"Bodyguards sind auch nur Menschen"

Stéphanie von Monaco ist es passiert, Heidi Klum jetzt auch: Sie haben sich in ihre Leibwächter verliebt. Wie nah ein Bodyguard seiner "Schutzperson" kommen darf, erklärt ein Ausbilder aus Potsdam.

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2010 bei der Verleihung der Golden Globes in Los Angeles: Heidi Klum und Ehemann Seal posieren, während im Hintergrund ihr Bodyguard wacht. Foto: dpa

Was sind die Regeln der Bodyguard-Akademie, wenn es um den Körperkontakt mit einem Kunden geht?

HORST POMPLUN: Nur im Ernstfall fasst man die Schutzperson an. Ernstfall heißt: Wenn die Gesundheit, das körperliche Wohl gefährdet ist. Wenn ein verrückter Fan angerannt kommt, stellt man sich einfach dazwischen. Die Akademie selbst schreibt hier relativ wenig fest vor. Mit langjährigen Kunden geht man einige Situationen auch einmal im Rollenspiel durch - wann darf man wo hinfassen -, damit es im Ernstfall nicht zu Missverständnissen kommt.

Ist es im Alltag mit einem Kunden nicht manchmal schwierig, ganz professionell zu bleiben und die nötige Distanz zu behalten ?

POMPLUN: Selbstverständlich. Als Leibwächter verbringt man sehr viel Zeit mit einem Kunden und der ganzen Familie. Da bekommt man Streit mit, Schmerz, Freude und Verzweiflung. Wenn man etwa mitbekommt, dass der Ehemann eine Kundin schlecht behandelt, da kann man auch menschliche Gefühle nicht ausschließen. Man denkt vielleicht: Mensch, die tut mir leid, die hätte jemand besseren verdient. Dann kommt es auch vor, dass die Frau, die eigentlich Kundin ist, eine Umarmung sucht. Als Leibwächter ist man ständig präsent und wird so auch zur Bezugsperson. Und wenn da eine weinende Frau auf einen zukommt, dann wird man sie nicht zur Seite schieben. Bodyguards sind auch nur Menschen.

Wägt man in einem solchen Moment die Konsequenzen ab, die so eine Situation für das berufliche Verhältnis haben könnte?

POMPLUN: Nein. Das kann man gar nicht. Dass man für jemanden Sympathie empfindet, mit dem man viel Zeit verbringt, ist ganz klar - das gilt für beide Seiten. Auch der emotionale Aspekt ist Teil der Ausbildung an der Akademie. Man muss nur bei jeder Anbahnung daran denken, dass man zu Hause vielleicht selbst noch Frau und Kinder hat

Zur Person Horst Pomplun (63) ist Chef der Internationalen Fachakademie für Sicherheit in Potsdam. Seit 40 Jahren ist er Leibwächter, seit 18 bildet er selbst Bodyguards aus.

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