Anwalt will Freilassung von El Chapo

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Joaquin Guzman, genannt El Chapo, wird heute seinem Richter in Brooklyn einen kühnen Antrag stellen. Das Gericht, so wird der ehemalige Herrscher des mexikanischen Sinaloa Kartells argumentieren, habe keine rechtliche Grundlage für eine Anklage und soll ihn doch bitte freilassen.

Angesichts der aktenkundigen Vergehen von El Chapo ist ein solches Ansinnen mehr als frech. Chapo hat Tausende von Menschen auf dem Gewissen, er war dafür berüchtigt, Gegnern und Rivalen die Köpfe abzuhacken oder ihnen abgetrennte Gliedmaßen in den Mund zu stopfen. Chapo hat über Jahrzehnte den Heroin- und Kokainhandel zwischen Lateinamerika und den USA kontrolliert. Zudem scheint die Beweislage gegen ihn erdrückend. Die US-Regierung verfügt über ein halbes Dutzend Kronzeugen.

Für Wunder bekannt

Der Rechtsanwalt, der sich seit einer Woche des Falles von El Chapo angenommen hat, ist allerdings für Wunder bekannt. Jeffrey Lichtman ist es vor mehr als zehn Jahren gelungen, im Prozess gegen den letzten großen Mafia-Boss von New York, John Gotti Jr., einen Freispruch zu erzielen. Nun hofft Lichtman, dass ihm mit Chapo ein ähnliches Wunder gelingt. „Ich habe Erfahrung mit Klienten, über welche die Gesellschaft bereits ein Urteil gefällt hat“, sagt Lichtman. „Ich persönlich urteile alleine aufgrund meines persönlichen Eindrucks.“

Nicht, dass Lichtman tatsächlich vor Gericht behaupten wird, El Chapo sei unschuldig. Zunächst einmal behauptet er nur, dass die Auslieferung von Mexiko an die USA unrechtmäßig war. Die Auslieferung aus Mexiko, wo El Chapo zwei Mal aus dem Gefängnis ausgebrochen war, kam zwei Tage nach seiner Verhaftung im Januar dieses Jahres. Viele Jahre lang hatte sich Mexiko geweigert, Chapo an die US-Justiz zu überstellen. Doch bei seiner dritten Verhaftung, wollte sich Mexiko die Peinlichkeit eines weiteren Ausbruchs ersparen. 

Lichtman hat aber noch weitere Argumente in seinem Arsenal – die Haftbedingungen. Guzman wird in Isolationshaft gehalten, ohne Tageslicht. Der Anwalt darf keinen direkten Kontakt mit seinem Mandanten haben, er muss jedes Blatt Papier einzeln an eine Scheibe halten. 

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