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Steht der höchste Kirchturm der Welt bald in Australien?

Eine Retortenstadt an der Ostküste Australiens will den Ulmern ihren Rekord-Kirchturm streitig machen: 165 Meter hoch soll das Bauwerk in Robina werden.

SISSI STEIN-ABEL | 0 Meinungen

Vor 32 Jahren existierte Robina noch gar nicht. Es war Weideland. Die Geburtsstunde der Retortenstadt im australischen Bundesstaat Queensland, 80 Kilometer südlich von Brisbane, schlug 1980. Seither ist der 30000-Einwohner-Stadtteil von Gold Coast - keine Küste, sondern eine Stadt am Sandstrand - in die Breite und in die Höhe gewachsen. Wolkenkratzer säumen das Meeresufer, und jetzt plant die 1000 Mitglieder starke Metro Church, eine 2005 gegründete Pfingstkirche, mit Unterstützung des Bürgermeisters den nächsten Coup: den Bau des höchsten Kirchturms der Welt.

Der freilich steht seit 1890, als das gotische Münster auf 161,53 Meter aufgestockt wurde, in Deutschland, genauer: in Ulm an der Donau. Das Bauwerk im australischen Robina, das wie eine schräg fliegende Untertasse mit einem funktionslosen futuristischen Weinkaraffen-Turm aussieht, soll 165 Meter messen.

Doch jetzt hat der Stadtrat den Kirchenchef Garry McDonald und den nach Superlativen strebenden Ortsvorsteher Tom Tate, der sich nach Dream World, Sea World und Movie World eine neue Touristenattaktion wünscht, zurückgepfiffen. Das Gremium stimmte gegen den ambitionierten Plan. Laut dem Online-Portal www.goldcoast.com.au war es Tates erste Abstimmungsniederlage seit seiner Wahl im vergangenen April. Die Stadträte verlangten ein detaillierteres Konzept.

Knackpunkt ist der Standort, denn die Kathedrale soll in der so genannten Greenheart-Zone liegen, und dieses Land gehört der Stadt. Die Metro Church hat einen Grundstückstausch vorgeschlagen, der sich nur auf den ersten Blick gut liest: 99 Hektar Kirchenland für acht Hektar Stadtbesitz. Doch genau darin sehen die Stadträte keinen Nutzen für die Kommune, denn während das in einer Flutebene liegende Greenheart-Gebiet zu Höchstpreisen an Bauträger verkauft werden kann, liegt das Tauschland im Tallebudgera-Tal, einem steilen, mit Sträuchern und Regenwald überwucherten Naturschutzgebiet, das für kommerzielle Zwecke untauglich ist.

Weiterführende Ideen des Kirchenführers grenzen an Größenwahn: Das Haus der Gebete und des Heiligen Geists solle ein Versammlungsort der Sportler werden, die 2018 zu den Commonwealth-Spielen nach Gold Coast kommen. Das Bauwerk - vielleicht angelehnt an den Nationalzoo "Australia Zoo" und das "Australian Museum" - will er "Australia Cathedral" taufen - als wäre das Raumschiff mit dem himmelhohen Trichterglas die wichtigste religiöse Stätte der Nation. Die Pfingstgemeinden repräsentieren jedoch weniger als ein Prozent der Christen des Fünften Kontinents. Dass solch eine bedeutende Einrichtung, die laut Garry McDonald "kein Mensch in der Stadt übersehen kann", natürlich auch Bischofssitz wird, versteht sich wohl von selbst.

In dieser Hinsicht ist das kleine Nachbarland Neuseeland schon einen Schritt weiter. Dort ist Brian Tamaki längst Bischof der 1998 gegründeten und von 5000 auf 3000 Mitglieder geschrumpften landesweiten Pfingstgemeinde Destiny Church. Der Kultführer konzipiert derzeit eine "Heilige Stadt" für seine Jünger in Süd-Auckland. Ein Rekordkirchturm steht nicht auf dem Plan - zumal Rekorde ja nicht für die Ewigkeit sind. 2026 soll die Sagrada Familia in Barcelona - falls sie tatsächlich jemals fertig wird - 170 Meter hoch sein. Die Ulmer können also erstmal durchatmen.

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