Mäusekot im Müller-Brot
München. Den Kunden dürfte auch im Nachhinein noch schlecht werden. Denn was die Kontrolleure über die hygienischen Zustände in der Münchner Skandalbäckerei Müller berichten, ist widerlich und skandalös.
Schaben, Motten und Mäusekot in den gesamten Produktionsanlagen - erstmals berichten die Kontrolleure des Landratsamtes Freising umfassend über die hygienischen Bedingungen in der Münchner Großbäckerei Müller, die vor einer Woche geschlossen wurde.
Laut der gestern veröffentlichten Stellungnahme hatten die Behörden schon seit zwei Jahren mit dem Unternehmen aus Neufahrn bei München zu kämpfen. Vor allem geht daraus hervor, dass die mittlerweile als "Ekel-Bäckerei" titulierte Firma schon vieles auf dem Kerbholz hatte.
Seit 2010 gab es insgesamt 21 Kontrollen durch die Lebensmittelüberwachung - "alle waren unangekündigt". Sechs Mal mussten Backwaren vernichtet werden, da sie "unter unhygienischen Bedingungen hergestellt wurden", in drei Fällen wurde schon an die Läden ausgelieferte Ware zurückgerufen. Auch hatte Müller bereits einiges an Strafen bezahlt: 19 000 Euro Buß- und 50 000 Euro Zwangsgeld. Immer wieder wurden in der Vergangenheit Teile der Produktionsanlage gesperrt wegen Ungeziefers und Verschmutzung.
Ende Januar verschlechterte sich dann die hygienische Situation weiter. Das Landratsamt: "In nahezu allen Produktionsbereichen waren Schädlinge und Mäusekot feststellbar." Bevor der gesamte Betrieb abgeschaltet wurde, reagierte Müller und legte die Produktion freiwillig still. Am ersten Tag des Produktionsstopps Mitte vergangener Woche wurde in den Filialen noch das Gerücht gestreut, in der Bäckerei habe es einen "Schwelbrand" gegeben.
Tag für Tag wurden dann die wahren Ursachen und das Ausmaß des Skandals immer deutlicher. Während die Behörden und das zuständige Umwelt- und Gesundheitsministerium die Auffassung vertreten, dass sie bei diesem Fall alles richtig gemacht haben, müssen sie immer härtere Kritik von der Landtags-Opposition einstecken. Die SPD-Abgeordnete Sabine Dittmar hält es für einen "Skandal", dass die Ämter "unter den Augen des damaligen Gesundheitsministers Söder zweieinhalb Jahre brauchten, um die Öffentlichkeit zu informieren". Markus Söder (CSU) ist vor kurzem an die Spitze des bayerischen Finanzministeriums gewechselt.
Nicht nur die 1300 Müller-Mitarbeiter, sondern auch die Verbraucher in München und im Umland sind schockiert über die Enthüllungen. Müller produzierte eine Million Brezeln und Brötchen sowie 70 000 Brote täglich, das Unternehmen zählt zu den zehn größten deutschen Bäckereien. Es betreibt 260 Filialen und 3600 Verkaufsstellen. Halb München hat Müller-Brot gegessen, weil es an jeder Straßenecke zu kaufen war.
Doch mittlerweile sind die Auslagen in den Läden meist dürftig, die Kundschaft bleibt aus. Die Müller-Läden werden gegenwärtig von sieben anderen Bäckereien beliefert. Pächter erzählen, dass sie von Kunden vielfach übel beschimpft werden. Ihren Angaben nach geht der Umsatz um 30 bis 50 Prozent zurück. Viele Pächter stehen deshalb vor dem wirtschaftlichen Aus.
Was mit dem Betrieb insgesamt wird, ist unklar. Die Gewerkschaft NGG berichtet, dass Mitarbeiter in der Vergangenheit mehrmals über längere Zeit auf ihren Lohn warten mussten.
Die Produktionshallen in Neufahrn werden zurzeit generalgereinigt. Will Müller wieder backen und die Ware an die Kundschaft bringen, braucht es dazu die Erlaubnis der Behörde. Doch ein Neuanfang der Marke mit der grünen Windmühle wird nach diesem Desaster schwierig werden.
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Autor: PATRICK GUYTON | 10.02.2012
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