Artenschutzkonferenz: Länder ringen um Elefantenschutz

Sie werden getötet wegen ihrer Flossen, Hörner oder Stoßzähne. Die Artenschutzkonferenz will den Handel mit Tieren und Pflanzen weiter einschränken.

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  • Pangoline – skurril aussehende Säugetiere mit Schuppenhaut – werden wegen ihres als Delikatesse geltenden Fleischs gejagt. Ihren Schuppen schreibt die traditionelle chinesische Medizin heilende Kräfte zu. Trotz Handelsverboten in Asien ging der Bestand dort im vergangenen Jahrzehnt um rund 80 Prozent zurück. Händler weichen nun auf die afrikanischen der acht Arten aus. 1/3
    Pangoline – skurril aussehende Säugetiere mit Schuppenhaut – werden wegen ihres als Delikatesse geltenden Fleischs gejagt. Ihren Schuppen schreibt die traditionelle chinesische Medizin heilende Kräfte zu. Trotz Handelsverboten in Asien ging der Bestand dort im vergangenen Jahrzehnt um rund 80 Prozent zurück. Händler weichen nun auf die afrikanischen der acht Arten aus. Foto: 
  • Aufgrund des internationalen Elfenbeinhandels sind Elefanten besonders gefährdet. 2/3
    Aufgrund des internationalen Elfenbeinhandels sind Elefanten besonders gefährdet. Foto: 
  • Der Löwenbestand in Afrika ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um über 40 Prozent zurückgegangen. Heute gibt es nach Angaben der Naturschutzorganisation Pro Wildlife noch etwa 20?000 Tiere. Zu den Gründen für die Abnahme zählen immer kleiner werdende Lebensräume und damit einhergehende Zusammenstöße mit Menschen, aber auch die Trophäenjagd.  3/3
    Der Löwenbestand in Afrika ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten um über 40 Prozent zurückgegangen. Heute gibt es nach Angaben der Naturschutzorganisation Pro Wildlife noch etwa 20?000 Tiere. Zu den Gründen für die Abnahme zählen immer kleiner werdende Lebensräume und damit einhergehende Zusammenstöße mit Menschen, aber auch die Trophäenjagd.  Foto: 
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Als Luggard etwa ein Jahr alt war, schossen ihm Wilderer ins rechte Hinterbein. Der kleine Elefant wollte seine Mutter verteidigen, die zuvor wegen ihrer Stoßzähne getötet worden war. Ein halbes Jahr später humpelt Luggard mit einer Infektion im Nairobi Nationalpark am Rande der kenianischen Hauptstadt herum.

Nach dem jüngsten Elefanten-Zensus leben in 18 afrikanischen Staaten nur noch etwa 352 000 Elefanten. Bevor Europäer den afrikanischen Kontinent betraten, gab es dort Schätzungen zufolge bis zu 20 Millionen Elefanten. 1979 waren es noch etwa 1,3 Millionen. Trotz eines internationalen Handelsverbotes gibt es weiter viel Wilderei, die auch Luggards Mutter zum Verhängnis wurde.

Kenia zählt zu den Vorzeigeländern, was den Schutz von Elefanten angeht. Der Bestand von rund 26 000 Tieren in dem ostafrikanischen Land erholt sich langsam. Kenia setzt auf Elefantenschutz, auch weil er Geld im Tourismus bringt. Rund zwei Milliarden Euro verdiente Kenia im Vorjahr an Touristen. Als Zeichen seines Engagement im Naturschutz verbrannte das Land Ende April 105 Tonnen Elfenbein von mehr als 8000 Elefanten vor den Augen der Weltöffentlichkeit.

Doch Elfenbein ist vor allem in asiatischen Ländern nach wie vor beliebt – allen voran in China aber auch in Thailand. In den kommenden Tagen könnten strengere Richtlinien zum Binnenhandel beschlossen werden, was den illegalen internationalen Handel eindämmen soll. Am heutigen Samstag beginnt die 17. Welt-Artenschutzkonferenz  (Cites) in der südafrikanischen Metropole Johannesburg.

Bis zum 5. Oktober treffen sich dort Vertreter aus 183 Ländern, um über Handelsregelungen für bedrohte Tier- und Pflanzenarten zu entscheiden. Auf der Agenda stehen unter anderem Anträge zu Elefanten, Nashörnern, Löwen, Schuppentieren und Haien.

Derzeit werden etwa 5600 Tier- und 30 000 Pflanzenarten in drei verschiedene Cites-Anhänge eingestuft, wobei Anhang I den höchsten Schutz bietet. Der Graupapagei zählt zu jenen Arten die hochgestuft werden können. Der sprachbegabte Vogel ist als Haustier beliebt und wurde deshalb millionenfach aus der Wildnis gefangen genommen.

Daneben gibt es Anträge zu Schuppentieren und Hai-Arten, deren Fleisch oder Flossen in einigen Ländern als Delikatessen gelten und die deshalb gejagt werden. Nashörner und Löwen leiden darunter, dass ihren Körperteilen heilende Kräfte nachgesagt werden.

„Bei allen Entscheidungen, die bei Cites gefällt werden, muss der Artenschutz im Mittelpunkt stehen – und nicht politische oder wirtschaftliche Interessen“, forderte der Vorsitzende des Internationalen Tierschutzfonds, Azzedine Downes.

Die größte Bevölkerung von Afrikanischen Elefanten haben Botsuana (rund 130 000) und Simbabwe (rund 82 000). Namibia, das ebenfalls über größere Bestände verfügt, möchte zusammen mit Simbabwe Elfenbeinbestände verkaufen. Nicht nur zahlreiche andere afrikanische Staaten stellen sich dagegen – sondern auch Deutschland.

„Wir sind gegen die Anträge von Simbabwe und Namibia zur Aufnahme des Elfenbeinhandels oder von Südafrika zur Einführung eines Handelsmechanismus“, sagte Bundesumweltministerin Barbara Hendricks (SPD), die ebenfalls bei der Cites-Konferenz anwesend sein wird. Eine einmalige Verkaufserlaubnis von Elfenbein für vier südafrikanische Länder im Jahr 2008 hat nach Ansicht vieler Tierschützer im Windschatten den illegalen Handel und die Wilderei aufflammen lassen.

Neben der Bekämpfung von Wilderei wollen sich die deutschen Vertreter für eine Eindämmung des zunehmenden Handels mit Amphibien und Reptilien sowie für eine nachhaltigere Holzwirtschaft einsetzen. „Die immense Nachfrage nach Tropenhölzern durch internationalen Handel beschleunigt die Abholzung tropischer Regenwälder“, sagte Hendricks.

Das Washingtoner Abkommen

Vertrag Das 1973 beschlossene Washingtoner Artenschutzabkommen regelt den Handel mit bedrohten wild lebenden Tier- und Pflanzenarten. Es gilt als eines der wichtigsten und schlagkräftigsten Abkommen für den Artenschutz. Es trat 1975 in Kraft. Alle zwei bis drei Jahre treffen sich die Mitglieder und entscheiden, welche Arten so gefährdet sind, dass sie in die Liste aufgenommen werden müssen oder innerhalb der Liste eine neue Einstufung erhalten sollen. Dazu können Mitgliedsländer Vorschläge einreichen. Zurzeit sind rund 5600 Tier- und 30 000 Pflanzenarten erfasst. Das Abkommen besteht aus einem Vertragstext und drei Anhängen mit Schutzkriterien. Im Anhang I sind derzeit fast 700 Tiere und gut 300 Pflanzenarten enthalten, die alle unmittelbar vom Aussterben bedroht sind.dpa

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