Star Wars Film-Kritik: Es bleibt in der Familie

Es ist soweit: "Star Wars: Das Erwachen der Macht“ kommt in die deutschen Kinos. Feuilleton-Redakteur Magdi Aboul-Kheir hat den Film schon gesehen - hier seine Kritik. Mit Videos.

MAGDI ABOUL-KHEIR |
Du hast deine Haare anders, sagt Han Solo. Du hast noch immer deine alte Jacke, sagt Leia. Sie schauen sich in die Augen, der Kinozuschauer blickt in diese nicht mehr ganz jungen Gesichter, und alle erkennen, dass viel geschehen sein muss, dass viel Zeit vergangen ist. Drei Jahrzehnte nach der „Rückkehr der Jedi-Ritter“ spielt der neue „Star Wars“-Film „Das Erwachen der Macht“, gut 30 Jahre sind seitdem in Hollywood auch real vergangen.
 
Aber irgendwie hat sich doch nur wenig verändert, die Geschichten wiederholen sich, und so hat man in J. J. Abrams‘ filmischer Wiederbelebung der Saga oft das Gefühl, eine Menge davon schon mal so oder so ähnlich gesehen zu haben. Gut und Böse hauen noch immer wie die galaktischen Kesselflicker aufeinander ein, nur dass an die Stelle des finsteren Imperiums die totalitäre First Order getreten und aus der Rebellion die Resistance geworden ist.
 
Also mitten rein in des Märchens siebte Episode. Die Resistance unter Führung von Prinzessin beziehungsweise General Leia hat ihren besten Piloten, Poe Dameron, mit seinem treuen Roboter BB-8 auf den Wüstenplaneten Jakku entsendet, weil er dort Informationen über den verschollenen letzten Jedi-Meister Luke Skywalker in die Hände bekommen könnte. Doch die First Order und ihr düsterer Befehlshaber Kylo Ren, der sein Antlitz unter einer Darth-Vader-haften Maske versteckt, sind hinter ihnen her. Poe Dameron kommt an die Informationen über Luke und kann sie in letzter Sekunde BB-8 anvertrauen, bevor er gefangen genommen wird.
 
BB-8 wird bald zum Gefährten von Rey, einer jungen Frau, die ein einsames, trauriges Leben als Schrottsammlerin auf Jakku fristet und dort auf die Wiederkehr ihrer Familie wartet. Poe Dameron gelingt derweil mithilfe eines abtrünnigen Sturmtrupplers die Flucht, die beiden stürzen aber auf Jakku ab. Während Poe tot scheint, werden der Sturmtruppler, der den Namen Finn annimmt, Rey und BB-8 zu einer Schicksalsgemeinschaft. Mit den Finsterlingen der First Order auf den Fersen, gelingt es ihnen, Jakku zu verlassen: in einem altbekannten Raumschiff, das dort auf dem Schrottplatz vergammelt. Bald sind weitere gute alte Bekannte im Spiel: Die Flüchtenden treffen auf Han Solo und Chewbacca, die sich natürlich erst einmal freuen, ihr altes Schiff wiederzubekommen, bevor ihnen gleich wieder die Laserstrahlen um die Ohren zucken.
 
Ohnehin gibt es nur wenig Grund zur Freude in der fernen Galaxis, denn das Imperium, pardon, die First Order, hat mal wieder eine ultimative Waffe gebaut, einen neuen Todesstern, pardon, den Starkiller, und so läuft die Chose erneut auf einen bombigen Showdown heraus. „Star Wars“ aber wäre nicht „Star Wars“, wenn nicht auch Familienbanden und -tragödien eine Rolle spielten, verlorene Söhne und so. Kylo Ren ist der dunklen Seite der Macht verfallen und wird von einem bösen Über-Wesen namens Supreme Leader Snoke  - eine Art Mega-Imperator oder vielleicht seine Re-Inkarnation? – befehligt. Auch in Rey scheint die Macht sehr stark zu sein. Und Luke hat sich gewiss nicht nur zurückgezogen, um sich einen Obi-Wan-Bart wachsen zu lassen.
 

Mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Denn die Geheimhaltung von Disney und Lucasfilm hat sich bezahlt gemacht, in den Trailern sind sogar falsche Fährten gelegt worden, so dass sich die Geschichte trotz der zahlreichen wiederkehrenden Elemente, Anspielungen und augenzwinkernden Zitate spannend entfaltet. Nur so viel: Star-Wars-Fans werden etliche Gänsehaut-Momente erleben und eventuell auch die ein oder andere Träne verdrücken.
 
