„Tatort“-Kommissar Bienzle ist tot

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Das schwäbische Attribut „Grantler“ heftete sich Dietz-Werner Steck immer gerne ans Revers. Fast schon kokettierte er ein wenig damit, genau wie „Tatort“-Kommissar Ernst Bienzle – sein zweites Ich. Nun heißt es Abschied nehmen vom „schwäbischen Columbo“ mit Trenchcoat und Schlapphut: An Silvester ist Steck nach langer Krankheit gestorben.

Ganz losgelassen hatte ihn seine Paraderolle in der Krimiserie wohl nie: Selbst zu seinem 80. Geburtstag im Juli 2016 wurde über ihn als „ewiger Bienzle“ berichtet. Aber nach 16 Jahren (1991 bis 2007) und 25 Fällen als „Tatort“-Kommissar verwundert das kaum. Über sein TV-Image als südwestdeutscher Brummbär sah der geborene Waiblinger hinweg, bezeichnete er sich doch privat nicht als mürrisch, sondern als zuversichtlich. Steck war als Bienzle eben ein echt schwäbischer Kommissar. Seine Serien-Nachfolger „Lannert und Bootz“ (Richy Müller und Felix Klare) kritisierte er einmal, „keinen Lokalkolorit“ mehr zu haben.

Der „Tatort“-Ruhestand bedeutete für Steck noch lange nicht, die Beine hochzulegen und sich im Glanz seiner alten Rolle zu sonnen. Er arbeitete weiter, spielte in Serien wie „Ein Fall für B.A.R.Z.“, „Großstadtrevier“, „Rosenheim-Cops“ oder „Laible und Frisch“ und Filmen wie „Wiedersehen mit einem Fremden“ oder „Die Kirche bleibt im Dorf“.

Seine Schauspielausbildung hatte Werner Steck von 1959 bis 1962 an der Staatlichen Hochschule in Stuttgart absolviert. Dort entstand auch der Künstlernamen-Zusatz „Dietz-“, zu dem ihm eine Lehrerin geraten hatte. Von 1962 an war Steck Ensemble-Mitglied des Staatstheaters Stuttgart, 2002 erhielt er die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg. Mit dem Autor Felix Huby, dem Schöpfer der Romanfigur Ernst Bienzle, verband Steck eine Freundschaft.

Für den als bescheiden und bodenständig geltenden Stuttgarter spielte seine Familie zeitlebens „die Hauptrolle“, wie er einmal in einem Interview sagte. Allen voran seine Ehefrau Hanna, mit der er fast 48 Jahre lang verheiratet war. Mit Büchern hielt er sich geistig fit, mit Radfahren, Laufen und Gymnastik körperlich – bis er 2014 einen Schlaganfall erlitt und sich beim Sturz den linken Oberschenkelhalsknochen brach.

Seither lebte Steck in einem Pflegeheim bei Stuttgart. Anfang 2015 brach er sich den rechten Oberschenkelhalsknochen. Während der Behandlung in einer Klinik infizierte er sich mit Krankenhauskeimen, eine lebensbedrohliche Thrombose kam hinzu.

Doch wie seine Ehefrau Hanna im April 2015 der „Bild“-Zeitung erzählte, hat ihm eines wohl immer wieder auf die Beine geholfen: „Ich weiß, dass es ihm sehr viel bedeutet, dass seine Filme immer noch als Wiederholungen laufen und dass ihn viele Fans im Fernsehen vermissen.“

Schon damals betonte sie, man solle ihren Mann so in Erinnerung behalten, wie er damals war. Über seinen gesundheitlichen Zustand redete sie in der Öffentlichkeit nie.

Steck selbst hatte wohl immer ein bisschen Angst vor dem Sterben. In einem Interview mit der Zeitschrift „Bunte“ im Jahr 2005 räumte er ein: „Aber ich glaube, dass nach dem Tod irgendetwas weitergeht.“

Als Tatort-Kommissar Bienzle ermittelte Dietz-Werner Steck auch in Blaubeuren. Über den Blautopf sagte der Schauspieler später in einem Gespräch mit der „Zeit“: „In Gedanken bin ich weiter und weiter auf das Wasser zugegangen, bis ich dachte: Ich muss hier weg. Da starrt man in dieses Blau hinein, das kein Ende hat, wo man sich Fragen nach der Ewigkeit stellt. Ich fühlte diesen verdammten Sog.“

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