Reutlingen · Vor der Premiere
: Ein Abend über Alkohol und Kunst

Das Reutlinger Tonne Theater erkundet gemeinsam mit dem Publikum im Spitalhof den Rausch.
Von
ST
Reutlingen

W ie im Rausch: Roswitha John, Bahattin Güngör, Santiago Österle und Justine Rockstroh.

Tonne / Armbruster
  • Reutlinger Tonne Theater zeigt "Rausch" im Spitalhof.
  • Stück thematisiert Alkohol, Kunst und Gesellschaft.
  • Inszenierung ohne Trennung von Bühne und Publikum.
  • Stilmittel aus Tanzperformance und Sprechtheater.
  • Live-Musik und spezielle Soundeffekte.

Die Zusammenfassung wurde durch künstliche Intelligenz erstellt.

I m Tonne-Keller im Spitalhof landet eine Reisegruppe. Ihr Ziel ist eine ferne Vergangenheit, in der sich alles um den Alkohol drehte: das Sektchen zum Einstand, zur Hochzeit, zur Vernissage, zur Theaterpremiere. Aber die Riten, die mit diesem Getränk einhergehen, sind der Gruppe längst fremd. Welche unterschiedlichen Mischungen gab es? Welchen Zweck h at dieses „Anstoßen“? Und ist diese neugierige Gruppe wirklich allein im Raum? Oder sind etwa auch noch Geister aus jener vergangenen Zeit anwesend? Natürlich sind sie das: das Publikum. Ohne Trennung von Bühne und Zuschauerraum kommen die Gäste den Schauspielenden ganz nahe.

Da s jedenfalls ist der Plan von Autorin und Regisseurin Annette Müller und ihrem Ensemble (Bahattin Güngör, Roswitha John, Santiago Österle und Justine Rockstroh als Reisegruppe sowie Michael Schneider als Reiseleiter) für die Premiere von „Rausch“. Die Inszenierung, die von Alkoholkonsum, seiner Geschichte, seinen Ritualen und seinem Platz in unserer Gesellschaft handelt, beleuchtet Grenzen, Schwellen und Übergangsräume. Und dabei eben auch die Entgrenzung, die durch exzessiven Rausch entstehen kann. Deshalb gibt es keine Grenzen zwischen Performenden und Publikum.

Auch ein Stück über die Kunst soll es werden, wenn die Zeitreisenden all der längst verblichenen Alkoholikerinnen und Alkoholiker von François Villon über Henri de Toulouse-Lautrec bis hin zu Edith Piaf gedenken.

Stilmittel aus der Tanzperformance und dem Sprechtheater machen „Rausch“ zu einer Art Revue-Abend. „Es ist kein Tanztheater, bei dem auch gesprochen wird, sondern eine Collage aus unterschiedlichen Elementen, die gleichwertig miteinander ins Spiel kommen“, so Müller über ihre interdisziplinäre Arbeit.

Für den (be-)rauschenden Klang im Kellergewölbe, das von Krypta über Nachtclub bis hin zu Auerbachs Keller alles sein könnte, zeichnet Musik- und Sounddesigner Michael Lohmann verantwortlich: Er hat den Tonne-Keller mit Boxen und Technik ausgestattet, die für ein besonderes akustisches Erlebnis sorgen. So können Töne und Geräusche gezielt aus bestimmten Ecken zugespielt werden. Mit Gesang, Geige, Gitarre und klingenden Gläsern wird es zudem auch musikalische Live-Momente geben.

Wenn das Stück auch die Schattenseiten der Volksdroge Alkohol beleuchtet, so soll es nicht den pädagogischen Zeigefinger erheben. „Viele werden vielleicht an eines der letzten Videos von Amy Winehouse denken, wo sie sich unter Alkoholeinfluss kaum noch auf der Bühne halten kann“, sagt Dramaturg Michel op den Platz. Eine solche Situation nachzustellen, sei jedoch nicht Inhalt des Abends. Erfahrungen mit Alkohol, so Regisseurin Müller, seien den Menschen aber nun einmal näher als beispielsweise der sehr abstrakte Kindermord einer „Medea“ im klassischen Drama. Deshalb werde man behutsam mit dem Thema umgehen, um niemanden zu verurteilen oder bloßzustellen.