Grünes Licht für Brückenbau nahe der Loreley

Brasilia/Mainz.  Die Unesco hat den Weg für den umstrittenen Bau der Mittelrheinbrücke in der Nähe des weltberühmten Loreleyfelsens frei gemacht. Das Welterbe-Komitee entschied nach Angaben des rheinland-pfälzischen Wirtschaftsministeriums in Brasilia, dass das Land mit der Planung beginnen darf.

Damit sei «die wesentliche Frage der Welterbeverträglichkeit zur Fortführung der weiteren Planungsschritte beantwortet», teilten der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Kurt Beck und Verkehrsminister Hendrik Hering (beide SPD) in Mainz mit. Dem Dresdner Elbtal war 2009 der Welterbestatus wegen eines Brückenbaus aberkannt worden.

Die Wirtschaft fordert seit langem eine Rheinquerung bei St. Goar und St. Goarshausen, denn zwischen Koblenz und Mainz gibt es auf rund 85 Kilometern weder Brücke noch Tunnel. Bislang bringen Fähren die Menschen im Unesco-Welterbe Oberes Mittelrheintal von der einen auf die andere Flussseite. Kritiker der Brücke warnen unter anderem vor massiven Umweltschäden. Zweimal hatte sich das Komitee seit 2008 mit der Brücke befasst, jeweils wurden neue Gutachten in Auftrag gegeben.

Auf der 34. Sitzung des Welterbe-Komitees beraten sich die 21 Unesco-Mitglieder noch bis zum 3. August in der brasilianischen Hauptstadt. 250 Entscheidungen gilt es zu treffen, dabei geht es auch um die Erweiterung des Welterbes Goslar um die Oberharzer Wasserwirtschaft, ein mittelalterliches Kanalsystem für den Bergbau.

Das Komitee teilt nun laut Landesregierung die Auffassung, dass die geplante Mittelrheinbrücke «visuell akzeptabel ist und damit dem außergewöhnlichen universellen Wert der Welterbestätte entspricht». Auch aus Sicht des Unesco-Gremiums sei die Brücke die ökonomisch sinnvollste Alternative. «Das Welterbekomitee eröffnet damit einer der bedeutendsten Kulturlandschaften Deutschlands eine eindeutige und moderne Entwicklungsperspektive», erklärte Beck.

Das Obere Mittelrheintal gehört seit 2002 zum Unesco-Welterbe. Es gilt als Inbegriff der romantischen Rheinlandschaft, deren Mythos in Texten und Bildern verbreitet wurde. «Wir haben immer dafür plädiert, keine "Käseglocke" über das Tal zu legen, sondern Landschafts- und Denkmalschutz mit moderner Nutzung zu vereinbaren», teilten Beck und Hering mit. Nächste Schritte seien die Erstellung einer Detailplanung und ein Planfeststellungsverfahren, um das Baurecht zu erlangen.

Die CDU-Spitzenkandidatin für die kommende Landtagswahl, Julia Klöckner, erklärte: «Wenn sich das bestätigt, ist das eine gute Nachricht für die Menschen im Mittelrheintal.»


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