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Notre Dame im vollen Klang

Konzert von den Türmen von Notre Dame in Paris: Die neun neuen Glocken sind am Samstag zum ersten Mal geläutet worden. Hunderte hörten "Marie", "Gabriel", "Benoit-Joseph" und Co. zu.

Einen echten Glöckner gibt es in der Pariser Kathedrale Notre Dame schon lange nicht mehr, dafür aber neun neue Glocken: Anlass ist der 850. Geburtstag der berühmtesten Kirche Europas. Am Samstag, dem Vorabend von Palmsonntag, sind die tonnenschweren Glocken im Beisein des Pariser Kardinals Andre Vingt-Trois in Betrieb genommen worden. Sie waren bereits Ende Januar in der Kathedrale ausgestellt worden, am 2. Februar hat Vingt-Trois sie gesegnet. Seitdem haben rund eine Million Besucher die Glocken besichtigt.

Mehrere hundert Menschen versammelten sich am Vorabend des Palmsonntags vor dem Pariser Wahrzeichen, um das erste Geläut der neuen Glocken live mitzuerleben. In einer feierlichen Zeremonie, an der nach Angaben der Organisatoren auch die französische Kulturministerin Aurelie Filippetti, der Pariser Bürgermeister Bertrand Delanoe und der Nuntius in Frankreich, Erzbischof Luigi Ventura, teilnahmen, gab der Pariser Erzbischof das Zeichen für den Einsatz des Geläuts.

Dass es die Kathedrale und ihr Geläut heute noch gibt, daran hat auch der Glöckner Quasimodo seinen Anteil: "Das Buch von Victor Hugo hat Notre Dame gerettet", sagt Benedicte Esnault, die Jubiläumsdirektorin der 850-Jahr-Feiern. Verfechter der Französischen Revolution hatten 1791 und 1792 die Kirche gestürmt, die Glocken von den Türmen geholt und eingeschmolzen. Nur die tontiefste Glocke "Emmanuel" von 1658, die bis heute im Südturm der Kirche hängt, überstand den Aufstand.

Danach kam "Unsere liebe Frau", wie die Kirche auf Deutsch heißt, in die Jahre. Erst der Roman von Hugo, der 1831 erschien, weckte wieder das Interesse der Pariser an ihrer Kathedrale und trug dazu bei, dass sie umfassend restauriert wurde. Auch mit neuen Glocken: 1856 wurde der Nordturm der Kirche mit vier Glocken bestückt, die "Emmanuel" im Südturm begleiten sollten.

"Das klang nicht immer gut", sagt Esnault. Die Glocken seien wegen der minderen Metallqualität verstimmt gewesen. Im Februar 2012 sind sie deshalb von den Türmen geholt und ein neues Geläut in Auftrag gegeben worden, das dem von der Revolution zerstörten nachempfunden ist. Sie sollen "Emmanuel" mit etwas tieferen und sonoreren Klängen als die bisherigen begleiten. Zwei Millionen Euro hat die Erneuerung gekostet. Sie wurde aus Spenden finanziert.

Die Namen der neuen Glocken seien bewusst gewählt worden, sagt Benedicte Esnault. Da gibt es zum Beispiel "Marie", die nun zusammen mit "Emmanuel" im Südturm hängt. Sie ist nach der Gottesmutter Maria benannt. "Damit Emmanuel - wie Jesus als Sohn Gottes in der Bibel genannt wird - nicht so allein ist."

Rein musikalisch korrespondiert "Marie" auf der anderen Seite mit "Gabriel". Er ist mit 1,83 Metern Durchmessern die größte Glocke im Nordturm. Auch dieser Name ist mit der biblischen Geschichte verknüpft, verkündet doch Erzengel Gabriel der Jungfrau Maria, dass sie ein Kind erwartet.

Neben den Stadtpatronen von Paris und dem Notre-Dame-Gründer Maurice de Sully, der den Bau im Jahr 1163 initiiert hat, geben zwei berühmte Geistliche zwei neuen Glocken ihre Namen: der ehemalige Pariser Kardinal Jean-Marie Lustiger und Papst Benedikt XVI. - in der Glockensprache salopp "Jean-Marie" und "Benoit-Joseph". Es sind zwei kleinere Glocken, die in Paris von nun an gemeinsam zum Angelus-Gebet oder zur Weihnachtsmesse rufen. Für die nächsten 200 bis 300 Jahre wird das neue Geläut zu hören sein - so ist es jedenfalls geplant.

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