Mit Handschellen empfangen

Berlin.  Zwei Wochen nach dem spektakulären Überfall auf ein Poker-Turnier in einem Berliner Luxushotel ist es vorbei: Alle vier mutmaßlichen Räuber sind gefasst.

Nachdem in der vergangenen Woche bereits zwei Männer festgenommen wurden, sitzen seit Samstag auch die beiden anderen mutmaßlichen Räuber in Untersuchungshaft. Zwar konnten sie sich zunächst ins Ausland absetzen. Doch dann stellten sie sich und flogen innerhalb weniger Stunden nach Berlin ein. Die Anwälte der beiden in den Libanon und die Türkei geflüchteten Verdächtigen hatten der Polizei telefonisch angekündigt, dass ihre Mandanten aufgeben wollen, sagte ein Polizeisprecher. Die Ermittler hatten mit einer internationalen Fahndung auch riesigen Druck aufgebaut. Mit Haftbefehl, Fotos und Namen war nach den Männern gesucht worden. Jetzt fehlen noch die 242 000 Euro Beute.

Gegen elf Uhr klickten bei einem 20-Jährigen auf dem Flughafen Tegel nach seiner Landung aus Istanbul die Handschellen. Nur acht Stunden später kam dann der letzte Verdächtige der Poker-Räuber aus Beirut zurück. Der 19-Jährige wurde gegen 19 Uhr festgenommen und zur Vernehmung gebracht.

Die Ermittler bei Polizei und Justiz zeigten sich "absolut zufrieden", dass die Verdächtigen nun allesamt hinter Schloss und Riegel sind. Doch bohrende Fragen bleiben. "Die Beute ist nach wie vor nicht da", sagte Staatsanwaltschafts-Sprecher Martin Steltner gestern. Interessant dürfte auch sein, ob es möglicherweise Drahtzieher aus der organisierten Kriminalität gibt.

Wie die "Berliner Morgenpost" unter Berufung auf Sicherheitskreise berichtete, soll hinter dem Überfall eine arabische Familie stehen. Informationen, wonach wesentliche Tipps zur Identität der Poker-Räuber von einer weiteren arabischen Familie stammten, wollte die Polizei dem Bericht zufolge nicht bestätigen.

Bei dem Überfall im Grand Hyatt Hotel am Potsdamer Platz waren die Täter ziemlich stümperhaft zu Werke gegangen. Sie hinterließen jede Menge Spuren, wurden von Überwachungskameras gefilmt und flüchteten in einem Auto, dessen Nummernschild sich ein Zeuge merken konnte. Der Wagen war auf einen der Verdächtigen zugelassen. Dieser stellte sich am vergangenen Montag als erster bei der Polizei und verriet seine Komplizen. Auch der zweite Verdächtige war noch in der Hauptstadt. Der 20-Jährige ließ sich am Mittwoch widerstandslos festnehmen. Er war zufällig von einer Zivilstreife kontrolliert worden.

Am Mittwoch hatten Polizei und Staatsanwaltschaft bereits über Details des Überfalls berichtet. Mit einem Revolver und einer Machete waren die maskierten Täter in das Hotel gestürmt und hatten unter den rund 400 Turnierteilnehmern eine Panik ausgelöst. Nach dem Überfall war sich selbst Berlins Polizeipräsident Dieter Glietsch ziemlich sicher, dass die Vierer-Bande schnell gefasst wird. dpa


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22.03.2010

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