Alltag im Löschteam von Facebook

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60 Menschen arbeiten in jedem Raum des Löschzentrums von Facebook in einem Service-Center in Berlin.  Foto: 

Die Arbeit im Facebook-Löschzentrum ist nichts für Sensible. „Das erste Enthauptungsvideo – da hab‘ ich dann ausgemacht, bin raus und hab’ erstmal ein wenig geheult“, erinnert sich eine 28-jährige Mitarbeiterin. Das sei aber ihr einziger emotionaler Ausbruch gewesen – weil man beim ersten Mal darauf unvorbereitet sei.

650 Menschen arbeiten im Mehrschicht-Betrieb im Löschzentrum. Ihre Aufgaben: Einträge sichten und löschen, die strafbar sind oder gegen Face­book-Regeln verstoßen. Sie alarmieren Facebook, wenn aus einem Beitrag hervorgeht, dass jemand sich oder anderen Schaden zufügen will. Zu den weniger belastenden Aufträgen gehört, die Echtheit von Facebook-Profilen zu prüfen.

Zuletzt hatte es kritische Medienberichte über das von der Bertelsmann-Dienstleistungstochter Arvato betriebene Zen­trum gegeben. Darin beklagten frühere Mitarbeiter, der Arbeitgeber habe sie mit den seelischen Strapazen des Jobs alleingelassen. „Ich als Teamleiter weiß ja nicht, ob jemand Betreuung braucht oder nicht“, sagt jetzt ein Mitarbeiter. Man sei angewiesen darauf, dass die Leute sich melden. Eine Kollegin stimmt ihm zu: „Gedanken lesen kann ja keiner. Und die Betreuung stand ja schon damals zur Verfügung.“

An jedem Arbeitsplatz sind jetzt Aufkleber mit Kontaktdaten von Experten für psychologische Betreuung angebracht. Das sei nicht immer so gewesen, sagt der Arvato-Manager Karsten König. Vielleicht hätte man die Angebote von Anfang an stärker in den Vordergrund rücken müssen.

Die Mitarbeiter, die jetzt unter den Augen der Sprecher von Face­book und Arvato mit Journalisten sprechen, zeigen sich verletzt von den Berichten. „Ich war richtig sauer“, sagt eine. Weil damit ein Schatten auf die Arbeit geworfen werde. „Wir retten Leben, wir versuchen, Leuten zu helfen.“

Eine Kollegin pflichtet ihr bei: „Wenn ich jemandem ersparen kann durch meine Arbeit, dass er das sehen muss, dann finde ich das sehr gut.“

Für Neuzugänge gibt es  eine Woche Orientierung, dann ein mehrwöchiges Training für bestimmte Tätigkeiten, sagt der Facebook-Manager Walter Hafner. Das Enthauptungsvideo, das die Mitarbeiterin so schockierte, hatte sie in der Orientierungsphase zu sehen bekommen. Später habe sie auch mit „High-Priority-Content“ gearbeitet – zum Beispiel Selbstverletzungen und Suizidgefahr, also Situationen, in denen schnelles Eingreifen nötig ist. „Da habe ich dann festgestellt, dass ich es nicht so gut wegstecken kann, und darum gebeten, das nicht mehr machen zu müssen.“

Die Leute, die hier arbeiten, nehmen es auf sich, menschliche Filter für dem Unrat im Internet zu sein: für Mord, Vergewaltigung, Kinderporno, Tierquälerei. „Ich persönlich hatte schon vorher nicht so viel Glauben in die Menschheit“, sagt eine Frau. „Und jetzt so gut wie gar keinen mehr.“

Im Schichtbetrieb arbeiten 650 Menschen im Facebook-Löschcenter in Berlin. 106 sind nach eigenen Angaben auf Empfehlung bisheriger Mitarbeiter eingestellt worden. In jedem Raum arbeiten 60 Mitarbeiter.

Der Arbeitgeber stellt Obst und Gemüse, es gibt Yoga als Entspannungsangebot und einen „Feelgood-Manager“, der sich um Probleme kümmern soll. dpa

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