Ansturm auf Trumps exklusiven Club Mar-a-Lago

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Präsident Donald Trump nennt Mar-a-Lago in Florida sein „Winter-Weißes Haus”. Manche vergleichen das pinkfarbene Schlösschen mit 126 Zimmern und einem Terrain von acht Hektar mit Camp David. Auf dem Marine-Stützpunkt befindet sich auch ein Landsitz, den US-Präsidenten in der Vergangenheit oft für Treffen mit wichtigen Politikern anderer Nationen benutzt haben. Es gibt aber einen Unterschied: „Man kann sich keine Mitgliedschaft in Camp David kaufen“, sagt Jack McDonald, ein früheres Mitglied in Trumps Country Club Mar-a-Lago. „Ich kenne keinen anderen Präsidenten, dem du in einem Privatclub begegnen kannst, wo er ziemlich oft anzutreffen ist.“

Trump fliegt fast jedes Wochenende in seinen Club in Südflorida an der Atlantikküste, den er 1985 gekauft hat. Das ist teuer für den amerikanischen Steuerzahler:  Der Transport des Präsidenten, seiner Familie und seines Teams, die Straßenabsperrungen und zusätzlichen Sicherheitsmaßnahmen kosten rund 3 Millionen Dollar (2,8 Millionen Euro) – pro Ausflug.

Clubmanager Bernd Lembcke gibt zu, dass der Präsident eine Attraktion ist. „Die Leute sind jetzt noch mehr daran interessiert, Mitglied zu werden. Aber wir überprüfen jeden sorgfältig.“ Der Andrang ist groß, denn die Zahl der Mitglieder ist auf 500 begrenzt. Darunter sind nach Recherchen der „New York Times“ mächtige Wall-Street-Finanz-Chefs, Industrie-Bosse, Bauunternehmer und Politiker.

Die Mitgliedschaft im Mar-a-Lago ist kürzlich teurer geworden: die Aufnahmegebühr stieg von 25.000 auf 200.000 Dollar. Hinzu kommen laut dem Sender CNBC 14.000 Dollar Mitgliedsbeitrag im Jahr. Für diese Summe können sich die Mitglieder mit etwas Glück einen Platz beim Dinner mit dem Präsidenten erkaufen und nebenher noch einige Annehmlichkeiten genießen: feines Essen, den Pool, einen Spa-Bereich, edle Suiten, Fitness-Center, Tennisplätze . . . Die Preisanhebung ist nach Angaben des Clubmanagers übrigens schon vor Trumps Wahl geplant gewesen.

Während sich der Clubmanager über die neue Attraktion freut, ist Jonathan Miller erbost. Der Besitzer der Stella Aviation Group betreibt den Flugplatz Palm Beach. Dort landet Trumps Flugzeug. Und dann schließt der Secret Service kurzerhand den ganzen Flugplatz. „Wir hätten uns nie träumen lassen, dass er wirklich jedes Wochenende herkommt“, sagt Miller. „Das ist tödlich. Ich verliere Kunden, die seit Jahren bei mir waren und die jetzt ihre Flugzeuge auf einen anderen Platz verlegen.“

Action beim Dinner

Der Club versucht, aus seiner neuen Attraktion möglichst viel herauszuholen. Und diese bietet den Gästen schon gelegentlich etwas. Als im Februar der japanische Premier Shinzo Abe Trumps Gast in Mar-a-Lago war, kam während des Abendessens mit anderen Clubmitgliedern die Nachricht vom Start einer nordkoreanischen Rakete. „Holy Moly!!! War das faszinierend, diese plötzliche Hektik beim Dinner zu sehen“, jubelte Richard DeAgazio auf seiner Facebook-Seite. Der 72-Jährige aus Boston ist Mitglied im Mar-a-Lago. Er schrieb weiter: „Die beiden Weltpolitiker konferierten und gingen dann in einen anderen Raum, wo rasch eine Pressekonferenz arrangiert wurde. Wow . . . das ist Action.“

Kritiker bemängeln, dass Trump sich nach dieser Meldung nicht in einen Raum zurückgezogen hat, wo ihn ein potentieller Spion nicht hätte beobachten können. „Es gibt keine Entschuldigung dafür, eine internationale Krise vor einer Handvoll Clubmitgliedern wie ein Dinner-Theater abspielen zu lassen“, twitterte die Demokratin im Kongress, Nancy Pelosi.

Seitens der Clubmitglieder gibt es bisher keine Beschwerden über Trump. Abgesehen davon, dass sie jetzt ihren Platz beim Dinner mit dem Präsidenten sehr lange im Voraus reservieren müssen.

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