"Buhlschaft" erobert Salzburg mit laszivem Charme

|
Vorherige Inhalte
  • Zum Anbeißen, die Frau: Cornelius Obonya und Miriam Fussenegger in Salzburg. Foto: Andras Schaad 1/8
    Zum Anbeißen, die Frau: Cornelius Obonya und Miriam Fussenegger in Salzburg. Foto: Andras Schaad
  • Mit laszivem Charme: Miriam Fussenegger als 'Buhlschaft' in Salzburg. Foto: Andreas Schaad 2/8
    Mit laszivem Charme: Miriam Fussenegger als 'Buhlschaft' in Salzburg. Foto: Andreas Schaad
  • Cornelius Obonya (l.) als "Jedermann" und Peter Lohmeyer als "Tod" n Salzburg. Foto: Andreas Schaad 3/8
    Cornelius Obonya (l.) als "Jedermann" und Peter Lohmeyer als "Tod" n Salzburg. Foto: Andreas Schaad
  • Ein teuflischer Christoph Franken (r.) spielt das Lied vom Tod beim "Jedermann". Foto: Andreas Schaad 4/8
    Ein teuflischer Christoph Franken (r.) spielt das Lied vom Tod beim "Jedermann". Foto: Andreas Schaad
  • Cornelius Obonya (l) als Jedermann und Julia Gschnitzer als Jedermann's Mutter. Foto: Andreas Schaad 5/8
    Cornelius Obonya (l) als Jedermann und Julia Gschnitzer als Jedermann's Mutter. Foto: Andreas Schaad
  • Miriam Fussenegger (l.) wickelt den Jedermann (Cornelius Obonya) (R) um den kleinen Finger, Foto: Andreas Schaad 6/8
    Miriam Fussenegger (l.) wickelt den Jedermann (Cornelius Obonya) (R) um den kleinen Finger, Foto: Andreas Schaad
  • Das kleine Gespenst: Peter Lohmeyer (r.) als "Tod" erschreckt den "Jedermann" (Cornelius Obonya) Foto: Andreas Schaad 7/8
    Das kleine Gespenst: Peter Lohmeyer (r.) als "Tod" erschreckt den "Jedermann" (Cornelius Obonya) Foto: Andreas Schaad
  • Buhlschaft mit Fahhrad beim Salzburger "Jedermann". Foto: Andreas Schaad 8/8
    Buhlschaft mit Fahhrad beim Salzburger "Jedermann". Foto: Andreas Schaad
Nächste Inhalte

Obwohl sie nur kurze fünfzig Textzeilen zu sprechen hat, sind bei der Premiere des Salzburger "Jedermann" am Samstagabend im Großen Festspielhaus alle Augen auf diese junge Frau gerichtet. Und sie absolviert ihren Auftritt mit Bravour, auch wenn man am Anfang eine Spur von Befangenheit zu bemerken glaubte.

Doch dann dreht sie auf im schulterfreien roten Kleid mit dem Glitzergürtel und umgarnt ihren "Jedermann" mit mädchenhaftem, etwas laszivem Charme: Miriam Fussenegger, die 25-jährige Linzerin, hat als neue "Buhlschaft" die Festspielstadt im Sturm erobert.

Wegen eines heftigen Gewitterregens musste die "Jedermann"-Premiere zum Auftakt der Salzburger Festspiele, wie schon im vergangenen Jahr, vom Domplatz ins Große Festspielhaus verlegt werden. Das geht natürlich auf Kosten der Atmosphäre. Doch die mit Puppenspiel, Märchenhaftem und Tanz angereicherte, etwas Revue-mäßige "Jedermann"-Deutung des Briten Julian Crouch und des US-Amerikaners Brian Mertes aus dem Jahre 2013 ist auch ohne echtes Domgeläut und "Jedermann"-Rufe von der Festung Hohensalzburg sehr unterhaltsam und zuweilen auch anrührend. So war der Erfolg programmiert. Das Publikum applaudierte begeistert.

