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Mordwelle wie im Schweden-Krimi

Skandinavische Krimis lösen bei vielen Deutschen wohlige Schauer aus. Doch in Schweden leben die Menschen in Angst vor einem echten Serienkiller.

HANNES GAMILLSCHEG | 0 Meinungen

Eine Mordwelle wie in einem Schweden-Krimi plagt die Insel Öland. Die Opfer wurden erst getötet, dann verbrannt. Ein Verdächtiger wurde freigesprochen, die Lokalbevölkerung glaubt dennoch an seine Schuld. Doch es taucht kein Kommissar Wallander auf, um die dunkle Wahrheit ans Licht zu holen.

Immer wieder die gleiche Szenerie: es beginnt mit einem Haus in Flammen, zuletzt im Ort Flakeböle im Norden der Insel. Ein Nachbar rief die Feuerwehr. Auf dem Tisch im Wohnhaus stand noch das Abendessen, von den beiden Bewohnern keine Spur. Deren verkohlte Leichen fand man später in der abgebrannten Garage. Doch die Obduktion zeigte: Der Mann (57) war mit einem Hammer erschlagen worden, seine Lebensgefährtin (55) und der Hund waren mit einer Schrotflinte getötet worden. Danach zündete der Mörder das Haus an, um sein Verbrechen zu kaschieren, lautet die Theorie der Polizei.

Die Tat weckte auf Öland Erinnerungen. Schon 2006 war ein Paar in der Nachbarschaft auf ähnliche Art umgekommen: Ein Unbekannter schnitt einem 69-Jährigen die Kehle durch und steckte das Haus an, in dem dessen Frau war. Die Tür hatte er von außen verriegelt. Auch die Garage, die jetzt in Flakeböle diesmal brannte, war von außen versperrt.

So geht auf Öland nun die Angst vor einem Serientäter um, denn die makabre Verbrechenskette kann noch länger sein. Schon 2005 war im Norden der Insel ein Haus niedergebrannt, der Besitzer darin gestorben. Die Todesursache ließ sich nicht mehr eruieren, natürliche Ursachen für das Feuer gab es nicht.

Insgesamt acht Brände, sechs davon mit tödlichem Ausgang, gab es seither im Umkreis von nur 20 Kilometern, und die Polizei muss verschreckte Einwohner beruhigen, die auf ihrer sonst so idyllischen Insel um ihr Leben fürchten.

Die Kripo zögert, die Fälle in Zusammenhang zu setzen. "Wir ermitteln in alle Richtungen", sagt Polizeichef Jan Karlsson. Doch Schwedens bekanntester Kriminologe, Leif G.W.Persson, spricht in seinem populären TV-Programm von einem "Serienmörder" mit guten Lokalkenntnissen. Das trägt nicht dazu bei, die Stimmung unter den 12 000 Insulanern zu beruhigen. "Die Leute fühlen sich nicht mehr sicher, einige reden davon, wegzuziehen", meldet die Zeitung "Aftonbladet". Man habe hunderte Verhöre durchgeführt, sagt Fahndungsleiter Ulf Martinsson, "doch das Problem bei Mordbränden ist, dass die Beweise verbrennen." Für den Doppelmord von 2006 wurde ein damals 49-jähriger Verwandter angeklagt, der wegen großer Schulden unter Druck stand. Er hatte von dem Paar mehrmals Geld geliehen.

Er war auch Nachbar des Mannes, der 2005 in den Flammen starb, und er ist auch jetzt wieder im Augenmerk der Polizei. Es gebe "ökonomische Transaktionen" zwischen ihm und den Ermordeten, die kürzlich eine größere Summe erbten. Er habe Geld geborgt. Außerdem liegen Anzeigen des Mordopfers wegen Bedrohung vor, sagt Martinsson, ohne spezifizieren zu wollen, wer hinter den Drohungen stand.

Vor Gericht war der Angeklagte damals von den Mordvorwürfen freigesprochen worden: technische Beweise gegen ihn gab es nicht, und der Indizienkette, die die Ermittler geknüpft hatten, schenkten die Richter keinen Glauben.

Jetzt verweigert er die Zusammenarbeit: In den Verhören sei er damals so erniedrigend behandelt worden, dass er jedes Vertrauen in die Polizei verlor. In der Bevölkerung und unter Bloggern richtet sich der Verdacht jedoch erneut gegen ihn: er sei schon damals schuldig gewesen und sei es jetzt wieder, und "wenn die Polizei nicht bald etwas tut, besteht ein großes Risiko, dass dieser Person etwas passiert", sagte ein Ortsbewohner.

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