„Boybands Forever“: Kreischen, Singen, Spaß haben

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Die 90er Jahre wurden wieder lebendig. Foto: Felix Hörhager  Foto: 

Gehören Sie zu den Leuten, die bei diesen Liedzeilen sofort wissen, wie es weitergeht? „Relight my fire“ oder „I'll never break your heart“.

Wenn ja, sind Ihnen auch Bands wie Take That, Backstreet Boys oder New Kids on the Block ein Begriff. Alles Boybands, die in den Neunzigern für Kreischalarm sorgten, vor allem bei jungen Mädchen.

Wer gerne mal wieder abfeiern will, wie damals, der ist im Deutschen Theater in München gut aufgehoben. Dort wurde am Mittwochabend das Musical „Boybands Forever“ von Thomas Hermanns uraufgeführt. Bissig, ironisch, aber auch liebevoll und sehr unterhaltsam analysiert das Stück die Mechanismen, nach denen Bands wie Take That oder New Kids on the Block von kühl kalkulierenden Managern kreiert wurden.

Eine mitreißende Show mit vielen bekannten Songs von Boyzone bis One Direction, die noch bis Mitte Oktober in München gezeigt wird und Anfang 2018 auf Deutschlandtournee geht. Es dauert keine fünf Minuten, bis das Premierenpublikum mitfiebert, angeheizt von Comedian Ole Lehmann, der als Moderator durch das Musical führt. „Ein Abend, an dem wir ohne schlechtes Gewissen das abfeiern können, was wir insgeheim lieben! Boybands Forever!“, ruft er und der ganze Saal jubelt. „Es dürfen auch Stofftiere geworfen werden!“

Fünf Prototypen gibt es in jeder Boyband, lernt man: „Sunshine Joe“ (Josh Randall), Typ Schwiegersohn. „Mit ihm würde jede Mutter bedenkenlos ihre Tochter ausgehen lassen“, ruft Lehmann. Dann der Junge mit dem besten Körper, „Fitboy Rik“ (Christopher Haul), Typ Bruder, „aber den Hintern einer römischen Statue“. Der niedliche, unschuldig-zuckersüße „Sweetheart Sascha“ (Robbie Culley), „Fans mit Diabetes dürfen ihn nicht mal ansehen“. Und natürlich „Bad Boy Lucian“ (David Lei Brandt) vom Stile eines Robbie Williams zu seinen wildesten Zeiten. Verwegen, gefährlich und gerne zugedröhnt. Ganz anders als „Der Fünfte“ (Hector Mitchell-Turner), bei dem alle immer fragen, „Wie hieß der nochmal?“.

Es ist schwer, zu entscheiden, was das Beste ist an diesem Abend. Die Songs, bei denen der ganze Saal aufsteht, tanzt, singt und klatscht. Die fünf Musiker mit ihrem durchgestylten Aussehen und ihren sorgsam choreographierten Tanzbewegungen, die sie verblüffend authentisch einstudiert haben. Oder Lehmann, der sein komödiantisches Talent voll einsetzt, herrliche Sprüche abliefert und mit viel Herzblut durch die Welt der Boybands führt, vom Casting über die ausverkauften Konzerte bis zur Auflösung.

Man erfährt auch, wie Musikvideos gedreht und Profifotos geschossen wurden - am besten mit viel Wasser. Poster mit schmachtenden Blicken und regennassen, muskulösen Jungmännerkörpern, wie sie unzählige Mädchenzimmer zierten. Bei so viel Testosteron kein Wunder, dass es auch um Sex-Appeal geht, insbesondere um Homosexualität, die man als Boyband-Sänger bloß nicht öffentlich machen durfte - auch wenn es viele Schwule gab, Manager ebenso wie Sänger. Bei „Boybands Forever“ macht niemand einen Hehl daraus, vor allem nicht Lehmann, der immer wieder damit kokettiert, wie sehr ihn die fünf gecasteten Jungs in Verzückung versetzen.

Zwei Stunden lang singen alle lauthals mit. Ohne Hemmungen, denn der Saal ist voller Gleichgesinnter. Den ohrenzerfetztenden Kreischpegel wie in den Neunzigern schaffen sie jedoch nicht. Den blendet Lehmann zwischendurch sekundenlang vom Band ein. Schreie, „die eigentlich nur Boyband-Fans hören konnten oder Fledermäuse“.

Bei der Premiere in München dauert das Vergnügen sogar drei Stunden - garniert mit einem Auftritt der wiedervereinigten Boyband Caught in the Act beim Finale und mehreren Zugaben. „Vielleicht ist doch die große Ära der Boybands vorbei“, mutmaßt Lehmann im Laufe des Abends, nachdem alle in „Back for good“ von Take That geschwelgt haben. Die Antwort aus dem Publikum ist eindeutig: „Niemals!“

Boybands Forever

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