Regisseur J. J. Abrams hat „Star Wars“ einst als Elfjähriger gesehen und war fortan mit dem Virus infiziert. Er hat später eigene Popkultur-Mythen erschaffen wie die TV-Serie „Lost“, er hat die „Mission: Impossible“-Kinoreihe auf Vordermann gebracht und „Star Trek“ verjüngt. „Star Wars“ aber zeigt ihn nun zugleich als Fan wie als virtuosen Filmemacher.

Reale Bauten, praktische Effekte, nicht nur Computeranimation (aber davon gibt es schon auch reichlich):  „Das Erwachen der Macht“ bevorzugt - im Gegensatz zu den sterilen, hochglänzenden „Prequels“ - wieder den „used look“ der alten Filme: Dies ist ein Universum mit Gebrauchsspuren. Gedreht an Schauplätzen in Abu Dhabi, auf Island und der irischen Skellig Island, nicht zu vergessen die altehrwürdigen Pinewood Studios bei London, sieht der Film für Star-Wars-Fans der ersten oder zweiten Stunde allemal stimmig aus.
 
Das alles würde natürlich in einem Schwarzen Loch verschwinden, hätte Abrams nicht eine tragfähige Geschichte. Den ersten Entwurf des Drehbuch hatte Michael Arndt („Little Miss Sunshine“, „Toy Story 3“) geschrieben, dem Vernehmen nach aber den alten Charakteren zu wenig Bedeutung eingeräumt. Abrams selbst und Star-Wars-Urgestein Lawrence Kasdan (hauptverantwortlich für das beste Star-Wars-Drehbuch: „Das Imperium schlägt zurück“) nahmen sich dann der Sache an.
 
Herausgekommen ist ein Film, der oft wie eine Hommage an das Original wirkt, wenn man nicht sogar von einem aufgefrischten Remake sprechen mag. Was nicht heißt, dass nicht Erzählstränge geknüpft werden, die in den kommenden Episoden aufgenommen und fortgesponnen werden können.
 
Der Mix aus Thrill, Abenteuer, Herz und richtig viel Humor stimmt auf jeden Fall. Und Abrams gelingen einige atemberaubende Bilder und spektakuläre Sequenzen – wobei die finale Schlacht nicht unbedingt der Action-Höhepunkt ist.
 
„Das Erwachen der Macht“ will nicht weniger, als die Star-Wars-Generationen zusammenführen – die Fans, aber auch Figuren. Und das gelingt. Alte Recken und Heroen haben hier noch einmal große Auftritte, besonders Harrison Ford, der jahrzehntelang am besten gar nicht auf „Star Wars“ angesprochen wurde, hat man schon lange nicht mehr so engagiert gesehen wie hier als Han Solo. Ohne C-3PO und R2-D2 läuft die Chose auch nicht ab; in „Star Wars“ waren die Roboter schon immer die menschlichsten Wesen. Wobei es auch in der Droiden-Familie eine nächste Generation gibt: Die neue Kultfigur, der kugelnde BB-8, ist ein schon ein herzerwärmendes Kerlchen.
 
Die wahre Hauptfigur des Films ist aber Rey, und die Britin Daisy Ridley hat die Zuschauer von der ersten Einstellung an auf ihrer Seite: Sie rührt an, in ihrem Aufgeworfensein, mit ihren vielen Fragen, mit ihrem Warten auf eine Familie, die vielleicht niemals zurückkommt. John Boyega als Finn und Oscar Isaac als Poe Dameron (wer kommt auf solche Namen?) sind ebenso mit voller Sache dabei und werden zu Sympathieträgern, während Adam Driver den abgründigen Kylo Ren als psychotischen Darth-Vader-Fanboy spielt – was den Kern des Charakters treffen dürfte. Andere Figuren, die hier nur Kurzauftritte haben, werden wohl in den kommenden Episoden gewichtigere Rollen spielen, etwa die fesch-fiese Captain Phasma in ihrer chromglänzenden Uniform.
 
Und dann sind da natürlich diese Fanfaren, Schlagwerk-Attacken und schwelgerischen Streichermelodien. John Williams, der mit dem ersten Sternenkrieg-Soundtrack die Filmmusikgeschichte prägte, mittlerweile 83 Jahre alt ist und Abrams „Baby J. J.“ nennt, hat seinen klanglichen Star-Wars-Kosmos um etliche neue Themen erweitert: Darunter ist ein wunderbar warmes Thema für Rey und ein zupackender Marsch für die Resistance. Der Film badet geradezu in seinem Orchesterklang, und die Fans werden mitbaden.
 
Die Macht ist also erwacht – wenn sie denn je geschlafen hat. Fortsetzung folgt, am 26. Mai 2017.

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