Ulm/Neu-Ulm:

stark bewölkt

bewölkt
12°C/7°C

Rebeccas Peiniger vor Gericht

Die 17-jährige Rebecca wird nachts überfallen und vergewaltigt, tagelang in einer kleinen Wohnung misshandelt. Dann gelingt ihr die Flucht. Der 28-Jährige muss sich nun vor Gericht verantworten.

Überfallen, verschleppt und immer wieder missbraucht: Die 17-jährige Rebecca aus Rostock ist im vergangenen Oktober Opfer eines Verbrechens geworden, das die Hansestadt tagelang in Atem hielt. Nach vier Tagen konnte sie aus einem Fenster der Wohnung springen, in der der 28-jährige Entführer sie gefangen gehalten hatte. Polizeipräsident Thomas Laum sprach damals zwar von Erleichterung und Freude, dass Rebecca am Leben war. Angesichts des mehrfachen Missbrauchs und der Verletzungen aber könne man nicht von einem guten Ende sprechen.

Von heute an muss sich der 28-jährige Mario B. für diese Taten vor dem Landgericht Rostock verantworten. Er ist nach früheren Angaben der Staatsanwaltschaft mehrfach vorbestraft, als Jugendlicher auch wegen eines Sexualdelikts.

Laut Gericht hat Mario B. die Taten weitgehend gestanden. Sein Verteidiger wollte das nicht näher kommentieren. Er versicherte jedoch, dass am Ende des ersten Verhandlungstages einiges klarer sein werde. Mario B. wird im Einzelnen Vergewaltigung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung, Nötigung und Freiheitsberaubung vorgeworfen.

Fraglich ist, wie viele der grausamen Details der Öffentlichkeit bekannt werden. Nach Angaben des Gerichts ist es wahrscheinlich, dass die Öffentlichkeit zumindest während der Aussagen Rebeccas ausgeschlossen wird.

Der Fall hatte ganz Deutschland schockiert: Rebecca hatte in jener Oktobernacht gegen 2.30 Uhr eine Rostocker Discothek verlassen, sie wollte zu einem Freund. Allerdings verpasste sie den Bus und ging zu Fuß zum nahen Stadtteil Dierkow - durch eine teilweise menschenleere Gegend. Dort traf sie auf Mario B.

Der Polizei zufolge hat B. Rebecca mit dem Fahrrad angerempelt, sie mit einem Messer schwer an der Hand verletzt und vergewaltigt. Die junge Frau habe keine Chance gehabt, sich gegen den körperlich überlegenen Mann durchzusetzen.

Nach der Vergewaltigung hat der Entführer Rebecca in seine kleine Wohnung an einer viel befahrenen Durchgangsstraße gebracht. Dort fesselte, bedrohte, schlug und vergewaltigte er sie, teilten die Behörden mit. Fast vier Tage lang hielt er Rebecca in der abgedunkelten Wohnung in seiner Gewalt, bis ihr mit einem Sprung aus dem Fenster die Flucht gelang.

Die Polizei hatte die teils trostlose Gegend seit dem Verschwinden Rebeccas mit Hundertschaften durchsucht. Gleichzeitig wurden die einschlägig bekannten Straftäter aufgesucht. Mario Bs. Wohnung wäre nur kurze Zeit nach Rebeccas Flucht an der Reihe gewesen, versicherte damals die Polizei.

Nicht bekannt ist, wie es Rebecca nun geht - rund ein halbes Jahr nach ihrem Martyrium. Der Berliner Kriminalpsychologe Christian Lüdke hat nach der Tat gesagt, sie habe eine gute Chance, die Tat gut zu verarbeiten. Vergessen werde sie die schrecklichen Erlebnisse allerdings nie.

Nach der Entführung sind in Rostock mehrere Hilfsangebote für Rebecca initiiert worden. So sammelten lokale Medien rund 14 000 Euro und spendeten Reisen. Die Stadt Rostock reagierte, indem sie ein Jugendtaxi einrichtete. Allerdings ist ihr dafür im Februar das Geld ausgegangen, derzeit wird nach Möglichkeiten gesucht, wie man das Jugendtaxi weiter bezahlen kann.

Noch kein Kommentar

Schreiben Sie Ihren eigenen Kommentar

noch 3000 Zeichen
Mit Ihrem Kommentar akzeptieren Sie unsere Netiquette

Für registrierte Nutzer

Melden Sie sich an und schicken Sie Ihren Kommentar ab:

Für noch nicht registrierte Nutzer

Registrieren Sie sich kostenlos, um Ihren Kommentar abzuschicken:

Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:

Zum Schluss

Ungewöhnliche Hotels

Freischwebendes Bett, Möbel an der Decke, schiefe Böden. Vielleicht ist das "Propeller Island City Lodge" im Bezirk Wilmersdorf tatsächlich das ungewöhnlichste Hotel Berlins. Die Gäste, die hier einchecken suchen Außergewöhnliches. mehr

Am Schloss sollte man nicht sparen

Das Fahrrad geknackt und dann auf und davon: Ihr Gefährt sehen die wenigsten Eigentümer wieder.

Mindestens fünf bis zehn Prozent des Fahrradpreises sollte man für ein gutes Schloss ausgeben, sagen Experten. Am sichersten ist laut ADFC ein Bügelschloss. Dennoch: Absoluten Schutz gibt es nicht. mehr

Medizin in Comics und PC-Spielen

Wie werden medizinische Themen in Filmen, Comics und Computerspielen dargestellt? Dieser Frage geht Arno Görgen von der Universität Ulm nach. Seine Forschung fließt in die medizinische Lehre ein. mehr