An Statur gewonnen hat Cornelius Obonya als egozentrischer, rücksichtsloser Geldsack, der unversehens "die Reis" ins Jenseits antreten muss und sich schwer tut, unter all seinen Verwandten und falschen Freunden Fürsprecher zu finden, die ihm vor dem Thron des Allmächtigen beistehen. Er ist ein sehr heutiger "Jedermann", der am Ende wohl wirklich in sich geht und bereut, was er den Menschen angetan hat. Doch die Bekehrung zum Glauben will man ihm nicht recht abnehmen.

Miriam Fussenegger hatte vergangenes Jahr ihren ersten Salzburger Auftritt als Lucy Brown in der nach fast einhelliger Kritikermeinung völlig verunglückten Salzburger Neuinszenierung von Bertolt Brechts "Dreigroschenoper". Mit der Rolle empfahl sie sich bei Sven-Eric Bechtolf, dem Schauspieldirektor und künstlerischen Leiter der Festspiele, als neue "Buhlschaft". Sie ist eine der jüngsten Buhlschaften aller Zeiten und Nachfolgerin von Berühmtheiten wie Maria Schell, Senta Berger oder Veronica Ferres.

Dass die junge Linzerin, Absolventin des berühmten Max Reinhard Seminars, Lampenfieber hatte, ist anzunehmen. Doch sie überspielte ihre Unsicherheit geschickt und umradelte ihren "Jedermann" unfallfrei auf dem Vintage-Fahrrad - ein Regieeinfall, der zum Markenzeichen der aktuellen "Jedermann"-Inszenierung wurde. Neu besetzt war auch die Rolle des "Mammon" - mit keinem Geringeren als David Bennent, der 1979 als Oskar Matzerath in Volker Schlöndofrfs Verfilmung der "Blechtrommel" von Günther Grass debütiert und Weltruhm erlangt hatte. Der kleinwüchsige, sehr stilisiert spielende Mime mit seiner etwas merkwürdigen Fistelstimme fügte sich gut in die surreale Atmosphäre des Mysterienspiels.

Dagegen wirkte Christoph Franken als tollpatschiger Teufel, dem der "Jedermann" dank dessen später Bekehrung durch die Lappen geht, merkwürdig gehemmt, der übliche Szenenapplaus für diese überaus dankbare Nummer fiel schütter aus. 2007 hatte Sven-Eric Bechtolf in der Doppelrolle als "Guter Gesell/Teufel" das Publikum zu Jubelstürmen animiert. In diesem Jahr kann man den scheidenden Interims-Chef der Festspiele als Doktor in Thomas Bernhards "Der Ignorant und der Wahnsinnige" erleben.  

Am Donnerstag beginnt das Opernprogramm der Salzburger Festspiele mit der Uraufführung der neuen Oper "The Exterminating Angel" des britischen Komponisten Thomas Adès. Die Festspiele dauern bis Ende August und zeigen 192 Aufführungen der Sparten Oper, Schauspiel und Konzert an 14 Spielstätten. 

Abonnieren Sie das kostenlose Morning-Briefing aus der Chefredaktion
Damit starten Sie top informiert in den Tag. Außerdem im Newsletter: Die Wettervorhersage und die aktuelle Verkehrslage in der Region.
» zur Registrierung

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Ich bin damit einverstanden, dass die Neue Pressegesellschaft mbH & Co. KG und ihre Tochterunternehmen mich schriftlich (per E-Mail oder Brief) oder telefonisch über ihre Medienangebote und kostenlose Veranstaltungen informieren dürfen. Meine Daten dürfen zu diesem Zweck gemäß den Bestimmungen des BDSG gespeichert, verarbeitet und genutzt werden. Die Einwilligung kann ich jederzeit widerrufen.
Ich bin mit den Datenschutzbestimmungen einverstanden. *

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

neu laden
Content Management by InterRed GmbH Logo
weiter zur Startseite

Tödlicher Motorradunfall: Gaffer meldet sich bei Polizei

Ein 27-jähriger Heidenheimer gibt zu, verunglückten Motorradfahrer gefilmt zu haben. Sein Handy wurde von der Polizei beschlagnahmt. weiter lesen