Anne Will kehrt zurück

Die ARD hat schnell entschieden: Nachdem Günther Jauch den Polittalk am Sonntag nach dem "Tatort" abgibt, soll 2016 Anne Will wieder ran. Sie hatte diesen Job schon in den Jahren 2007 bis 2011 gemacht. Mit einem Kommentar von Sven Kaufmann: Nicht gerade innovativ.

|
Anne Will ist künftig wieder die ARD-Vorzeigefrau am Sonntagabend.  Foto: 

Die ARD hat Spekulationen um die Nachfolge von Günther Jauch (58) beendet. Vier Tage nach Jauchs Ankündigung, sich Ende 2015 vom Vorzeige-Sendeplatz am Sonntagabend zu verabschieden, sprachen sich die ARD-Intendanten für seine Vorgängerin Anne Will (49) als Nachfolgerin aus. Sie hatte bereits von 2007 bis 2011 den Top-Talk-Platz um 21.45 Uhr mit ihrem Polittalk bestritten.

Zusammen mit der Personalentscheidung für die erfahrene Abendtalkerin, die gegenwärtig immer mittwochs um 21.45 Uhr auf dem Bildschirm zu sehen ist, stellte die ARD eine weitere wichtige Weiche: Ab 2016 wird die Zahl der wöchentlichen Talks von vier auf drei reduziert. Künftig sind nach "Anne Will" nur noch "Hart aber fair" am Montag mit Frank Plasberg und "Menschen bei Maischberger" am Dienstag mit Sandra Maischberger im Programm.

Die ARD war vor rund vier Jahren wegen ihrer Programmpolitik von Kritikern ins Visier genommen worden. Zu viele Talks, zu viele Themenüberschneidungen, immer wieder die selben Gäste lauteten einige der Vorwürfe. Auch die ARD-internen Gremien beschwerten sich über die Talkfülle. Das Klima besserte sich erst, als der quotenschwache Reinhold Beckmann im vergangenen Oktober zurücktrat. Mit jetzt drei Talks dürfte die ARD das rechte Maß gefunden haben.

Offen bleibt die weitere Ausrichtung des ARD-Programms auf dem frei werdenden Sendeplatz am Mittwoch. Vorstellbar ist, dass mehr Dokus gesendet werden, um einer jüngst entbrannten Diskussion den Wind aus den Segeln zu nehmen. Die AG Dok, der Zusammenschluss deutscher Dokumentarfilmer, hatte der ARD Geldverschwendung in Millionen-Höhe im Zuge der vorzeitigen Beendigung von Thomas Gottschalks Vorabendtalk vorgeworfen. Zumindest an dieser Front dürfte es ruhiger werden, sollten mehr Aufträge in die Doku-Szene wandern.

Anne Will wird sich nun wieder stärker als zuvor in den Sog von politischen Begehrlichkeiten begeben. Denn für die politischen Parteien ist es wichtig, auf dem quotenstarken Sendeplatz nach dem "Tatort" Präsenz zu bekommen. Das Gute an Will: Sie ist erfahren genug, um zu wissen, wie sie Politiker, die Parteiprogramme runterrattern wollen, in den Griff bekommt.

Sie muss sich allerdings auch an Jauchs Quoten messen lassen, der auch schon mal 6,7 Millionen Zuschauer (zum Fall Uli Hoeneß) hatte - allerdings auch nur 3,22 Millionen am vergangenen Sonntag zum Thema: "Die Welt in Unordnung - kann Politik noch Krisen lösen?".

Kommentar von Sven Kaufmann: Nicht gerade innovativ

Alte Besen kehren gut? Dass der ARD diese Erkenntnis erst vier Jahre, nachdem man Anne Will vom Sonntag- auf den Mittwochabend verbannt hat, kommt, ist schon etwas peinlich. Immerhin ist die Entscheidung, sie nun wieder ins Boot zu holen, zumindest personell nachvollziehbar.

Denn am Moderator Günther Jauch hatte es immer wieder Kritik gegeben. Er ist zwar ein Sympathieträger, zeigt aber zu wenig politischen Blick und Biss. Und dank ihrer Professionalität wird die gelernte Journalistin sicherlich die Einschaltquote des Entertainers Jauch zumindest halten.

Doch innovativ im Sinne einer modernisierten Politsendung zur Top-Sendezeit ist das Vorgehen der ARD nicht gerade. Die Borsten dieses Formats sind für viele längst abgenutzt. Vermutlich werden wir weiterhin jeden Sonntagabend die ewig gleichen Polit-Gäste sehen, die den Talk als Profilierungs-Forum nutzen. Bleibt zu hoffen, dass Anne Will es zumindest als Moderatorin besser macht.

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Züge stehen still: Fahrgäste schlecht informiert

Donnerstagmorgen hatten es Bahnreisende schwer. So mancher Fahrgast, der im Filstal in einem Zug saß, musste lange auf eine Weiterfahrt warten. Die Probleme gibt es allerdings schon länger. weiter lesen