"Das Böse macht mehr Spaß"

Als "Tatort"-Kommissar ist er mittlerweile außer Dienst, aber arbeitslos ist Maximilian Brückner deshalb noch lange nicht. Der Schauspieler über seinen Erfolg, bayerischen Dialekt und erste Regie-Erfahrungen.

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Immer dieselbe Rolle zu spielen, findet Maximilian Brückner langweilig.

Sie sagten einmal, dass Ihnen die Figur des "Tatort"-Kommissars Franz Kappl nicht allzu sympathisch war. Sind Sie froh, dass es jetzt rum ist?

MAXIMILIAN BRÜCKNER: So, wie die Sache am Ende gelaufen ist, ja. Aber nicht wegen der Rolle. Der Kappl war für mich eine Herausforderung, weil er ein ganz anderer Typ ist als ich, aber genau deshalb habe ich ihn sehr gern gespielt. Außerdem habe ich mich im Saarland total wohl gefühlt. Sehr ärgerlich war die Art und Weise, wie das Aus beschlossen und mitgeteilt wurde.

Von den sieben "Tatort"-Folgen einmal abgesehen, treten Sie in sehr unterschiedlichen Rollen auf. Absicht?

BRÜCKNER: Ich achte da schon drauf. Dreimal dieselbe Rolle, das langweilt mich. Ich verändere auch gern mein Aussehen. Braun gefärbte Haare bei "Kirschblüten Hanami", Vokuhila im neuen Film "Was weg ist, ist weg" oder lange Haare in "Die Route" - Verwandlungen machen mir echt Spaß.

Dabei spielen Sie des öfteren nicht die Hauptfigur. Stört Sie das nicht?

BRÜCKNER: Nein. Eine tolle Nebenrolle ist mir lieber als eine schlechte Hauptrolle. Aber ich genieße mittlerweile den Luxus, auswählen zu können. Ich lese ein Drehbuch, schau, ob ich mit dem Regisseur was anfangen kann und wer noch mitspielt. Wenn alles passt - wunderbar.

Vor ein paar Jahren wurden Sie als deutscher Shooting Star ausgezeichnet. Gab es einen konkreten Anlass?

BRÜCKNER: Nicht, dass ich wüsste, denn damals hatte ich keinen großen Film am Laufen. Es muss wohl die Masse der Dinge gewesen sein, die ich bis dahin gemacht hatte. Eine Riesenehre, über die ich mich unglaublich gefreut habe. Erfahren habe ich davon übrigens in Rio de Janeiro. Dort waren wir vom Münchner Volkstheater mit dem "Brandner Kaspar" auf Gastspielreise.

Bayerisch in Brasilien?

BRÜCKNER: Ja, auch wenn es verrückt klingt. In Brasilien leben viele Deutsche. Als Hilfestellung gab es aber Untertitel auf Portugiesisch.

Wie wichtig ist der Dialekt für Sie?

BRÜCKNER: Bayerisch ist meine Muttersprache. Ich lebe in Bayern und bin sehr heimatverbunden. Mit meinen Brüdern baue ich dort gerade einen alten Bauernhof um.

Auch in Ihrem neuen Kinofilm "Was weg ist, ist weg", der bald anläuft, geht es sehr bayerisch zu - ähnlich wie in "Wer früher stirbt, ist länger tot". Bremst das nicht die Erfolgsaussichten?

BRÜCKNER: Meiner Ansicht nach ist es gefährlicher, allen gefallen zu wollen. Dann wird das Ganze nämlich beliebig. Wenn man aus diesen Filmen den Dialekt rausnimmt, sind sie nicht mehr authentisch. Das spürt jeder, ob Bayer oder nicht. Und "Wer früher stirbt, ist länger tot" war ja auch über die bayerischen Grenzen hinaus erfolgreich.

Theater oder Film - wofür schlägt Ihr Herz?

BRÜCKNER: Mir bedeutet beides gleich viel, obwohl es sehr verschiedene Medien sind. Das Tolle am Theater ist der direkte Moment. Du erzählst eine Geschichte vom Anfang bis zum Ende, hast die Zuschauer unmittelbar vor dir und kriegst auch sofort eine Reaktion - Applaus oder Kritik. Beim Film wiederum kann man die Nuancen deutlicher herausarbeiten, das hat auch seinen Reiz.

Gibt es Rollen, die Sie ablehnen?

BRÜCKNER: Nein, höchstens schlechte, also solche, die schlecht oder dumm geschrieben sind. Was den Typus oder Charakter angeht, habe ich keinerlei Vorbehalte.

Sind Ihnen denn die sympathischen oder die bösen Figuren lieber?

BRÜCKNER: Einem Schauspieler macht das Böse immer a bisserl mehr Spaß. Aber wie gesagt, es kommt auf die Rolle an.

Wollten Sie schon immer Schauspieler werden?

BRÜCKNER: Eigentlich war mein Berufsziel Arzt. Darauf habe ich mich schon als Zivi bei den Maltesern vorbereitet. Aber dann habe ich mich doch an der Schauspielschule beworben und wurde glatt genommen. Wer weiß, vielleicht ein Glück für die Patienten . . .

Vielleicht auch ein Glück für die Film- und Theaterwelt. Was steht denn dieses Jahr noch an?

BRÜCKNER: Im Moment sammle ich gerade erste Erfahrungen als Regisseur am Volkstheater mit "Magdalena" von Ludwig Thoma. Ich hoffe, das Stück ordentlich auf die Bühne zu bekommen, ohne von den Kritikern zerfetzt zu werden. Im Juni drehe ich einen Kinofilm, und für den Herbst ist ein Film mit Gerhard Polt in Planung. Seit drei Jahren reden wir darüber und jetzt scheint es endlich zu klappen. Mit dabei sind Gisela Schneeberger und Josef Hader, und ich habe die Ehre, in dieser großen Riege mitzuspielen. Da freue ich mich jetzt schon wahnsinnig drauf.

Wie ist die Arbeit als Regisseur?

BRÜCKNER: Wahnsinnig aufregend. Da musst du auf einmal führen, deine Ideen umsetzen, die Schauspieler dahin kriegen, wo du sie haben willst. Das ist nicht einfach, denn jeder funktioniert anders. Man hat jüngere und ältere dabei, manche mit enorm viel Kraft und andere, die schwächer sind. Sie alle unter einen Hut zu bekommen und allen gerecht zu werden, ist schon eine Herausforderung. Da lerne ich auch viel über mich. Eine tolle Erfahrung, anstrengend, aber eine Riesenchance.

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