Loveparade-Unglück: Niemand will schuld sein

Duisburg.  Für den Tod von 21 Menschen bei der Duisburger Loveparade will weiter niemand die Verantwortung übernehmen. Gestern wurden von allen Seiten Gutachten präsentiert, die die Auftraggeber entlasten sollen.

Mehr als fünf Wochen nach der Loveparade-Katastrophe von Duisburg mit 21 Toten hat ein Wettstreit der Unschuldsgutachten begonnen. Fast gleichzeitig wurden gestern in Duisburg und Düsseldorf Gutachten im Auftrag der Stadt und des NRW-Innenministeriums präsentiert, die jeweils den Auftraggeber entlasten.

Der Chef der Veranstalterfirma Lopavent, Rainer Schaller, hatte bereits zu Wochenbeginn den Schwarzen Peter weitergereicht: Nach einem aus Aufnahmen von Überwachungskameras zusammengeschnittenen Film, den Schaller ins Internet stellte, soll eine Polizeikette auf der Hauptrampe zum Loveparade-Gelände Hauptursache der Katastrophe sein.

Damit schieben die drei wichtigsten Beteiligten an der Unglücksveranstaltung die Verantwortung weiter hin und her. Eine Rekonstruktion der Abläufe und Zuordnung der Verantwortlichkeiten liegt in weiter Ferne. Mitte September soll in einer Sondersitzung des Duisburger Rates über eine mögliche Abwahl des Duisburger Oberbürgermeisters Adolf Sauerland (CDU) entschieden werden. Sein "katastrophales Krisenmanagement" vergrößere täglich den Schaden für die Stadt, hatte die SPD-Ratsfraktion dem vor der Katastrophe beliebten Stadtoberhaupt vorgehalten. Sauerland will sich heute persönlich rechtfertigen, wenn der Innenausschuss des Landtags sich erneut mit der Katastrophe befasst. Schaller kommt dagegen nicht zu der Ausschusssitzung. Einen geplanten Auftritt heute Abend in der Sat-1-Sendung "Kerner" sagte er gestern kurzfristig ab.

Das Gutachten für das nordrhein-westfälische Innenministerium sieht die Verantwortung für die Sicherheit bei der Duisburger Stadtverwaltung und dem Veranstalter Lopavent. Die Polizei habe laut Ordnungsrecht nur eine nachgeordnete Zuständigkeit gehabt. In erster Linie sei der Veranstalter zuständig für die Sicherheit gewesen. Die Stadt hätte auch am Tag der Loveparade kontrollieren müssen, ob der Veranstalter alle Sicherheitsauflagen einhält, heißt es in dem Gutachten einer Bonner Rechtsanwaltskanzlei.

Ganz anders dagegen die Darstellung des von der Stadt Duisburg beauftragten Gutachtens. "Die Stadt hat bei der Planung und Vorbereitung der Loveparade nicht gegen Amtspflichten verstoßen. Die Mitarbeiter haben rechtmäßig gehandelt", lautet das Resümee eines 130 Seiten starken Abschlussberichtes, den gestern in Duisburg eine Anwaltskanzlei im Auftrag der Stadt vorlegte.

Kritik an der Polizei wies der innenpolitische Sprecher der SPD- Landtagsfraktion, Thomas Stotko, bei der Präsentation des Düsseldorfer Gutachtens zurück. Ob die Polizei am Tag der Katastrophe früher hätte eingreifen müssen, könne nur die Staatsanwaltschaft klären.

Die Trauer vieler Duisburger äußerte sich bisher in Plakaten, Kerzen und Blumen an der Unglücksstelle. Damit ist bald Schluss: Der Tunnel wird als Straßenverbindung in der Ruhrgebietsstadt für den Verkehr gebraucht. Ende der Woche werden die Trauergaben eingesammelt, die Autos rollen wieder. dpa


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02.09.2010

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