Tod eines Jahrhundert-Stars: «Jopie» stirbt mit 108

Berlin.  Er war eine Operettenlegende. Noch im hohen Alter stand er auf der Bühne. Mit 108 Jahren ist Johannes Heesters an Heiligabend gestorben.

Johannes Heesters war eine Legende im Reich der Operette und zuletzt der wohl älteste aktive Schauspieler und Sänger der Welt. Mit seinem Tod endet eine Jahrhundert-Ära der leichten Muse im deutschsprachigen Raum. «Jopies» Markenzeichen waren Frack, Zylinder und langer weißer Seidenschal. Jetzt bleibt der Platz des Grafen Danilo Danilowitsch im Maxim's leer. Heesters, dessen Paraderolle der leichtlebige Gigolo aus Franz Lehárs Operette «Die lustige Witwe» war, starb an Heiligabend in Starnberg. Er wurde 108.

   Mit seinem Namen verbunden sind Evergreens wie «Man müsste Klavier spielen können» oder «Ich möchte jede Nacht von Ihnen träumen», vor allem aber «Heut geh' ich ins Maxim, da bin ich so intim». Mit Charme und dem «gewissen Etwas» in der Stimme bezauberte Heesters seine Fans und wurde zum umschwärmten Publikumsliebling. Die Menschen identifizierten ihn vor allem mit Casanova und mit Graf Danilo. Lehár selbst dirigierte 1940 in der Berliner Friedrichstraße zu seinem 70. Geburtstag eine Aufführung mit Heesters und sagte in der Pause: «Sie sind der beste Danilo!»

   Heesters stand fast bis zuletzt im Rampenlicht. Noch zum 107. Geburtstag sang er mit erstaunlich kräftiger Stimme wieder die Lieder seines Lebens wie «Ich knüpfte manche zarte Bande». «Warum soll ich nicht weiterspielen? Soll ich zu Hause sitzen und warten, bis man mich holt? Ich denke nicht daran, ich bleib lieber jung!» sagte der über 100-Jährige, der noch täglich Fitnessübungen machte.

   Noch 2002 ging er mit seiner Frau
Simone Rethel-Heesters, mit der er am Starnberger See lebte, auf Tournee. Kurz vor seinem 108. Geburtstag erlitt der Sänger einen Schwächeanfall und musste im Krankenhaus betreut werden.

   Der Kaufmannssohn wurde am 5. Dezember 1903 im niederländischen Amersfoort als Johan Marius Nicolaas Heesters geboren. Ursprünglich wollte er Priester werden. Als anschließend auch aus dem Bankberuf nichts wurde, versuchte er es - mit Erfolg - im Schauspielergewerbe. Nach ersten Auftritten in den großen Städten seines Heimatlandes zum Beispiel als 17-Jähriger in Amsterdam wechselte Heesters ins Operettenfach und trat 1934 erstmals an der Volksoper in Wien auf.

   Seine eigentliche Karriere aber begann 1935 in Berlin, das ihn schnell faszinierte und wo er schnell zum unwiderstehlichen Charmeur aufstieg. Ein Millionenpublikum erklärte ihn zu seinem Liebling, nicht zuletzt wegen seiner zahlreichen Filme wie «Gasparone», «Hallo Janine» und nach dem Krieg «Hochzeitsnacht im Paradies», «Die Csardasfürstin», «Im weißen Rössl», «Viktor und Viktoria» sowie «Bühne frei für Marika».

   Auch im Fernsehen war Heesters seit 1956 viel zu sehen - von «Meine Schwester und ich» bis zur Serie «Zwei Münchner in Hamburg». Unvergessen ist der Zweikampf der alternden Komödianten Heesters und
Carl-Heinz Schroth in der TV-Aufführung von Neil Simons Bühnenstück «Sonny Boys». Als greiser Casanova in Karl Gassauers «Casanova auf Schloss Dux» ging Heesters ab 1986 erfolgreich auf Tournee. 1996 feierte er Triumphe, als er mehrere Monate am Berliner Kurfürstendamm Theater spielte, in einem Stück von Curth Flatow mit dem beziehungsreichen Titel «Ein gesegnetes Alter».

   Einen Herzenswunsch konnte sich Heesters noch am Lebensende erfüllen, als er am 16. Februar 2008 seinen ersten Auftritt nach fast einem halben Jahrhundert in seiner Geburtsstadt Amersfoort hatte. Wegen seiner Karriere in Nazi-Deutschland hatten niederländische Bühnen jahrzehntelang Heesters boykottiert.

   Noch im hohen Alter setzte er sich sogar vor Gericht zur Wehr gegen Behauptungen, er sei bei seinem Besuch mit dem Ensemble des Münchner Gärtnerplatztheaters 1941 im KZ Dachau aufgetreten. Der Streit endete im April 2010 mit einem Vergleich. Bitter war für Heesters auch, als er im Frühjahr 2011 zu einem Empfang für die niederländische
Königin Beatrix im Berliner Schloss Bellevue wieder ausgeladen wurde - «aus Platzgründen», wie es offiziell hieß.

   2003 erschien die Heesters-Biografie «Der Herr im Frack. Johannes Heesters» von Jürgen Trimborn. 2006 legten Heesters und seine Frau Simone Rethel dann den opulenten Text-Bildband «Johannes Heesters - Ein Mensch und ein Jahrhundert» in Berlin vor. Seinen künstlerischen Nachlass hat Heesters der Berliner Akademie der Künste übergeben.

   «Natürlich habe ich auch Angst, dass es mal aufhört», sagte Heesters in einem dpa-Gespräch kurz vor seinem 108. Geburtstag. «Ich möchte schon, dass es noch ein bisschen länger dauern darf, das wäre natürlich sehr schön.» Und er zog das Fazit über sein langes und aufregendes Leben: «Es ist sehr schön gewesen.»

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Autor: dpa | 25.12.2011

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