Produkt-Verwirrung: Nicht nur Kaffee in der Tüte

Ulm.  Kaffeetrinker aufgepasst: Nicht überall wo Kaffee draufsteht ist auch nur Kaffee drin. In den Läden stehen zur Zeit zwei Sorten Onko-Kaffee in den Regalen: Hundertprozentiger Röstkaffee sowie eine Mischung aus Röstkaffee, Maltodextrin und Karamell. Wird hier der Verbraucher an der Nase herumgeführt?

Das Nebeneinander zweier Onko-Kaffeesorten im Supermarktregal soll nur ein vorübergehender Zustand sein. Güde Lassen, Pressesprecherin von Kraft Foods, sagt dazu: „Im November vergangenen Jahres sind die Sorten klassisch, naturmild, sanft und entkoffeiniert durch das neue Produkt ,Onko Melange' ersetzt worden.“ Es könne vereinzelt möglich sein, dass beide Kaffeeprodukte in den Läden verfügbar seien. „Das hängt jedoch vom Lagerbestand des jeweiligen Händlers ab.“

Ist dem Kunden überhaupt bewusst, dass es sich um zwei verschiedenen Produkte handelt? Beim Testkauf in einem Ulmer Supermarkt stehen die beiden Packungen nebeneinander im Regal. Die Verpackungen beider Onko Kaffees sind fast identisch. Der Schriftzug und die abgebildete Kaffeetasse sind gleich, die Verpackung ist grün. Der Unterschied steckt, wie so oft, im Detail: Die "Melange", wird auf der Vorderseite nicht als "Kaffee" bezeichnet. Über dem weißen Onko-Schriftzug findet sich anstelle von „Kaffee“ einfach ein leerer Fleck. Ganz unten auf der Vorderseite findet sich eine Beschreibung des jeweiligen Produkts. Beim herkömmlichen Onko-Kaffee wird eine „ausgewählte Kaffeekomposition – vollmundig“ beworben, wohingegen auf dem neuen Produkt „harmonische Melange aus Röstkaffee, Maltodextrin und Karamell“ zu lesen ist. Wer sich die Mühe macht, die Zutatenliste auf der Seite des Kaffee-Päckchens zu lesen, wird auch hier fündig. Die neuen Stoffe Maltodextrin und Karamell werden korrekt ausgewiesen.

Der herkömmliche Kaffee besteht zu 100 Prozent aus gemahlenen Bohnen. Das neue Onko-Produkt wird nun nicht mehr als Kaffee, sondern als „Melange aus Röstkaffee, Maltodextrin und Karamell“ bezeichnet. Die Packung enthält nur 440 Gramm Kaffee, dazu kommen 40 Gramm Maltodextrin und 20 Gramm Karamell.

Rechtlich ist das alles korrekt. Doch Verbraucher wie Björn Harste diskutieren im Internet. Auf www.shopblogger.de macht Harste seinem Ärger Luft: „Diese Vorgehensweise ist eine Frechheit und in meinen Augen eine größere Verbraucherverarschung“. Der Kunde vergleiche den Preis und selten den Inhalt. „Dass das günstigere Produkt auch weniger hochwertig ist, interessiert dabei häufig nicht!“

Güde Lassen sagt dazu: „Die neue Rezeptur ermöglicht ein besonders harmonisches Geschmacksprofil“. Udo Pollmer, Lebensmittelchemiker am europäischen Institut für Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften in München, kann dies bestätigen: „Viele Menschen empfinden ein mit Maltodextrin verfeinertes Erzeugnis als wohlschmeckender. Die Substanz ist allerdings auch billiger als der Rohstoff Kaffee“.

Die neue Mischung wird zum gleichen Preis wie das alte Produkt verkauft. Dass der Kunde die beiden Packungen kaum unterscheiden kann, scheint dabei keine Rolle zu spielen. Die Firma Kraft weist darauf hin, dass der neue Onko-Kaffee auf der Frontseite der Verpackung schließlich korrekt als Melange ausgewiesen wird.

Lebensmittelchemiker Pollmer kann Verbrauchern nur raten, aufmerksam beim Kauf zu sein. „Je phantasievoller der Name des Produkts, desto eher kann man davon ausgehen, dass es sich um eine Mischung, ein Imitat handelt.“ Beim ersten Testtrinken zeigt sich, dass der herkömmliche, hundertprozentige Kaffee tatsächlich bitterer schmeckt, als die Melange mit Maltodextrin. Die Frage, ob man grundsätzlich dazu bereit ist, technologisch veränderte Nahrungsmittel zu sich zu nehmen, nur um ein besseres Geschmackserlebnis zu haben, muss jeder selbst für sich beantworten.

Bei der Verbraucherzentrale Hamburg wird die neue Kaffeesorte mit Argwohn beäugt. "Das ist eine neue  Form der Abzocke. Verbraucher werden bewusst in die Irre geführt. Der teure Röstkaffee wird einfach zum Teil durch deutlich günstigere  Zutaten ersetzt", sagt Claudia Michehl, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale.

Beim Griff zum Kaffee lohnt es sich also, zweimal hinzuschauen. Denn es muss nicht immer reiner Kaffee sein, der den Kunden eingeschenkt wird.




Kommentare (7)

13.11.2010 15:40 Uhr |   unbekannt

Onko Plärre

Auch ich bin als langjähriger Onko-Trinker enttäuschtdaß man den Kaffee mit diesen Zutaten versaut hat ! Kaufe nie wieder Onko. In München stehen die Regale voll mit diesem unver-käuflichem Gump !
04.11.2010 10:25 Uhr |   unbekannt

onko kaffee sanft

Seid ein paar Wochen schmeckt uns der obengenannte Kaffee nicht mehr. Auch unsere Gäste am letzten Samstag waren enttäuscht. Meine Schwester klärte uns auf, denn sie hatte den Bericht im WDR gesehen. Ich schaute auf unsere Packungen nach und siehe da , auf den Packungen steht, Harmonische Melange aus Röstkaffee, Meltodextrin un Karamell. Bekömmlich ist er in keinster Weise. Was wir mit den Rest machen wissen wir noch nicht. Eigentlich gehört dieser in den Müll.Kaufen werden wir nie wieder Onko Kaffee.B. u. M. Voll
27.10.2010 15:59 Uhr |   unbekannt

Selber Schuld an Kaffeebetrug?

Bei uns wurde auch immer Onko Kaffee getrunken, schon bei meinen Großeltern gab es nichts anderes und das nicht wegen des Preises sondern weil er uns einfach gut schmeckte. Jetzt haben wir unseren Kaffee gekauft und haben uns gewundert dass unsere Kaffeedose nicht voll wurde, nachgewogen alles ok.
Nächste Überraschung, die Kaffeemaschine läuft nicht mehr richtig durch, Maschine auseinander genommen Ursache nicht gefunden. Nächstes Problem, dem Kaffee fehlt es an Geschmack- Gedanke na vieleicht muss eine neue Kaffeemaschine her. Dann der Hammer wir schauen eine Sendung im WDR und sehen unser Kaffee wird gestreckt, mein Mann in die Küche schaut nach und Ursache für alle Übel gefunden.
Da kann ich nur sagen ,,danke", auch so verliert man langjährige Kunden. Bei uns wird es ab sofort keinen Onko mehr geben

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Autor: CHRISTINA FENCHEL | 15.03.2010

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