"Ich bin die Award-Tante"

Als Moderatorin diverser Preisverleihungen hat Barbara Schöneberger eine steile Karriere hingelegt. Heute moderiert die 38-Jährige die Verleihung des Musikpreises "Echo". Dabei mag sie es ganz gerne ruhig.

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Gut im Geschäft: 2011 hat Barbara Schöneberger die "Goldene Kamera" moderiert. Foto: dpa

Frau Schöneberger, Sie moderieren in diesem Jahr gemeinsam mit Ina Müller die Verleihung des Musikpreises "Echo". Welche Musik hören Sie denn privat?

BARBARA SCHÖNEBERGER: Zur Zeit finde ich Lana Del Rey sehr cool. Aber ich liebe eigentlich jede Art von Musik, die melodiös ist, also ich bin kein Techno-Fan. Ich gehe auch viel lieber in die Oper und zu den Berliner Philharmonikern als in irgendwelche angesagten Clubs. Klassische Konzerte bevorzuge ich schon deshalb, weil ich gerne einigermaßen bequem sitze, wenn ich Musik höre. Mit Stehplätzen habe ich es nicht so.

Und bei welchen Gelegenheiten hören Sie sonst Musik?

SCHÖNEBERGER: Ich höre Radio im Bad, da singe ich dann gerne mit, auch wenn ich oft den Text nicht kann. Tagsüber habe ich es ansonsten gerne ruhig zu Hause. Ich leide etwas darunter, dass wir immer und überall mit Musik berieselt werden - sobald man ins Flugzeug oder ins Taxi steigt, geht das Gedudel los. Da finde ich es ganz schön, wenn mal Ruhe ist.

Das Fernsehpublikum kennt Sie vor allem aus der "NDR Talk Show". Weniger bekannt ist, dass Sie eine steile Karriere als Moderatorin diverser Preisverleihungen gemacht haben. . .

SCHÖNEBERGER: Im deutschsprachigen Raum werden von Firmen und Verlagen wahnsinnig viele Preise verliehen, deshalb bin ich die Award-Tante geworden. Neulich habe ich den "Wine Award" einer Feinschmeckerzeitschrift moderiert, demnächst kommen die "Vienna Fashion Awards" und der "Rose dOr". Ich moderiere hauptsächlich außerhalb des Fernsehens, das macht 80 Prozent meiner Arbeit aus. Das Praktische an diesen Off-Air-Events: Ich kann zehnmal dasselbe Kleid anziehen, das kennt ja beim nächsten Auftritt keiner.

Haben Sie für diese Moderationen inzwischen eine Routine entwickelt?

SCHÖNEBERGER: Na klar, ich fange in der Regel morgens an, mich inhaltlich vorzubereiten. Und ich habe immer meinen Visagisten dabei, der macht mein Make-up, das ist in schlappen zwei Stunden erledigt, und ich kann auf die Bühne. Und hinterher knipse ich das Lächeln schnell wieder aus und sinke todmüde ins Hotelbett.

Lassen Sie sich Ihren Text für den "Echo" eigentlich schreiben oder machen Sie das spontan?

SCHÖNEBERGER: Es gibt für jede Sendung ein Script. Kein Sender auf der Welt würde eine Show starten, wo er nicht genau weiß, was in Minute 1, in Minute 17 und in Minute 23 gesagt wird, aber es wird immer so getan, als würden sich die Moderatoren alles selber ausdenken. Ich weiß noch, was für ein Aufschrei durch die Nation ging, als rausgefunden wurde, dass Harald Schmidt sich nicht alles in der Sendung spontan einfallen lässt, sondern dass der ja jede Menge Leute hat, die sich die Pointen für ihn überlegen.

Die Kunst des Moderators liegt darin, es trotzdem spontan aussehen zu lassen?

SCHÖNEBERGER: Das Kunststück ist es vor allem, schon vorher zu wissen, was klappen wird und was nicht. Es gibt immer wieder Vorschläge für Witzchen, Gags, lustige Ideen, die sich die Autoren ausdenken und die theoretisch gut klingen, aber ich weiß aus meiner Erfahrung heraus, dass das auf der Bühne ein totaler Rohrkrepierer wird. Viel wichtiger als gute Witze zu machen ist es, vorher die schlechten auszusortieren.

Von allen denkbaren Pannen: Welche ist Ihr größter Albtraum?

SCHÖNEBERGER: Dass die Leute das nicht lustig finden, was ich mache. Der "Echo" ist eine relativ anspruchsvolle Veranstaltung, weil du den Spagat hast zwischen einem normalen, relativ konservativen Publikum an den Fernsehern und den zum Teil betont coolen Künstlern in der Halle, die nicht unbedingt klatsch- und applausbereit sind.

Auch die "Kastelruther Spatzen" und Andrea Berg sind nominiert. Eine bunte Mischung, die es da zu moderieren gilt. . .

SCHÖNEBERGER: Über die "Kastelruther Spatzen" oder über Andrea Berg schmunzeln die lässigen Musiker, die im Saal sitzen und bis ins Gesicht hoch tätowiert sind, ja gerne mal. Aber gerade Andrea Berg ist dann diejenige, die mit der Schubkarre die Kohle nach Hause fahren kann, weil sie die Einzige ist, die noch richtig Platten verkauft. Am Ende kann sie über alle lachen. Das finde ich eigentlich ganz schön.

Info Die ARD überträgt die Verleihung des "Echo 2012" heute, ab 20.15 Uhr, live.

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