App auf die Piste

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  • Rot geht immer – Hauptsache, die funktionellen Details an der Skijacke stimmen. Bei den Damenmodellen darf’s dann eher enganliegend und klassisch Schwarz-Weiß sein.
 Fotos: Schöffel, Sportalm 1/2
    Rot geht immer – Hauptsache, die funktionellen Details an der Skijacke stimmen. Bei den Damenmodellen darf’s dann eher enganliegend und klassisch Schwarz-Weiß sein. Fotos: Schöffel, Sportalm Foto: 
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    Foto: Sportalm Foto: 
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Eine Skijacke, in der man aussieht wie ein Michelin-Männchen, das in einen Eimer mit roter Farbe gefallen ist? Das ist Mode von vorgestern. Die Hersteller von Wintersportkleidung setzen in dieser Saison auf Teile, die noch leichter, dünner und funktionaler sind – und in der Skifahrer und Snowboarder auch abseits der Piste eine gute Figur machen. Das sind die Trends:

Nicht nur zum Skifahren. Eine Jacke für 300 Euro kaufen und nur eine Woche im Jahr tragen? Irrsinn! So denken viele. „Skifahren ist kein günstiges Unterfangen. Viele fahren nur noch einmal im Jahr für ein paar Tage in die Berge“, sagt Jochen Schnell, Vorsitzender des Waren-Marketings bei Intersport. Hotel und Skipass belasten das Konto. „Da überlegt der Kunde sich genau, wie viel er für Skibekleidung ausgibt.“ Das gilt insbesondere für Familien, deren Budget begrenzt ist. Investiert man also in eine teure Jacke, will man diese möglichst oft tragen können.

Das heißt: Skimode muss optisch freizeittauglich sein – also möglichst schick. „Den Trend zu urbanen Styles gibt es auch in der Wintersportmode“, erklärt Schnell. Das gilt nicht erst in diesem Winter. „Das Design muss so sein, dass man es auch auf der Straße anziehen kann.“ Die Schnitte in der Herrenmode seien eher sportiv und technisch versiert. Bei den Damen zähle aber durchaus sportlicher Schick, es soll körperbetont sein. Enganliegend fit bitte auch am Berg!

Ein Trendkleidungsstück des Winters, das von der Piste aus die Fußgängerzonen erobert hat, ist die Daunenunterjacke, hat Melanie Rauch vom Deutschen Skilehrerverband beobachtet. „Die Jacken sind unglaublich leicht, atmungsaktiv und wärmend.“ Man kann sie als Wärmeschicht auf der Piste unter der Funktionsjacke tragen – aber eben auch in der Stadt zur Jeans und über Hemd und Pullover.

Dezente Farben statt Bonbon-Optik. Natürlich ist es so, dass man auf der Piste mehr kräftige Farben sieht als anderswo: ein sattes Rot, ein kräftiges Blau, ein starkes Grün. Durch Signalfarben sind Wintersportler im Gelände leichter erkennbar. «Neben der Piste wird es viel dezenter», sagt aber Schnell. Im Trend liegen dunkles bis mittelkräftiges Blau, Bordeaux, Tannengrün, Anthrazit und Schwarz.

Das Prinzip Zwiebel „Ein Trend ist, dass die Materialien immer leichter werden, aber die Funktionalität ihrer dickeren Vorgänger beibehalten“, sagt Fashionberaterin Louisa Smith, die auf der Wintersportmesse Ispo die Trends bei den Textilien präsentiert. Zugleich ist das Prinzip Zwiebel nicht mehr wegzudenken: Viele dünne Funktionslagen statt einer dicken Jacke. Schöffel etwa hat eine Skijacke mit Zip-in-Funktion und herausnehmbarer Steppjacke auf den Markt gebracht. „Wenn es zum Beispiel im März mit viel Sonne auf der Piste richtig warm wird, ist es angenehm, die Innenjacke herausnehmen oder nur mit Innenjacke fahren zu können“, beschreibt Schnell.

Einen großen Einfluss auf diese Entwicklung hat der Trend zum Skitourengehen, sagt Rauch. An die Kleidung werden dabei hohe Ansprüche gestellt: „Beim Aufstieg schwitzt man stark und braucht atmungsaktive Stoffe. Bei der Abfahrt dagegen ist es kühl, und die Kleidung muss warmhalten.“ Das Zwiebel-System sei da optimal – und universell nutzbar.

Die Saisongrenzen verschwimmen. Die Skimode soll im besten Fall nicht nur beim Tourengehen, abseits der Piste und in der Freizeit funktionieren – sondern auch für Bergsport im Sommer. Weil Materialien immer besser und Kleidungsschichten immer dünner werden, lassen sich die einzelne Teile je nach Jahreszeit beliebig kombinieren. Dünne Funktionsjacken – eigentlich für Wanderer und Bergsteiger konzipiert – werden auch auf der Piste getragen, sagt Schnell. „Das nehmen wir seit Jahren wahr.“ Die Jacken seien robust und hätten entsprechende technische Eigenschaften, etwa eine hohe Wassersäule und guten Windschutz. „Die Kunden fragen sich also: Warum sollte ich so eine Jacke nicht auch zum Skifahren anziehen?“

Ohne Nachhaltigkeit geht nichts mehr. Hier gehe der Trend nicht nur zu natürlicheren Faserstoffen, erklärt Louisa Smith. Die Verarbeitung sei zunehmend darauf ausgerichtet, Wasser, Energie und Abfälle zu sparen. „Der Megatrend Nachhaltigkeit zeigt sich in allen Bereichen der Textilkette – von der Isolierung bis zu den äußeren Beschichtungen.“„Es wird stark auf Nachhaltigkeit gesetzt“, bestätigt Jochen Schnell. Pyua sei die erste Marke weltweit, die ausschließlich recyclefähige Materialien verarbeite. „Vaude setzt schon lange auf den Trend, auch Patagonia“, erläutert der Branchenkenner. Diese Entwicklung schlägt sich zwar nicht wirklich optisch in der Mode nieder – aber Skifahrer können mit ökologisch reinem Gewissen die Hänge hinabcarven.

Die Digitalisierung erreicht die Piste.  Die Kleidungsstücke sind bereits so funktional, robust, leicht – viel Spielraum nach oben gibt es nicht mehr. „Wir haben heute bei den Materialien ein Level erreicht, das bereits sehr fortgeschritten ist“, berichtet Schnell. „In der Zukunft erwarten wir vor allem technische Innovationen, etwa Stoffe, die sich per App steuern lassen.“ Ein Beispiel: Wenn der Körper warm ist, wird er automatisch heruntergekühlt und umgekehrt. Auch Heizsocken gibt es schon, die sich über eine App steuern lassen, weiß Melanie Rauch. „Ein Haus kann man ja auch schon mit dem Smartphone steuern.“ Philipp Laage (dpa)

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