Autobahngebühr in der Schweiz wird deutlich teurer

Von 2015 an soll die Autobahnvignette in der Schweiz 100 Franken kosten. Bisher war die Plakette für 40 Franken zu haben, sie wird also um 150 Prozent teurer. Für Touristen gibt es eine kleine Entwarnung.

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In zwei Jahren wird es richtig teuer auf den Schweizer Autobahnen: Dann werden Pkw-Fahrer nämlich nicht mehr mit 40 Franken (das sind umgerechnet etwa 33 Euro), sondern mit 100 Franken (umgerechnet 82 Euro) für die Autobahnvignette zur Kasse gebeten.

Die Schweiz erhebt mit der Plakette pauschal ihre Mautgebühren. Sie gilt für 14 Monate, jeweils vom 1. Dezember des Vorjahres bis zum 31. Januar des Folgejahres und muss gut sichtbar an die Innenseite der Windschutzscheibe geklebt werden. Vignettenpflichtig sind Motorräder und Automobile bis zu einem Gesamtgewicht von 3,5 Tonnen. Für Anhänger muss eine zusätzliche Vignette erworben werden. Lastwagen müssen eine eigene Maut entrichten.

Am Montag beschloss der Schweizer Nationalrat die deutliche Preissteigerung. Zuvor war heftig diskutiert worden, ob eine Erhöhung von 40 auf 80 Franken nicht ausreiche. Dementsprechend knapp fiel die Abstimmung aus: Mit 97 zu 89 Stimmen schwenkte der Nationalrat im dritten Anlauf auf die Linie des Bundesrates und Ständerats ein und lehnte jegliche Kompromissvorschläge ab.

Die Schweizer Verkehrsministerin Doris Leuthard (CVP) hatte zuvor bereits erklärt, mehrere geplante Straßenprojekte in den nächsten 10 bis 15 Jahren könnten ohne Erhöhung des Vignettenpreises nicht gebaut werden. "Die Erweiterung ist nicht gratis", zitierte die Basler Zeitung die Politikerin. Die zusätzlichen Einnahmen aus der Preiserhöhung - insgesamt 305 Millionen Franken - sind für neue Nationalstraßen vorgesehen: Rund 390 Kilometer Straßen sollen neu ins Netz aufgenommen werden.

Touristen sollen indes von der Preiserhöhung verschont werden: Zusätzlich zur teureren Ein-Jahres-Vignette wollen die Räte eine weitere Plakette einführen. Diese soll weiterhin 40 Franken kosten, aber nur zwei Monate gültig sein. Sie ist vor allem für Schweizreisende gedacht.

Das ist jedoch nur ein schwacher Trost: "Die Preiserhöhung ist auch eine Mehrbelastung für den deutschen Touristen", sagt Katharina Bauer, Pressesprecherin des ADAC. "Der Urlauber bekommt auf alle Fälle weniger Leistung für sein Geld. Mit der Jahresvignette für 40 Franken kann man zwölf Monate lang in die Schweiz in Urlaub fahren. Ab 2015 kann man das dann fürs gleiche Geld nur innerhalb von zwei Monaten und muss danach wieder zahlen. Natürlich merkt man das im Portemonnaie."

Die Mautgebühr durch Umfahren der teuren Schweizer Autobahnen zu umgehen, davon rät Katharina Bauer ab. "Klar kann man immer etwas umfahren, aber die Frage ist natürlich, ob es sich lohnt. Umwege bedeuten meist eine Rechnerei." Für viele Urlauber, die zum Beispiel nach Italien oder irgendwo in den Süden wollten, sei der Weg durch die Schweiz nun mal der einfachste und der schnellste. "Unser Appell richtet sich vielmehr an die Schweiz, eine preisgünstigere Möglichkeit für Urlauber anzubieten", erklärt Bauer. "So wie in Österreich zum Beispiel."

Im Nachbarland gibt es neben den Ein-Jahres- und Zwei-Monatsvignetten eine dritte, das sogenannte "Zehn-Tages-Pickerl", das 8,30 Euro kostet.

Bitter ist der teure Vignettenpreis auch für jene, die mehrere Autos besitzen oder sich ein neues kaufen. Denn es ist verboten, die einmal aufgeklebte Vignette zu entfernen und wieder aufzukleben. Plaketten, die mithilfe von Klebstreifen oder Folie angebracht worden sind, werden nicht akzeptiert.

Und schummeln? Vorsicht: Zwar finden sich in Internetforen zahlreiche Hinweise zum Entfernen und Wiederaufkleben von Vignetten mithilfe von Rasierklingen und Teppichmessern, Spülmittel und Fettcreme. Doch wer mit einer nicht ordnungsgemäß angebrachten Vignette erwischt wird, muss 200 Franken (rund 163 Euro) Strafe zahlen. Und da hat die Schweizer Polizei ihr Auge drauf: Kontrolliert wird an Raststätten, an Grenzübergängen und an Autobahnauffahrten. Auch Überwachungskameras zeichnen vignettenlose Pkw auf den Autobahnen auf. Neu ist dabei, dass die Kontrollen an der Grenze und die Ahndung von Vignettenverstößen auch privaten Organisationen übertragen werden können. Der ADAC empfiehlt Reisenden, die Vignette bereits vor der Abreise zu erwerben. Wer ohne unterwegs ist, muss von 2015 an mindestens 300 Franken (rund 245 Euro), Bußgeld und Kaufgebühr, bezahlen. Und damit wird der ohnehin nicht billige Ausflug in die Schweiz noch teurer.

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