"Donnerstalk"-Moderatorin Dunja Hayali: "Sehe mich nicht als Opfer"

Die TV-Journalistin Dunja Hayali klärt auf – mit Klartext. Es bringt ihr Hassbriefe ein; sie erhält, wenn sie auf AfD- und Antifa-Demos geht, Personenschutz.

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„Jeden Tag passiert etwas, was die Menschen beschäftigt.“: Dunja Hayali.  Foto: 

Dunja Hayali (42) gehört zu Deutschlands bekanntesten Moderatorinnen: Für ihren Einsatz gegen Fremdenfeindlichkeit erhält sie immer wieder viel Beifall, Anfang des Jahres ist sie mit der Goldenen Kamera ausgezeichnet worden. Jetzt präsentiert Hayali vier neue Folgen ihres wöchentlichen TV-Magazins „Donnerstalk“ (morgen, 22.15 Uhr, ZDF). In jeder Folge geht es in Reportagen und Interviews um drei aktuelle Themen.

Frau Hayali, Sie sind dank Ihres Engagements gegen Rassismus innerhalb relativ kurzer Zeit zu einer der prominentesten TV-Journalistinnen des Landes geworden. Freuen Sie sich über Ihre große Popularität?
DUNJA HAYALI: Klar freue ich mich, wenn meine Arbeit bei den Zuschauern ankommt und das Publikum sie wertschätzt. Nur geht es in meinem Job ja nicht um Beliebtheitswerte, sondern darum, guten Journalismus abzuliefern, und das heißt: berichten, einordnen, erklären und den Finger in die Wunde legen.

Und in welche Wunden wollen Sie den Finger in der neuen Staffel von „Donnerstalk“ legen?
HAYALI: Ein Thema wird die Pflege sein. Sicherlich auch, weil ich dazu einen  persönlichen Bezug habe. Mein Vater hat Alzheimer, meine Mutter Parkinson. Deshalb weiß ich ganz gut, vor welchen Schwierigkeiten Betroffene, Angehörige und Pflegekräfte stehen. Wir wollen Richtungen aufzeigen, Diskrepanzen aufdecken, Denkanstöße geben. Das fanden viele Zuschauer bei der ersten Staffel gut. Auch deshalb bleiben wir unserer Idee treu und werden drei Themen pro Sendung haben.

Gab es etwas, womit Sie in der ersten Staffel nicht zufrieden waren?
HAYALI: Wir hatten das Problem, dass viele, die in die Sendung kommen wollten, vom Bürger bis zum Top-Politiker, über den Sommer hinweg im Urlaub waren. Deshalb machen ja auch alle anderen Talker in diesen Wochen Pause. Thematisch allerdings gibt es doch inzwischen gar kein Sommerloch mehr. Jeden Tag passiert etwas, was die Menschen beschäftigt.

Ihre Sendung „Donnerstalk“ läuft in der Sommerpause von „Maybrit Illner“ vier Mal, danach ist wieder Schluss. Wäre eine  ganzjährige Sendung nicht reizvoll für Sie?
HAYALI: Ich betrachte es als Anerkennung von Seiten des ZDF, dass ich den „Donnerstalk“ moderiere. Es macht mir Spaß, so vielseitig für den Sender unterwegs zu sein. Neben dem „Morgenmagazin“ werde ich weiterhin Reportagen und Dokumentationen drehen, wie jetzt gerade über Sexismus. Das Rausgehen aus dem Studio, die Kommunikation mit den Menschen vor Ort, das bereichert meine Arbeit, weitet meinen Blick – in Kombination mit der Moderation ist das perfekt.

Inmitten der Glaubwürdigkeitskrise der Medien stehen Sie für glaubwürdigen Journalismus. Was machen Sie anders als die anderen?
HAYALI:  Die Transparenz und der direkte Zugang auf Facebook, bei Twitter und in Emails waren da sicherlich ein wichtiger Schritt. Die Menschen haben nun mal viele Fragen an uns Journalisten. Dabei geht es um Inhaltliches, aber auch ums Handwerk wie etwa Abläufe, Themenfindung, Interviewführung. Ich gestehe auch ein, wenn wir Fehler gemacht haben, oder wenn ich persönlich mal kein gutes Interview geführt habe. Schonungslose Ehrlichkeit fängt bei einem selber an.

