den Bayreuther Festspielen - bei der Eröffnung am Montag ist vieles anders als sonst.

Nach den jüngsten Bluttaten hat es die Pietät geboten, den roten Teppich mit seinem Promi-Auflauf abzusagen. Alljährlich schreiten normalerweise Politiker und Show-Größen zum Portal des imposanten Wagner-Festspielhauses ? doch nicht diesmal, nach dem Axt-Angriff von Würzburg, dem Amoklauf in München und dem Anschlag in Ansbach.

Die Franken-, Bayern- und Deutschlandflaggen, die die Auffahrt hoch zum Festspielhaus säumen, tragen Trauerflor. Auf dem Bühnenvorhang im Zuschauerraum steht vor Beginn der "Parsifal"-Premiere: "Die Bayreuther Festspiele widmen die heutige Aufführung allen Opfern der Gewalttaten der vergangenen Tage und ihren Angehörigen."

Nur wenige reagieren genervt darauf, dass Polizisten ihnen sagen, wo sie entlanglaufen müssen ? und wohin sie nicht dürfen. "Wir sind überrascht, dass wir nur einmal durch Polizeikontrollen mussten", sagt eine ältere Dame und lacht. Sie war aufgeregt, ob sie es pünktlich zur Aufführung schaffen würde ? und nun ist sie mit ihren beiden Freundinnen eine Stunde zu früh dran. Aber die drei haben nur Lob übrig für die Polizei. Schnell sei alles gegangen, weil genug Beamte da seien, um alle zu überprüfen.

Auch zwei andere Festspiel-Besucherinnen wollen sich die Freude nicht nehmen lassen. Die Ereignisse der Woche hätten sie nicht davon abgehalten, nach Bayreuth zu kommen, sagt die eine. "Niemals!", ruft die andere. Dennoch, es ist sehr still vor dem Festspielhaus - stiller als in den Vorjahren. Der Medienrummel ist gering, nicht zu vergleichen mit früheren Jahren, und nur eine Handvoll Zaungäste ist zum Schauen gekommen; normalerweise ist der ganze Vorplatz voller Schaulustiger.

Lothar Würl steht hinter den Metallgittern, er ist einer der ganz wenigen Zaungäste. "Mulmiges Gefühl habe ich keines", sagt er über die Attacken der vergangenen Tage. "Passieren kann das immer und überall. Sich vergraben bringt nichts."

Das sagt auch Schauspielerin Michaela May. "Man muss ein Zeichen setzen", sagt sie. Dass man trotz der Angst komme. Sie ist fast die einzige, die in diesem Jahr nah ans Festspielhaus heranfahren darf ? sonst gehörte es zum Auftritt, mit dem Auto vorzufahren. May aber kann wegen eines Unfalls noch nicht so gut laufen und hatte ein Sonderrecht ? und trägt auch flache, mit bunten Steinen besetzte Sandalen zu ihrem strahlend-orangefarbenen Sommerkleid.

Herzlich begrüßt sie Gloria Fürstin von Thurn und Taxis, auch sommerlich in hell-türkisfarbener Seide gekleidet. Beide dürfen - wie alle Besucher - keine Flaschen und Sitzkissen mitnehmen, auch das aus Sicherheitsgründen. Das macht May aber nichts aus. "Ich fühle mich noch fit, ohne Sitzkissen zu sitzen", sagt sie und lacht. Es ist recht warm in Bayreuth. Viele tragen schicke, aber legere Overalls oder weite Kleider, viele tragen aber auch Schwarz.

Die Schauspieler Udo Wachtveitl und Edgar Selge sind zu sehen. Die Politprominenz fehlt aber. Das gesamte bayerische Kabinett sagte nach den Attacken ab. Kanzlerin Angela Merkel, eigentlich Stammgast bei der Bayreuther Festspieleröffnung,hatte schon vor längerer Zeit mitgeteilt, dass sie aus terminlichen Gründen nicht kommen könne.

Manchen Gästen ist nicht so ganz wohl. "Ich fühle mich bedrückt", sagt eine Besucherin. Sie denke an die Opfer der Attacken. Die Kontrollen am Festspielhaus aber findet auch sie nicht unangenehm. "Ich habe es mir schlimmer vorgestellt. Sie haben ja den luftigen Charakter des Grünen Hügels erhalten."

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Bahnhof Senden: Steg statt Unterführung

Durchbruch: Die Sendener können künftig im Bereich des Bahnhofes die Gleise queren. Statt dem geplanten Tunnel wird eine Überführung gebaut. weiter lesen