"Bobbele" wird Brite

Vor 30 Jahren wurde Boris Becker zum Idol. Später hat er mit privaten Eskapaden viel von seinem Kredit in der deutschen Öffentlichkeit verspielt. Nun will er es offenbar in Großbritannien probieren.

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Boris Becker: "Wir sprechen englisch Zuhause."  Foto: 

Als Boris Becker 1985 über den Rasen von Wimbledon hechtete und das wichtigste Tennisturnier der Welt gewann, entbrannte eine große Liebe. Die Engländer schlossen den rotblonden Jungen aus Leimen in ihr Herz, als wäre er einer von ihnen. Und Becker lernte England lieben. Jetzt will er sogar britischer Staatsbürger werden.

"Am Ende werde ich mich sicher darum bemühen", sagte der 47-jährige Becker in der BBC auf die Frage, ob er Brite werden möchte. Und auf die Nachfrage des Reporters, ob das wirklich passieren werde, nickte der Deutsche und sagte: "Ja."

Wimbledon, ein bürgerlicher Stadtteil im Südwesten Londons, sei seine berufliche Heimat seit 30 Jahren und seit ein paar Jahren auch seine private. Er hat ein Haus, in dem er mit Frau Lilly und Sohn Amadeus lebt, der Kleine geht in England zur Schule. "Wir fühlen uns wohl."

Er ist dreimaliger Gewinner des Tennis-Turniers von Wimbledon und wurde von Boulevard-Blättern wegen seiner aggressiven Spielweise in beiden Ländern zu "Bumm-Bumm Boris" gemacht. "Wir lieben Wimbledon sehr, die Leute behandeln uns mit Respekt", sagte Becker, den die Deutschen früher "Bobbele" nannten.

Sein jüngster Sohn Amadeus sei in Großbritannien geboren, betonte er in dem Interview weiter. In London lebt auch Anna Ermakova (47), Beckers uneheliche Tochter, die inzwischen als Model tätig ist. Die Söhne Elias und Noah Gabriel leben bei Beckers erster Frau Barbara in den USA.

Becker könnte seine deutsche Staatsangehörigkeit unter bestimmten Bedingungen behalten, auch wenn er Brite werden sollte. Baden-Württembergs Integrationsministerin Bilkay Öney bot an, dabei behilflich zu sein: Auf Twitter schrieb die SPD-Politikerin am gestrigen Abend dem 47-Jährigen: "Lb @TheBorisBecker wenn Sie 'nen Doppelpass haben wollen, kann ich Ihnen die Beibehaltungsgenehmigung geben. Bin zuständig in @RegierungBW". Becker stammt aus Leimen bei Heidelberg.

In Deutschland war das einstige Idol zuletzt eher als Versager wahrgenommen worden: Sein Buch floppte, als Geschäftsmann agierte Becker eher unglücklich, sein Privatleben hatte er nicht im Griff. In einem Interview räumte er zuletzt ein, er habe "Schuldgefühle".

Mit England scheint er es nun ernst zu meinen. Schon einige Tage zuvor hatte Becker in einem Interview mit dem Magazin "Radio Times" mit seiner deutschen Heimat gebrochen. "Wir sprechen Englisch zuhause." Und: "Ich lebe nicht in Deutschland, weil ich dort meine Privatheit völlig verloren habe", sagte Becker und fügte hinzu: "Ich bin kein nationaler Leibeigener. Die Deutschen meinen, sie hätten einen Anspruch auf mich, dass ich ihnen gehören würde." Er fühle sich nicht entfremdet von Deutschland, aber er habe sich weiterentwickelt.

Becker kommentierte zwölf Jahre lang als Experte für die BBC das Wimbledon-Turnier. Wenn er Englisch spricht, ist sein für deutsche Ohren seltsamer Singsang in der Stimme plötzlich weg. Vor weniger als zwei Jahren hatte der einstige Tennisstar und heutige Coach des Weltranglisten-Ersten Novak Djokovic im Interview der ARD mit dem Satz Aufsehen erregt: ". . . dass ich stolz, Deutscher zu bin". Anschließend hatte Becker im Internet viel Spott für den Versprecher geerntet. So etwas prägt vermutlich auch.

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