Wächst Ihnen die Flut von Anfragen, etwa bei Facebook, nicht über den Kopf?
HAYALI: Es sprengt mittlerweile wirklich mein Zeitpensum. Das ist für Menschen, die auf Antwort von mir warten, vielleicht nicht immer ganz nachvollziehbar, aber ich verbringe bereits täglich mehrere Stunden mit Facebook, Twitter und Co., zusätzlich zu meinem regulären Job beim Moma. Und der hat, das muss klar sein, Priorität. Für den „Donnerstalk“ gibt es aber nun ein kleines Social-Media-Team, das hilft, Anfragen zu beantworten. Aber wo Hayali drauf steht, ist auch weiterhin Hayali drin. Es wird klar sein, wer die Antwort verfasst hat. Das gehört zur Transparenz dazu.

Neulich sorgten Sie für Aufsehen, als Sie einen beleidigenden Brief öffentlich machten und sachlich korrigierten. Wie viele solcher Zuschriften bekommen Sie täglich?
HAYALI: Wäre es nicht die interessantere Frage, wie viele positive Zuschriften ich bekomme? Wir alle legen den Fokus viel zu sehr auf das Negative. Natürlich müssen wir solche Dinge publik machen. Aber 90 Prozent des Feedbacks, das ich bekomme, sind konstruktiv und respektvoll – das fällt zu sehr unter den Tisch. Wir als Gesellschaft müssen da aufpassen. Die Stimmung ist in Teilen sehr negativ, und das hängt auch damit zusammen, dass wir immer über das berichten, was nicht läuft, was scheitert.

Dann machen Ihnen all die Hassmails gar keine Angst?
HAYALI: Sie sehen mich kämpferisch, immer noch mit offenem Visier und frohen Mutes. Ich betrachte mich nicht als Opfer. Aber ich frage mich natürlich schon: Was macht dieser Hass mit uns?

Die Frage ist doch: Was macht er mit Ihnen?
HAYALI:  Er hat Einfluss auf mein Leben, das ist ganz klar:  Ich gucke auf der Straße bewusster hin, wer mir entgegenkommt, und das ist keine gute Entwicklung. Ich finde es auch befremdlich, dass ich Personenschutz brauche, wenn ich zu ei- ner AfD-Demo oder zu einer Antifa-Demo gehe. Journalisten müssen sich in diesem Land, in dem die Meinungs- und die Pressefreiheit ein hohes Gut sind, frei bewegen können, ohne angegriffen zu werden.

Die beliebteste Frühstücksmoderatorin

Privates Dunja Hayali ist 1974 im nordrhein-westfälischen Datteln zur Welt gekommen. Ihre Eltern waren christliche Einwanderer aus dem Irak. Die sportbegeisterte Fernsehjournalistin, die in ihrer Jugend unter anderem Judo und Tennis praktizierte, studierte an der Deutschen Sporthochschule Medien- und Kommunikationswissenschaften. Hayali, die ein erfolgreiches Buch über ihr Leben mit ihrer Golden-Retriever-Hündin veröffentlich hat, wohnt in Berlin. Ihre großen Tattoos auf dem rechten Arm und dem Rücken hält sie stets bedeckt.

Berufliches Hayali hat als Sportreporterin gearbeitet, unter anderem in der Deutschen Welle, Radio Köln und für tv.nrw. Sie ging schließlich zum ZDF, wo sie die „heute“-Nachrichten und das „heute-journal“ moderierte, zumeist mit Steffen Seibert. Seit 2007 präsentiert die 42-Jährige im Wechsel mit anderen TV-Kollegen das „Morgenmagazin“, in einer Umfrage schnitt sie als beliebteste Frühstücksmoderatorin der Deutschen ab, gelegentlich moderiert sie Veranstaltungen. Im Oktober erhält sie den Robert-Geisendörfer-Medienpreis der Evangelischen Kirche. ski

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